Ver.di

Der BVG droht ein neuer Tarifkonflikt

Ver.di fordert mehr Gehalt für BVG-Beschäftigte. Der Lohnzuwachs soll mindestens 50 Euro betragen. Erste Gespräche sollen im November geführt werden. Falls diese scheitern, könnte es bald auch zu Arbeitsniederlegungen kommen.

Foto: ddp / DDP

Die Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin müssen sich auf einen neuen Tarifkonflikt einstellen. Nach monatelangen Lokführer-Streiks bei den Privatbahnen könnte es bald auch zu Arbeitsniederlegungen bei den kommunalen Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) kommen. Die Gewerkschaft Ver.di hat jetzt fristgerecht den Entgelttarifvertrag für die mehr als 12.500 Mitarbeiter der BVG und ihrer Fahrer-Tochter Berlin Transport (BT) zum Jahresende gekündigt. „Wir wollen für die Beschäftigten einen Inflationsausgleich und darüber hinaus einen kleinen Lohnzuwachs erreichen“, sagte Gewerkschaftssekretär Frank Bäsler.

Eine konkrete Forderung wollte der Ver.di-Verhandlungsführer noch nicht nennen. Er verwies aber darauf, dass je nach Berechnung die Inflationsrate in Deutschland zwischen 2,1 und 2,8 Prozent im Jahr liegt. „Da muss sicher noch ein gutes Prozent Lohnzuwachs drauf“, so Bäsler. Jeder BVG-Mitarbeiter soll aber, so die Forderung von Ver.di, mindestens 50 Euro pro Monat mehr in der Lohntüte haben. Mit diesem sogenannten Sockelbetrag soll gesichert werden, dass auch die unteren Lohngruppen eine spürbare Einkommensverbesserung haben werden.

Verhandlungen werden vorbereitet

Spätestens im November will Ver.di Vorgespräche mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) führen, der im Auftrag der BVG-Geschäftsführung die Tarifverhandlungen führt. Im Januar sollen zügig die offiziellen Verhandlungen aufgenommen werden. Bäsler will nicht ausschließen, dass die BVG-Beschäftigten ihren Forderungen dann auch mit Arbeitsniederlegungen Nachdruck verleihen werden. „Dafür sehe ich derzeit aber keine Signale“, so Bäsler. Denkbar sei allerdings, dass der Senat in einer neuen politischen Konstellation doch noch versuchen wird, in die Tarifgespräche einzugreifen.

Dies war zuletzt 2008 der Fall, als der damalige Finanzsenator und BVG-Aufsichtratschef Thilo Sarrazin (SPD) versuchte, mögliche Lohnzuwächse mit den Bezügen zu verrechnen, die das Gros der BVG-Beschäftigten über dem bundesweiten Tarifniveau erhält. In der Folge kam es zum härtesten Arbeitskampf in der Geschichte des Landesunternehmens. Die Wiederholung dieses Szenarios wird bei der BVG für die aktuelle Tarifauseinandersetzung nicht befürchtet. Bereits die Verhandlungen zum Manteltarifvertrag, in dem die Arbeitsbedingungen verankert sind, liefen am Ende fast geräuschlos und ohne Warnstreiks ab. „Wir als BVG gehen davon aus, dass wir uns auch bei den Löhnen schnell einigen können“, sagte Sprecherin Petra Reetz.