Nach Angriff auf Lehrer

Buschkowsky empfiehlt mehr Wachschutz an Schulen

Nach dem butalen Angriff auf einen Spandauer Lehrer ist erneut die Debatte über Gewalt an Berlins Schulen entbrannt. Neukölln veweist auf gute Erfahrungen mit Wachschützern. Doch Spandau lehnt dies ab und setzt auf Sozialarbeiter. Der Landeselternausschuss fordert härtere Strafen gegen die Täter.

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Die Gewalttat an der Spandauer Gottfried-Kinkel-Realschule hat berlinweit für eine Debatte darüber gesorgt, wie Schulen sich gegen derartige Fälle besser wappnen können. Am Dienstagvormittag war der stellvertretende Schulleiter von zwei schulfremden Jugendlichen mit Faustschlägen traktiert und verletzt worden. Heinz Buschkowsky (SPD), Bürgermeister von Neukölln, forderte den besonderen Schutz von Schulen. „Wir verlieren immer mehr Tabus, selbst Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Schulen sind vor Gewalttätern nicht mehr sicher“, sagte er.

Der Bezirksbürgermeister bezeichnete den Einsatz von privaten Wachschützern vor der Schule als eine Möglichkeit, Gewaltvorfälle zu verhindern. „Jede Schule muss allerdings selbst entscheiden, ob sie Wachschützer einsetzt“, so Buschkowsky. In Neukölln hätten sich vor einem Jahr 16 Schulen zu diesem Schritt entschieden und gute Erfahrungen damit gemacht. Es gebe seitdem keine Gewalttaten mehr, die von außen an die Schulen herangetragen werden.

Das bestätigte Aleksander Dzembritzki, Schulleiter der Neuköllner Rütli-Hauptschule, die vor gut zwei Jahren durch einen spektakulären „Brandbrief“ ihrer Lehrer bundesweit bekannt geworden war. „Unsere Wachschützer wirken deeskalierend. Außerdem erfüllen sie auch pädagogische Aufgaben“, sagte der Schulleiter.

Der Spandauer Bildungsstadtrat Gerhard Hanke (CDU) lehnt den Wachschutz ab. „Wir setzen auf vorbeugende Maßnahmen“, sagt Hanke. Der Stadtrat fordert stattdessen Sozialarbeiter für alle Schulen. „Hätte in diesem Fall gleich am Anfang des Konflikts ein Sozialarbeiter die Situation deeskalieren können, wäre es vermutlich gar nicht zu der Gewalttat gekommen“, sagte er. Zudem fordert er eine harte Bestrafung der Täter. Der Bezirk Spandau habe als Schulträger Anzeige erstattet.

Lehrer im Krankenhaus behandelt

An der Gottfried-Kinkel-Schule war es zu der Gewalttat gekommen, nachdem der 58-jährige stellvertretende Schulleiter einen 14-jährigen Schüler für drei Tage von der Schulpflicht suspendiert hatte. Der Schüler hatte eine Lehrerin beleidigt. Der 14-Jährige rief daraufhin zwei Verwandte (18 und 19 Jahre alt) herbei, die den Pädagogen verprügelten. Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Hausfriedensbruchs. Polizeisprecher Michael Merkle dazu: „Die Beschuldigten wurden befragt, haben sich aber nicht zu dem Fall geäußert. Nach Feststellung der Personalien wurden sie entlassen.“

Der stellvertretende Schulleiter konnte nach einer ambulanten Versorgung das Krankenhaus wieder verlassen. Die Schulkonferenz soll Mitte Januar entscheiden, ob der Schüler die Schule weiter besuchen kann. So lange bleibt der 14-Jährige suspendiert.

Zahl der Gewalttaten gestiegen

Die jüngste Gewaltstatistik zeigt eine deutliche Zunahme der Angriffe auf Lehrer. Im Schuljahr 2006/07 wurden 442 Fälle gemeldet. Gegenüber dem Schuljahr 2005/06 ist das eine Steigerung um 18 Prozent. Auch insgesamt ist die Zahl der Gewalttaten an Schulen gestiegen. 2006/07 wurden mit 1735 Gewalttaten zehn Prozent mehr als im Vorjahr gemeldet.

André Schindler, Vorsitzender des Berliner Landeselternausschusses, forderte eine harte Bestrafung des Spandauer Schülers sowie der Täter. „Dieser Fall ist kein Einzelfall“, sagte er. Drastische Maßnahmen müssten deshalb allen Beteiligten zeigen, dass man so nicht miteinander umgehen kann. Private Wachschützer vor Schulen lehnte Schindler ab.

Auch Sascha Steuer, Bildungsexperte der CDU im Abgeordnetenhaus, sprach sich gegen private Wachschützer als Dauerlösung aus. Stattdessen forderte er, das Personal bei der Polizei aufzustocken, um die Sicherheit auf Schulhöfen zu erhöhen.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) bezeichnete den Einsatz von Wachschützern vor Schulen als eine von mehreren Möglichkeiten, Gewalt zu verhindern. „Die Bezirke müssen entscheiden, ob dieser Weg der richtige ist“, sagte Jens Stiller, Sprecher der Bildungsverwaltung. Er verwies zudem auf die gute Arbeit der Gottfried-Kinkel-Schule: „Gewaltprävention ist an der Schule ein pädagogisches Gesamtkonzept. Meldewürdige Vorfälle gab es bisher nicht.“