Bauarbeiten, Sperrung, Nadelöhr

Verärgerung über fehlende Stauwarnungen auf Avus

Die A115 hat stadtauswärts vorerst nur eine Fahrspur. Bis Ende 2013 soll die Autobahn noch erneuert werden. Eine weitere Staufalle ist die Seestraße in Wedding. Autofahrer in Richtung Süden müssen bis zu zwei Stunden mehr Fahrzeit einplanen.

Foto: Massimo Rodari

Wer in diesen Ferientagen von Berlin aus in Richtung Süden fahren will, für den beginnt der Urlaub vielfach erst einmal mit einem langen Stau. Bis zu zwei Stunden mehr Fahrzeit müssen Autofahrer derzeit einplanen, um etwa über die Avus (A115) aus der Stadt hinaus zu kommen. Da sind in einem voll besetzten Fahrzeug mit quengelnden Kindern schon gute Nerven gefragt.

Grund für Schleichfahrten und unfreiwilligen Stillstand ist ein zusätzliches Hindernis auf der ohnehin wegen Bauarbeiten nur eingeschränkt durchlässigen A115. Denn auf der stadtauswärts führenden Autobahn steht seit Sonnabendmorgen zwischen Hüttenweg und Spanische Allee nur noch eine Fahrspur statt der zuvor eingerichteten zwei Spuren zur Verfügung. Am Wochenende und am Montagvormittag stauten sich vor diesem Nadelöhr die Autos bis zum Dreieck Funkturm zurück. „Besonders ärgerlich ist, dass es auf der Stadtautobahn keinerlei Warnungen vor dem Mega-Stau gibt. Und wenn du erst einmal auf die Avus aufgefahren bist, dann kommst Du dort nicht mehr weg“, empörte sich eine vom Stau betroffene Autofahrerin.

Avus wird bis 2013 saniert

Bereits Ende Juni haben auf der 1921 eröffneten Avus umfangreichen Bauarbeiten begonnen. Bis Ende 2013 soll die größtenteils noch aus dem Eröffnungsjahr stammende Fahrbahn von Europas ältester Autobahn für 28 Millionen Euro von Grund auf erneuert werden.

Den Anfang macht dabei der Avus-Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Hüttenweg und Spanische Allee. Auf der Strecke stehen den Autofahrern zwar weiterhin zwei Fahrspuren in beide Richtungen zur Verfügung. Doch der stadtauswärts rollende Verkehr wird jetzt teilweise über die Rampen der Ausfahrt Hüttenweg sowie über den zuvor als Standstreifen genutzten Bereich der Fahrbahn geführt. Doch der extrem starke Regen der vergangenen Tage hat nicht nur den Boden des unbefestigten Straßendamms aufgeweicht.

Weil die Fahrer der tonnenschweren Lastkraftwagen oft ihr Fahrzeug nicht auf der schmalen Spur halten konnten, bröckelte auch der Fahrbahnrand. Die Folge: Es entstanden gefährliche, zentimeterhohe Kanten. Um Unfälle zu vermeiden, ließen die Behörden die rechte Fahrspur daraufhin kurzfristig sperren. Stadtauswärts steht für den Autoverkehr jetzt zwischen Hüttenweg und der Brücke in Höhe der Havelchaussee nur noch eine Spur zu Verfügung.

Nun sollen die Schäden kurzfristig repariert werden. Dafür kündigte die Senatsverkehrsverwaltung allerdings eine Vollsperrung der Avus stadtauswärts für die Nacht von Dienstag zu Mittwoch in der Zeit von 21 bis 5Uhr an. „Bei den Arbeiten wird Beton verwandt, der allerdings danach noch aushärten muss“, sagte Mathias Gille von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Voraussichtlich erst ab Donnerstagnachmittag würden dann auf der Avus auch stadtauswärts den Autos wieder zwei Fahrspuren zur Verfügung stehen, so der Behördesprecher.

Alternativroute Clayallee

Ob das Vorwarnsystem vor den Staus auf der Avus noch verbessert wird, will die Senatsverwaltung noch prüfen lassen. Generell empfiehlt der Behördensprecher den Autofahrern, verstärkt Alternativrouten zu nutzen. Eine ist – sehr zum Ärger der Anwohner – über die Clayallee ausgewiesen.

Doch viele Autofahrer stehen bereits weit vor der Avus im Stau. Als besonders neuralgischer Punkt erwies sich in den vergangenen Tagen die Baustelle auf der Seestraße in Wedding. Dort lässt der Bezirk im Bereich zwischen der Afrikanischen Straße/Amruner Straße und dem Nordufer die Fahrbahndecke erneuern. Auf dem wichtigen Zubringer zur Stadtautobahn A100 steht daher noch bis zum 21. August in beiden Fahrtrichtungen nur eine Spur zur Verfügung. Obwohl noch Ferienzeit ist, stauen sich in diesem Bereich die Autos kilometerlang: Nach Westen zeitweilig bis zum Autobahndreieck Charlottenburg, nach Osten bis weit über die Müllerstraße hinaus.

Trotz dieser gravierenden Auswirkungen war die Baustelle nicht in der Liste der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu den Sommer-Baustellen auf übergeordneten Straßen erfasst. Dementsprechend überrascht zeigte sich die Behörde, die die Baustellen koordinieren soll, auch über den Dauerstau in diesem Bereich. Offenbar hat der Bezirk die Arbeiten, die über das Schlagloch-Sonderprogramm finanziert werden, ohne weitere Abstimmung veranlasst. Der Bezirk verteidigte das Projekt. Wer keine Schlaglöcher im Winter wolle, dürfe sich im Sommer nicht darüber beschweren, dass die Fahrbahnen saniert werden, so der zuständige Stadtrat Ephraim Gothe.

Pfusch am Alex

Allein im Bezirk Mitte sind in diesem Sommer 55 Baustellen geplant oder schon in Arbeit, fast immer an besonders verkehrsreichen Straßen. Noch bis zum 8. August bleibt daher die Straße des 17. Juni zwischen der Yitzhak-Rabin-Straße und dem Platz des 18. März voll gesperrt. Bis zum 12. August ist dann zusätzlich die nördliche Fahrbahn zwischen dem Kleinen und dem Großen Stern für den Autoverkehr dicht. In beiden Bereichen sind Sanierungsarbeiten an der Fahrbahn geplant, zum Teil finanziert aus dem Schlagloch-Sonderprogramm des Senats.

Für Staugefahr sorgen auch die Arbeiten im Straßentunnel unter dem Alexanderplatz. Wie berichtet steht in der gut 300 Meter langen Unterführung unter der Kreuzung Grunerstraße und Alexanderstraße derzeit stadtauswärts nur eine Fahrspur zur Verfügung. Der Grund: Im Frühjahr waren an mehreren Stellen Fliesen von den Seitenwänden abgeplatzt und auf die Fahrbahn gefallen.

Dabei hat der Senat den 1969 eröffneten Alex-Tunnel erst in den Jahren 2004/05 für 6,1 Millionen Euro sanieren lassen. Doch offenbar war dabei teilweise gepfuscht worden. Inzwischen sei festgestellt worden, dass die Betonverschalung nicht überall sorgfältig genug ausgeführt wurde, so Mathias Gille von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Schäden sollen nun bis zum Ferienende möglichst beseitigt werden. dazu wird ab dem 5. August auch noch die stadtauswärts führende Tunnelröhre auf eine Fahrspur verengt. Da das Gros der Arbeiten unter die Gewährleistung fällt, würden die Arbeiten den Steuerzahlen nur etwa 50.000 Euro kosten, so Gille.