Berliner Wasserbetriebe

Tunnelbohrer legt "Friedenauer Senke" trocken

Bis Mai nächsten Jahres errichtet ein Tunnelbohrer unter der Bundesallee einen Stauwasserkanal. Er dient als Zwischenspeicher für Regenwasser, bevor es ins Klärwerk weitergeleitet wird.

Foto: Sven Lambert

Unter Wasser stehende Keller, Straßen die sich nach starken Regenfällen in Flüsse verwandeln und Autos mitreißen – nach Jahrzehnten regelmäßiger Überflutungen der sogenannten Friedenauer Senke können Anwohner nun wieder erleichtert aufatmen. Die Berliner Wasserbetriebe haben mit dem Bau eines großen Stauraum-Entlastungskanals begonnen, in dem das Regenwasser über die Straßenabläufe zwischengespeichert wird, bevor es ins Klärwerk geleitet wird.

Eine Tunnelbohrmaschine bahnt sich deshalb einen Weg unter dem U-Bahn- und Straßentunnel unter der Bundesallee. Damit ein Kran die röhrenartige Maschine voller Technik an der Ecke des Südwestkorsos in die Tiefe abseilen konnte, wurden zu beiden Seiten des Stadtrings jeweils 21 Meter tiefe Schächte errichtet. Ein Meter dicke Betonwände sollen verhindern, dass Wasser in die Schächte eindringt. Das Grundwasser beginnt dort ab einer Tiefe von fünf Metern. Dank einer eingezogenen Unterwasserbetonsohle konnte das Wasser schließlich abgepumpt werden. Jetzt ist die Baugrube trocken und begehbar. Die Bohrmaschine gräbt sich zwischen den beiden vertikalen Schächten hindurch. Hinter ihr werden die jeweils 3,50 Meter langen Segmente für den 75 Meter langen Kanal aneinander gefügt.

„Außergewöhnliche Baumaßnahme“

„In solch einem dicht bebauten Wohngebiet ist das eine eher außergewöhnliche Baumaßnahme“, sagt Andreas Vogdt, der bei den Berliner Wasserbetrieben für die Entwässerung zuständig ist. Schon in wenigen Tagen, so die Planung, soll die Maschine auf der anderen Seite der Bundesallee, in der Varziner Straße im Zielschacht angekommen sein.

Sorgen, dass die Häuser durch die Bohrung erschüttert werden könnten, müssen sich die Anlieger nach Auskunft der Baufirma nicht machen. Bis auf den oberirdischen Lärm einiger Baumaschinen ist von den Arbeiten wenig zu bemerken. Beendet werden sollen die Arbeiten am Südwestkorso im Mai 2012. Von den unterirdischen Bauwerken wird dann nichts mehr zu sehen sein. Schon jetzt haben die Anwohner in der Sarrazin-, Handjery-, Görres- und Albestraße nach Auskunft der Wasserbetriebe bei Starkregen Entlastung. In diesem Sommer sei es deshalb nicht mehr zu Überschwemmungen gekommen. Grund: Im ersten Bauabschnitt wurden bereits 260 Meter Stahlbetonrohre mit einem Innendurchmesser von 1,80 Meter in der Varziner Straße verlegt. Sie dienen schon jetzt als Stauraum, wenn es mal wieder stark regnet.

Das Vorhaben wird in sieben Bauabschnitten realisiert. Es ist bis zum Jahr 2016 geplant und soll nach Auskunft von Stephan Natz, dem Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, rund 15 Millionen Euro kosten. Momentan wird am zweiten Abschnitt gearbeitet. Weiter geht es dann auf dem Südwestkorso, der Stubenrauchstraße und der Goßlerstraße. Bei den restlichen Bauabschnitten müssen die Rohre nur etwa vier Meter tief in die Erde verlegt werden. Mit dem dritten Bauabschnitt, der nach Auskunft der Wasserbetriebe in diesem Jahr begonnen wird, soll es ab Ende 2013 zu weiteren Verbesserungen bei der Entwässerungssituation in Friedenau kommen.

In der lange strittigen Frage, ob die Anwohner an den Kosten beteiligt werden, sagte der zuständige Tempelhof-Schöneberger Stadtrat Oliver Schworck (SPD) Morgenpost Online: „Die Prüfung ist beendet: Das Straßenausbaubeitragsgesetz wird nicht angewandt.“ Bei dieser Baumaßnahme stehe nicht die Straße als Verkehrsanlage im Mittelpunkt.