U-Bahn-Bau

Unter den Linden fallen bald die Linden

Die BVG setzt die Säge an. Ab Montag müssen in ganz Berlin 250 Bäume der Sanierung mehrerer U-Bahn-Abschnitte weichen. Und in wenigen Monaten trifft es Berlins wohl berühmteste Bäume: Dann fallen 50 Linden wegen der Verlängerung der U-Bahnlinie 5.

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Fast 250 Bäume und Sträucher werden in der kommenden Woche gerodet, wie eine Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestätigte. Die von den Grünflächenämtern genehmigten Fällungen beginnen am Montag. Die Bäume und Fliederbüsche müssen der Sanierung von mehreren U-Bahn-Abschnitten weichen, die im Frühjahr beginnen sollen. In allen Fällen sollen nach Ende der Arbeiten neue Gehölze als Ersatz gepflanzt werden, betont die BVG.

Voraussichtlich am Montag rücken die Arbeiter mit den Sägen an – unter anderem in Neukölln. Dort sollen ab Mai die Außendichtung des Tunnels der U-Bahnlinie 8 saniert und ein Aufzug eingebaut werden. Zwischen Okerstraße und Hermannstraße müssen dafür 20 Linden gefällt werden, deren Wurzelwerk auf der maroden Tunnelkante stehen.

Noch mehr Bäume müssen für die Sanierung der oberirdischen Trassen der U-Bahnlinie 5 fallen. Zwischen den U-Bahnhöfen Neue Grottkauer Straße und Hönow stehen 120 Bäume so nah an den Gleisanlagen, dass eine Erneuerung der Trassen ohne die Rodung nach BVG-Angaben „technisch und logistisch nicht möglich“ wäre.

In Dahlem müssen die Passanten an der Schorlemerallee in diesem und im nächsten Frühjahr auf die Fliederblüte verzichten. Weil ab Juni der mehr als 100 Jahre alte Tunnel der U-Bahnlinie 3 von außen abgedichtet wird, werden die beliebten Büsche nun ebenfalls gerodet. Bis auf wenige Ausnahmen sei es leider nicht möglich, die Sträucher für die Zeit der Bauarbeiten zu verpflanzen, heißt es von den Verkehrsbetrieben. Etwa 100 Fliederbüsche werden daher abgesägt. Bis zum Herbst 2012 wird am Tunnel der U3 gearbeitet. Erst danach sollen wieder Flieder auf dem Mittelstreifen gepflanzt werden. Einen Trost für die Anwohner und Fahrgäste gibt es allerdings: Etwa 300 neue Büsche sollen die 100 nach BVG-Angaben „weitgehend überalterten“ Flieder ersetzen.

In einigen Monaten wird die Säge dann an weitaus prominenteren Gehölzen angesetzt. Im Vorfeld der Verlängerung der U-Bahnlinie 5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor müssen etwa 50 Linden fallen, die Berlins berühmtestem Boulevard Unter den Linden seinen Namen geben. Die BVG hat sich verpflichtet, nach Ende der Bauarbeiten auch dort Ersatz zu schaffen. Nach den Plänen sollen sogar mehr neue Linden gepflanzt als alte gefällt werden. Zudem sollen die neuen Linden einer Züchtung entstammen, die haltbarere Straßenbäume hervorbringt. Noch ist allerdings unklar, wann der Startschuss für den Neubau der U-Bahn fällt. Wie berichtet, fehlt für zwei Abschnitte – die Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße und den Bereich am Roten Rathaus – noch eine Baugenehmigung. Voraussichtlich im zweiten Quartal will die Senatsverwaltung über einen sogenannten Planänderungsbeschluss entscheiden. Ob die BVG auf anderen Abschnitten schon früher mit den Arbeiten an Bahnhöfen und Tunneln beginnt, soll am Montag der Aufsichtsrat des Landesunternehmens entscheiden.