Ticketpreise

Fahrgastverband fordert einfachere BVG-Tarife

DIe BVG will ihre Preise erhöhen, um bald schwarze Zahlen schreiben zu können. Dieses Vorhaben stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. Der Fahrgastverband verweist auf die höheren Kundenzahlen in Zeiten, in denen die Tickets günstiger sind.

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Die hoch verschuldeten Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen in fünf Jahren schwarze Zahlen schreiben. Vorstandschefin Sigrid Evelyn Nikutta will durch mehr Fahrgäste und höhere Fahrpreise die Einnahmen jedes Jahr um drei Prozent steigern.

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Die Pläne der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), mit regelmäßigen Fahrpreiserhöhungen bis 2016 wirtschaftlich in die Gewinnzone zu gelangen, haben ein geteiltes Echo hervorgerufen. Kritik daran äußerte der Berliner Fahrgastverband Igeb, Zustimmung gab es dagegen von der SPD.

BVG-Chefin Sigrid Nikutta hatte am Mittwoch für 2010 einen Verlust von knapp 78 Millionen Euro bekannt gegeben. Fast die Hälfte des Defizits entsteht allein durch Zinszahlungen für die inzwischen auf 730 Millionen Euro angewachsenen Schulden des Unternehmens. Dennoch geht die BVG-Spitze davon aus, in fünf Jahren schwarze Zahlen schreiben zu können. Erreicht werden soll dieses Ziel vor allem durch Einnahmesteigerungen aus Fahrgelderlösen um drei Prozent pro Jahr. Etwa die Hälfte davon soll durch höhere Ticketpreise erzielt werden.

Einfachere Tarife statt höhere Preise

„Gerade der aktuelle Geschäftsbericht zeigt, dass sich nicht mit Erhöhungen, sondern mit der Senkung von Fahrpreisen mehr Einnahmen erzielen lassen“, sagte der Sprecher des Fahrgastverbandes, Jens Wieseke. Er verwies auf die Freimonate, die es 2010 als Teil der Entschuldigungsaktion der S-Bahn für Jahreskarteninhaber gab. Diese hätten maßgeblich zu einem Anstieg der Abonnentenzahl und unterm Strich zu erheblichen Mehreinnahmen geführt. Die BVG hat nach eigenen Angaben im Vorjahr mit 528,7 Millionen Euro ein Rekordergebnis bei den Fahrgeldeinnahmen erzielt (plus 4,2 Prozent gegenüber 2009). Im selben Zeitraum war die Zahl der Abonnenten um fast zehn Prozent auf rund 300000 gestiegen.

Der Fahrgastverband empfiehlt der BVG, statt über Fahrpreiserhöhungen besser über „einfachere und attraktivere Tarife“ nachzudenken. Dazu gehöre etwa die Möglichkeit, mit dem Einzelfahrschein innerhalb der zweistündigen Gültigkeit auch wieder in die Gegenrichtung fahren zu können. Zudem müssten die Tagesfahrkarten im Vergleich zu den Einzeltickets deutlich günstiger werden.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Christian Gaebler, hält den von der BVG eingeschlagenen finanzpolitischen Weg für richtig. „Eine jährliche 1,5-prozentige Erhöhung der Ticketpreise liegt unter der Inflationsrate und ist daher vertretbar“, sagte er. Gaebler sieht bei der BVG aber auch noch Einsparpotenziale. So müssten die Millionen-Investitionen in neue Busse und Bahnen dazu führen, dass spürbar weniger Geld für Energie sowie für die Wartung benötigt werde. Zu den Nachverhandlungen zum Verkehrsvertrag sagte Gaebler: „Wenn die BVG nachweist, dass sie mehr Geld für das Erbringen der bestellten Leistungen braucht, dann muss sie dieses Geld auch bekommen.“