Überfall in Bad Saarow

Rätsel um Anschläge auf Familie Pepper

Zwei Tage nach den Schüssen auf die Tochter der Unternehmerfamilie Pepper, bei denen einen Wachmann schwer verletzt wurde, ist der Täter noch immer auf der Flucht. Die Mordkommission glaubt nicht an einen schnellen Fahndungserfolg.

Foto: schroeder

Die brandenburgische Polizei hat die Ermittlungen nach den mysteriösen Anschlägen auf die Berliner Unternehmerfamilie Pepper weiter intensiviert. Doch konkrete Erkenntnisse zu dem Täter, der Sonntagmorgen einen Wachmann angeschossen und lebensgefährlich verletzt hat, sowie zu dessen Tatmotiv liegen noch nicht vor. Die Mordkommission Frankfurt (O.) ist auf 20 Beamte aufgestockt worden und soll bei Bedarf durch weitere Polizisten aus dem Schutzbereich Oder-Spree verstärkt werden.

"Bislang sind lediglich sechs Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen“, sagte am Dienstag Polizeisprecher Detlef Lüben. Diesen werde umgehend nachgegangen. Der 31 Jahre alte Wachmann, der sich auf dem Grundstück des Immobilien-Königs schützend vor die Tochter von Christian Pepper geworfen hatte und von drei Schüssen getroffen wurde, liegt weiter auf der Intensivstation. Sein Zustand ist nach wie vor lebensbedrohlich.

Familie unter Polizeischutz

Die Familie Pepper – der 61 Jahre alte Firmeninhaber Christian Pepper, seine Frau Petra (58) und deren Kinder Patrick und Louisa – steht seit dem Anschlag, der offensichtlich der 23-jährigen Louisa galt, unter Polizeischutz. Auch das Anwesen am Friedrich-Engels-Damm in Bad Saarow (Kreis Oder-Spree) wird überwacht.

Einen solchen dramatischen Kriminalfall habe Bad Saarow noch nicht erlebt; die Bewohner in der beliebten Ausflugsregion Scharmützelsee seien bestürzt, so die Bürgermeisterin des Kurortes, Gerlind Stobrawa (Linke). Sie spricht von einem „einmaligen Akt der Kriminalität“ in der seit einigen Jahren boomenden Touristenregion. „Ich habe am Montag von diesem schrecklichen Ereignis erfahren und bin schockiert. Wie alle Bürgerinnen und Bürger, mit denen ich seither gesprochen habe, kann ich mir das nicht erklären. Ich habe keine Ahnung, was der Hintergrund dieser Angriffe sein könnte“, sagte die Bürgermeisterin.

Bereits am 22. August war es in Bad Saarow schon einmal zu einem Angriff auf Petra Pepper gekommen. Die Frau des Immobilienunternehmers wurde vor ihrem Haus von einem maskierten Mann überfallen und durch Hiebe mit einem Gegenstand gegen den Kopf erheblich verletzt. Danach engagierte die Familie einen privaten Wachschutz.

In Bad Saarow gebe es sonst kaum Kriminalität; ein Handtaschenraub vor Jahren durch einen Jugendlichen, der die Besitzerin zuvor geschlagen hatte, sei die letzte nennenswerte Straftat gewesen, betonte die Bürgermeisterin.

Kein Streit um Immobilien

Einen Zusammenhang mit dem Grundbesitz der Familie Pepper in Bad Saarow kann Gerlind Stobrawa nicht erkennen. Konflikte, wie vor etlichen Jahres über die weitere Nutzung des ehemaligen Strandbades, gebe es schon lange nicht mehr. „Im Gegenteil. Die Gemeindeverwaltung hatte gemeinsam mit Grundstücksinhaber Pepper Anstrengungen unternommen, das Gelände weiterzuentwickeln. Doch die Ausweisung des Areals als Landschaftsschutzgebiet ließ dies nicht zu.“ Pläne, einen Teil des Geländes mit Wohn- oder Ferienhäusern zu bebauen und mit dem Verkaufserlös das seit 2003 geschlossene Strandbad zu sanieren, seien im Vorjahr endgültig gescheitert. Die Bürgermeisterin selbst und Ratsmitglieder der Gemeinde hatten sich mit diesem Anliegen zuletzt erfolglos an das Landes-Umweltministerium gewandt.

Die Familie Pepper meidet nach den Anschlägen die Öffentlichkeit. Aus dem Firmensitz der Europa-Center Grundstücks-GmbH heißt es lediglich „kein Kommentar“. Auch im Berliner Wohnhaus der Peppers in Dahlem meldet sich nur ein Anrufbeantworter. Immobilienunternehmer Gottfried Kupsch, selber Mieter im Europa-Center, schätzt Christian Pepper als „zuverlässigen und kulanten Vermieter“. Die Angriffe auf die Familie seien „schockierend und unerklärlich“.

Die Polizei rechnet nicht mit einem schnellen Abschluss des Falls. Erschwerend für die Aufklärung sei die vollständige Maskierung des Schützen, der einen Tarnanzug, schwarze Schnürstiefel und einen Militärhelm mit Netz vor dem Gesicht trug. Spuren des Täters führten zu einem Kreisverkehr an der Silberberger Straße, wo der Mann nahe einem Trafohäuschen ein Motorrad abgestellt haben muss, mit dem er nach dem Anschlag flüchtete.

Die Polizei bittet alle Personen, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich bei der Mordkommission unter Tel.: 0335-5613115 oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.