Fehlerhafte Lohnsteuerdaten

Neue Steuerkarte sorgt bei Berlinern für Ärger

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Die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte verläuft in Berlin nicht nach Plan. Die Daten zur Übertragung sind oft fehlerhaft. Und das hat Folgen.

Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine können derzeit über Arbeitsmangel nicht klagen. Grund sind die Informationen über die Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM), die die Berliner Finanzbehörden in bundeseinheitlichen Schreiben bis Ende dieser Woche an alle Steuerpflichtigen versenden. Darin nämlich finden sich häufig falsche Angaben – und das mit Folgen: Denn die persönlichen Daten, die künftig für alle Steuerzahler Deutschlands im Bonner Landeszentralamt für Steuern gespeichert sind, sind Grundlage aller künftigen Steuerabzüge.

Über 100 Anrufe, Mails und Briefe mit der Bitte um Hilfe in Sachen ELStAM hat Ulrich Hühn in den letzten zweieinhalb Wochen erhalten. Der Berater arbeitet für die Lohnsteuerberatung Berlin e.V. (LBB), den ältesten Lohnsteuerverein Deutschlands mit rund 7000 Mitgliedern vor allem in Berlin und Brandenburg, aber auch im übrigen Bundesgebiet. Zwar, so die Erfahrung Hühns, sei mehr als die Hälfte der Datenzusammenstellungen korrekt. Eine auffällige Häufung an Datenirrtümern hat der Fachmann aber bei Eheleuten beobachtet, die schon länger getrennt leben. „Da lag die Fehlerquote bei uns sicher um die 80 Prozent“, so Hühn.

Auch Marianne Laubisch hatte deshalb bei ihm Rat gesucht: Seit mehreren Jahren ist der Alleinerziehenden aus Tempelhof die Steuerklasse II zugewiesen. Laut ELStAM aber sollte ab 2012 plötzlich die für sie ungünstigere Klasse IV gelten. Auch Steffen Würtz, Beratungsstellenleiter für Mitte und Friedrichshain bei der Berliner Lohnsteuerberatung e.V. (BLB), hat bereits die ersten Schreiben für Vereinsmitglieder aufgesetzt. „Häufig geht es um falsche Steuerklassen oder Kinder, die plötzlich nicht mehr auftauchen“, sagt er. Eine Vereinfachung, wie durch die Umstellung von der Pappkarte auf eine elektronische Lohnsteuerkarte an sich beabsichtigt, kann Würtz bisher nicht erkennen. „Hoffen wir mal, dass es vor allem die Startschwierigkeiten sind“, so der steuerliche Berater des Lohnsteuerhilfevereins.

Ärgerlich ist der zusätzliche Bürokratieaufwand, der laut Behördenangaben auf technische Probleme zurückzuführen ist, gleichwohl. Sie habe sich schon geärgert, „und auch nicht nur für drei Minuten“, meint Marianne Laubisch. Erzürnt hat die 45-Jährige unter anderem der Hinweis in dem Schreiben, dass die Angaben unbedingt geprüft und gegebenenfalls eine Änderung beantragt werden müsse. „Eigentlich geht es hier doch um einen Behördenfehler, aber der Bürger soll sich jetzt darum kümmern, dass er berichtigt wird“, kritisiert Laubisch.

Eine Kreuzbergerin, die ihren Namen nicht nennen möchte, fühlte sich dagegen ausgerechnet nach einem Anruf beim derzeit völlig überlasteten Finanzamt besänftigt. Zwar brachte ihr das zunächst die computergenerierte Information, dass ELStAM-Änderungen nicht telefonisch zu erledigen seien. Als sie dennoch in der Leitung blieb, wurde sie schließlich zu einem Mitarbeiter durchgestellt. „Der war sehr nett, hat aber auch erzählt, dass im Amt niemand auf diese Situation vorbereitet war“, so die 46-Jährige.

Vier Mitarbeiter in jedem Berliner Finanzamt sind derzeit für ELStAM-Beschwerden freigestellt. Allgemeine Fragen kann man bei der Bundeshotline 01805/235099 loswerden. Wer im Nachhinein überprüfen will, ob seine Änderungen tatsächlich aufgenommen wurden, kann dies allerdings nach Angaben aus der Senatsfinanzverwaltung wieder nur bei seinem Finanzamt direkt erfragen.

( che )