Hybridbus zu teuer

BVG wird vorerst doch nicht "grüner"

"Gelb wird grüner", lautete das vielversprechende Motto einer Initiative der BVG. Doch jetzt verzichten die Verkehrsbetriebe wegen zu hoher Kosten auf die Anschaffung von umweltfreundlichen Hybridbussen und auch die einst angekündigte Anschaffung von 50 neuen Wasserstoffbussen wurde vertagt.

Foto: BVG, Knoke

Außen goldgelb-metallic lackiert, innen in dezentem Grau gehalten. Richtig schick sah er aus, der Hybridbus, den die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf den Linien M49 und X49 durch Spandau und Charlottenburg fahren ließen. Doch der Testeinsatz dauerte nur drei Tage. Zwar lobten Kunden und Fahrer den Komfort und die geringe Lautstärke des mit einem herkömmlichen Diesel- und einem umweltfreundlichen Elektromotor angetriebenen Omnibusses, doch wird es wohl bei einem einmaligen Gastspiel bleiben.

Dabei hatte BVG-Vorstandschefin Sigrid Nikutta erst im Mai einen Strategiewechsel hin zu mehr Umweltfreundlichkeit verkündet. „Gelb wird grüner“, lautete das Motto der Initiative. Doch das Nahverkehrsunternehmen plant weder weitere Hybridversuche noch gar die Anschaffung eigener Hybridbusse. Einen weiteren Testlauf mit ausschließlich elektrisch angetriebenen Bussen soll es im Rahmen eines vom Bund geförderten Projekts zwar noch geben. Doch dieser wird laut BVG-Sprecherin Petra Reetz frühestens 2013 gestartet.

Preise sind zu hoch

Auch die einst angekündigte Anschaffung von 50 neuen Wasserstoffbussen, die wegen fehlender Kohlendioxid-Emissionen als besonders umweltfreundlich gelten, hat die BVG inzwischen vertagt. Die Industrie sei bislang nicht in der Lage, technisch erprobte Wasserstoff-Omnibusse zu einem vertretbaren Preis zu liefern. Das ist das Hauptproblem für das mit mehr als 750 Millionen Euro verschuldete Landesunternehmen: Die neue Technik ist für sie zu teuer.

Etwa eine Viertelmillion Euro kostet ein neuer Linienbus. Der Ende August getestete Hybridbus von MAN ist rund 100000 Euro teurer. Hinzu kämen Mehrkosten im Alltagsbetrieb. So müssten die Hybridbusse etwa zum Aufladen der Energiespeicher öfter untätig in der Halle stehen, zudem sind zusätzliche Wartungsarbeiten erforderlich. Dadurch erhöhe sich der Technikaufwand, gleichzeitig würden sich die Einsatzzeiten, in denen der Bus „Geld verdient“, verringern.

All diese Nachteile würden nicht durch Einsparungen aufgewogen, die es etwa durch einen geringeren Kraftstoffverbrauch gibt. Laut Hersteller verbraucht der Hybridbus im Vergleich 30 Prozent weniger Diesel. Im Linieneinsatz, so das Ergebnis des Berliner Praxistests, liegen die Kraftstoffeinsparungen und die damit verbundene Schadstoffreduzierung gegenüber einem Standardbus mit reinem Dieselbetrieb „zwischen zehn und 20 Prozent“. Die BVG kam zum Schluss, dass beim Hybridbus eine Amortisation – also der Ausgleich der Ausgaben durch spätere Einnahmen – nicht möglich sei. Nicht zuletzt unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe in Fukushima wollte die BVG zudem schnell auf Strom verzichten, der in Atommeilern erzeugt wird. Es sollte möglichst nur noch „grüner Strom“ eingekauft werden. Die Prüfung einer solchen Option fiel ähnlich ernüchternd aus wie beim Hybridbus: „Wirtschaftlich nicht darstellbar.“

Konkret sind externe Prüfer zu dem Ergebnis gekommen, dass der saubere Strom im Einkauf gegenüber dem heute bezogenen Energiemix zwischen 7,50 und 20 Euro je Megawattstunde (MWh) teurer ist. Für die BVG eine erhebliche Mehrbelastung, als einer der größten Stromverbraucher in der Stadt. Pro Jahr werden 430000 MWh Strom benötigt, um U-Bahn- und Straßenbahnzüge in Bewegung zu halten oder Maschinen und Geräte in den Werkstätten anzutreiben. Der komplette Umstieg auf Ökostrom hätte für die BVG Zusatzkosten von mehreren Millionen Euro zur Folge. Das ist uns zu teuer, hat die BVG-Spitze nun entschieden.