Neukölln

Stadträtin bedauert Aus für Schul-Wachschutz

Um die Sicherheit an Neuköllner Schulen zu erhöhen, wurde 2007 erstmals ein privater Wachschutz engagiert. Nun soll das Projekt beendet werden, obwohl die Ergebnisse überzeugen. Der Bezirk hat kein Geld.

Als ein privater Wachschutz im Dezember 2007 an Neuköllner Schulen eingesetzt wurde, war das bundesweit einmalig. Vier Jahre später soll das Projekt jetzt wegen zu hoher Kosten eingestellt werden. Rund 700.000 Euro im Jahr könne der Bezirk nicht mehr aufbringen, so die Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD).

Sie bedauert das Aus des Projektes zum Jahresende und betont, dass ausschließlich die Kostenfrage zu der Entscheidung geführt habe. Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) und der damalige Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) hatten den Einsatz privater Wachschützer nach schweren Zwischenfällen an Schulen im Bezirk durchgesetzt . Aktuell wollte sich Buschkowsky zu dem möglichen Aus nicht äußern.

Er wollte 2007 mit diesem Projekt der Gewalt ein Ende setzen. Nachdem ein Lehrer der Röntgen-Oberschule auf dem Schulhof von einem Fremden zusammengeschlagen worden war, hat er gehandelt. „Wir haben keine Wahl mehr, wir können den Eltern die Sicherheit ihrer Schüler und die der Lehrer nicht mehr garantieren, wenn wir nicht handeln“, sagte er nach dem Vorfall.

Körtings Ablehung

Doch bereits zum Start der privaten Sicherheitsmaßnahmen hatte der Senat eine Unterstützung strikt abgelehnt. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hatte der Aktion jede Hilfe verweigert und auf die Zusammenarbeit mit der Polizei verwiesen. „Vor Schulen in Neukölln brauche man keine paramilitärischen Einheiten“, sagte er. Auch Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) war gegen die Maßnahmen des Bezirkes.

Nur in Einzelfällen seien verstärkte Sicherheitsmaßnahmen zu akzeptieren. Eine vom Bezirk verlangte Kostenbeteiligung hatte der Senat abgelehnt. In der Anfangsphase kostete das vom Bezirk finanzierte Projekt rund 200.000 Euro. Später stiegen die Kosten für ein komplettes Schuljahr bis zu 500.000 Euro. Jetzt sollen es rund 700.000 Euro sein. Wohl auch ein Grund dafür, dass kein anderer Bezirk trotz ähnlicher Sicherheitsprobleme das Modell übernahm.

Gewalttaten stark zurückgegangen

Der mittlerweile für seine Äußerungen zu sozialen und gesellschaftlichen Problemen auch bundesweit bekannte Politiker wird und wurde oft für seine Äußerungen und Vorgehensweisen kritisiert. Auch aus den eigenen Reihen. Aber Buschkowskys Einsatz mit den privaten Wachschützern zeigte Erfolg. Gewaltvorfälle an Schulen in sozialen Brennpunkten sind damals binnen kurzer Zeit sehr stark zurückgegangen. Von 53 Gewalttaten sank die Zahl nach Beginn der Arbeit des Wachschutzes auf vier Vorfälle.

Im Laufe der Zeit beteiligten sich 16 Schulen in Neukölln an dem Programm. Nach Angaben der derzeitigen Bildungsstadträtin führte der Wachschutz dazu, dass es seitdem keinen einzigen erstzunehmenden Gewaltvorfall mehr gegeben habe. Die Sicherheitsleute, meist als Doppelstreifen unterwegs, wurden von den Schulen, den Eltern, Lehrern und Schülern akzeptiert. Viele Schulleiter hätten die Befürchtung, dass sich die Sicherheitsprobleme wieder verschärfen.