Fall Pepper

Polizei fahndet mit Phantombild nach Attentäter

Bislang sind nur wenige Hinweise zum Anschlag auf die Berliner Unternehmerfamilie Pepper eingegangen. Bad Saarow rätselt indessen über das Motiv des Täters.

Foto: schroeder

War es eine versuchte Entführung, ein Racheakt oder die sinnlose Tat eines Irren? Seit dem vergangenen Wochenende sucht eine Mordkommission nach Antworten auf diese Fragen. 20 Beamte fahnden inzwischen nach dem Täter, der den mysteriösen Anschlag auf dem Anwesen der Berliner Unternehmerfamilie Pepper in Bad Saarow (Oder-Spree) verübt hat. Bislang sind nur wenige Hinweise eingegangen, eine heiße Spur gibt es nach Angaben von Polizeisprecher Detlef Lüben noch nicht. Die Kripo hat jetzt ein Phantombild des maskierten Mannes veröffentlicht.

Der Wachmann, der bei dem Anschlag niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt wurde, liegt auf der Intensivstation der Helios-Klinik in Bad Saarow noch immer im Koma. Sein Zustand wurde als weiterhin kritisch bezeichnet. Nach bisherigen Erkenntnissen gehen die Ermittler davon aus, dass der Anschlag offenbar Louisa Pepper (23) galt, der Tochter des Immobilienunternehmers Christian Pepper (61). Der Wachmann hatte sich schützend vor die junge Frau gestellt, als der Täter am Sonntagmorgen gegen 7.20 Uhr auf der zum Anwesen der Familie gehörenden Pferdekoppel das Feuer eröffnete. Der 31-Jährige wurde von drei Schüssen in Oberkörper und Bauch getroffen.

Familie hat Anwesen verlassen

Das Anwesen der Familie ist inzwischen verwaist, Christian Pepper, seine Frau Petra (58) und Tochter Luisa haben Bad Saarow, wo sie üblicherweise die Wochenenden verbringen, erst einmal verlassen. Die Familie bekommt seit der Tat Polizeischutz, auch die Firmenzentrale am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg und das Wohnhaus der Familie in Dahlem werden überwacht.

Bereits zweimal wurde in den vergangenen Tagen die Umgebung des Tatortes von einem Großaufgebot der Polizei akribisch abgesucht, um verwertbares Beweismaterial zu finden, allerdings bisher vergeblich. Deshalb werde es in den nächsten Tagen weitere Suchmaßnahmen geben, sagte Lüben am Mittwoch. Hinweise erhofft sich die Polizei auch von der Veröffentlichung eines Phantombildes, auf dem die auffällige Kleidung des bislang unbekannten Täters zu sehen ist. Der Mann trug einen Militärtarnanzug und einen Helm mit einem Netz vor dem Gesicht. Das Foto wurde auf der Internetseite der Brandenburger Polizei veröffentlicht. Hinweise nimmt auch die Mordkommission der Kripo in Frankfurt (Oder) unter Tel.:0335-5613115 entgegen.

Zu einer vielleicht entscheidenden Frage äußerte die Polizei sich bislang nicht: Gibt es von dem Täter möglicherweise Bilder? Die Rekonstruktion des Tatablaufes ergab, dass der Unbekannte vom Tatort zunächst zu Fuß zum Silberberger Kreisel lief und seine Flucht dann auf einem Motorrad fortsetzte, das er an einem Trafohaus abgestellt hatte. Der Silberberger Kreisel wird von Video-Kameras überwacht. Ob die Auswertung des Bildmaterials etwas erbracht hat, möglicherweise gar einen entscheidenden Hinweis, dazu schweigen die Beamten der Mordkommission. Dass der Anschlag am Sonntag der Familie Pepper galt, ist für die Ermittler bislang die wahrscheinlichste Theorie. Sie wird vor allem gestützt durch die Tatsache, dass Petra Pepper (58), die Ehefrau des Unternehmers, schon im August vor der Villa am Friedrich-Engels-Damm von einem Unbekannten angegriffen und mit einem Knüppel niedergeschlagen worden war. Die Polizei geht von einem Zusammenhang beider Taten aus, und hält es ebenfalls für wahrscheinlich, dass beide Attacken vom selben Täter verübt wurden.

Wachmann unter Polizeischutz

Absolut sicher ist die Theorie für die Ermittler allerdings nicht. Man will, wie ein Beamter am Mittwoch sagte, derzeit auch nicht ausschließen, dass der jüngste Angriff dem Wachmann galt. „Im Moment ermitteln wir noch in alle Richtungen und schließen nichts aus“, sagte der Beamte. So überprüft die Kripo derzeit Hinweise, der 31-Jährige habe Kontakte zur Berliner Türsteher- und Rockerszene. Vorsorglich haben inzwischen auch vor dem Zimmer in der Helios-Klinik, in dem der lebensgefährlich verletzte Mann liegt, zwei bewaffnete Beamte Stellung bezogen.

Im beschaulichen, mit Schwerstkriminalität eher selten konfrontierten Bad Saarow ist die Tat vom vergangenen Wochenende zurzeit das wichtigste Gesprächsthema. Und wie immer, wenn zu wenige Fakten vorliegen, spekulieren die Menschen. Die Tat stehe im Zusammenhang mit den Immobiliengeschäften von Christian Pepper, mutmaßen einige. Dabei fällt mehrfach die Behauptung, die nach der Wende erfolgte Rückübertragung etlicher Grundstücke in bester Lage am Scharmützelsee an die Familie habe für viel böses Blut gesorgt, zumindest gebe es zahlreiche Neider.

Mutmaßungen zum Motiv

Derartigen Mutmaßungen widersprachen am Mittwoch nicht nur die Polizei, sondern auch Vertreter der Gemeinde Bad Saarow und Personen aus dem Umfeld der Familie. Für einen Zusammenhang mit lange zurückliegenden geschäftlichen Vorgängen gebe es nicht den kleinsten Hinweis, die damaligen Rückübertragungen seien korrekt abgelaufen und Christian Pepper genieße in Bad Saarow einen guten Ruf, hieß es. Zudem wurde der Immobilienunternehmer von Geschäftspartnern wie auch von seinen Mietern stets als korrekter Geschäftsmann und umgänglicher Mensch beschrieben.

Auch die These, die beiden Angriffe auf Frau und Tochter des Unternehmers seien versuchte Entführungen gewesen, hat in Bad Saarow einige Anhänger, da die Unternehmer-Familie wohlhabend ist und Täter auf ein hohes Lösegeld spekuliert haben könnten. Auch die irrationale Tat eines Verrückten wird für möglich gehalten. Die Polizei ging kommentierte diese Theorien nicht und wies lediglich darauf hin, man ziehe alle Möglichkeiten in Betracht.