Baulärm

Weiterbau der U5 ist Fall fürs Verwaltungsgericht

Anlieger klagen gegen die künftige Bahnhofsbaustelle der Linie U5 an der Friedrichstraße Ecke Unter den Linden. Sie fordern mehr Entschädigungen für Lärm und Schmutz.

Der Weiterbau der U-Bahn-Linie U5 wird ein Fall für das Bundesverwaltungsgericht. Drei Anlieger der künftigen Bahnhofsbaustelle an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße klagen gegen die Mitte Juli veröffentlichte geänderte Baugenehmigung für das 433-Millionen-Euro-Projekt. Das hat der Anwalt der Anlieger, Siegfried de Witt, am Mittwoch bestätigt. Bereits Ende Juli habe er die geänderte Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss eingereicht, sagte de Witt der Berliner Morgenpost. Derzeit arbeite seine Kanzlei an der Begründung. Binnen eines Jahres, so hoffen die Kläger, sollen die Leipziger Richter entscheiden.

Der Berliner Anwalt vertritt die Betreiber des Lindencorsos, des Rosmarin Karrees und des Hotels Westin Grand. Sie befürchten hohe Einnahmeverluste durch Lärm und Dreck während der Bauarbeiten an dem neuen Kreuzungsbahnhof „Unter den Linden“ und fordern finanzielle Entschädigungen. Mehrere Versuche, sich außergerichtlich mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) zu einigen, scheiterten. Eine erste Klage gegen die damals gültige Baugenehmigung wurde bereits 1999 eingereicht.

Auch angesichts des Rechtsstreits waren die Pläne für den U-Bahn-Bau an der prominenten Kreuzung noch einmal überarbeitet worden. Statt die benachbarten Gebäude monatelang hinter einer 20 Meter hohen Lärmschutzwand verschwinden zu lassen, sollen nun mobile Schallschürzen und lärmgedämpfte Baumaschinen eingesetzt werden. Trotzdem rechnen auch die Genehmigungsbehörden mit bis zu 116 Bautagen, an denen die Lärmobergrenze von 68 Dezibel überschritten wird. An etwa 26 Tagen könnte es sogar lauter als 74 Dezibel werden. Für jeden dieser Tage soll es Entschädigungen geben. Strittig ist, wie hoch diese ausfallen.

Die in der geänderten Baugenehmigung festgeschriebenen Bauabläufe und Lärmschutzmaßnahmen hält Anwalt de Witt weiterhin für mangelhaft. „Die Entschädigungsregelungen laufen ins Leere“, kritisierte er. Die vom Baulärm betroffenen Anlieger hatten deshalb vorgeschlagen, den tatsächlichen Schaden Monat für Monat durch unabhängige, vereidigte Sachverständige ermitteln zu lassen. Darauf wollte sich der Bauherr aber nicht einlassen, weil das finanzielle Risiko für die hoch verschuldeten Verkehrsbetriebe damit unkalkulierbar geworden wäre.

Baubeginn im Frühjahr 2012

Als Gegner des Gesamtprojekts will Anliegeranwalt de Witt sich indes nicht verstanden wissen. „Wir wenden uns nicht gegen die U5. Wir wenden uns dagegen, dass man die Belange der Nachbarschaft nicht ausreichend berücksichtigt.“ Den Zeitplan für den Lückenschluss der U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor wird die jetzt eingereichte Klage zumindest nicht gefährden. Eine aufschiebende Wirkung hat sie nach Angaben des Anwalts nämlich nicht. Damit könnten die Bagger an der Kreuzung Friedrichstraße/Unter den Linden wie geplant im Frühjahr 2012 anrücken. Die Ausschreibung für die Arbeiten wird nach BVG-Angaben bereits in den kommenden Tagen veröffentlicht. „Wir haben jetzt vom Aufsichtsrat grünes Licht bekommen und können starten“, sagte Unternehmenssprecherin Petra Reetz am Mittwoch.

Vom kommenden Jahr an wird es dann für Autofahrer und U-Bahn-Nutzer gleichermaßen eng im Berliner Zentrum. Voraussichtlich von Mai 2012 bis Herbst 2013 wird die U-Bahn-Linie U6 zwischen den Stationen Friedrichstraße und Stadtmitte gesperrt. Die Friedrichstraße wird an der Kreuzung mit dem Boulevard Unter den Linden von Juli 2012 bis Juli 2013 für den Autoverkehr gesperrt. Eine Verbesserung für Autofahrer bietet die geänderte Baugenehmigung allerdings. Weil der neue Bahnsteig für die U6 nun um 15 Meter nach Süden verlegt wurde, bleibt die Nordseite des Linden-Boulevards von Bauarbeiten verschont. Um die Innenstadt von unzähligen Lastwagen zu entlasten, soll die Baulogistik zudem vor allem über die Wasserstraßen abgewickelt werden. An der Spree wird deshalb eigens ein Hafenbecken gebaut.

Ebenfalls im Frühjahr 2012 sollen der Bau des Bahnhofs „Museumsinsel“ und des Startschachts für die Tunnelbohrmaschinen am Marx-Engels-Forum beginnen. Anfang 2013 ist dann geplanter Baustart für den dritten neuen Bahnhof, die Station „Berliner Rathaus“. Der Innenausbau der Stationen ist für die Jahre 2016 bis 2018 geplant. Im Sommer 2019, so die Planungen, sollen dann die ersten Züge vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor und weiter zum Hauptbahnhof rollen.