City West

Umbau des Tauentzien wird deutlich teurer

Die Bauarbeiten auf der Tauentzienstraße direkt vor dem KaDeWe stehen unter keinem guten Stern. Längst sollten sie beendet sein. Doch stattdessen werden sie wesentlich teurer - und der neue Übergabetermin scheint auch in Gefahr.

Foto: kurfuerstendamm.de

Im September 2009 begann die BVG auf der Tauentzienstraße die maroden Tunneldecken der U-Bahn zu sanieren, nachdem die Bagger ein Jahr zuvor am U-Bahnhof Wittenbergplatz angerückt waren. Geschäftsleute, Kunden, Touristen und Bewohner der City West leben seitdem mit Einschränkungen, die Autofahrer mit Verkehrsbehinderungen. Die geplante neue Mittelpromenade vom Wittenberg- zum Breitscheidplatz, auf der Fußgänger schnell bis zur Gedächtniskirche kommen sollen, hatte sich gleich zu Beginn um mehr als ein Jahr verzögert. Eigentlich sollte sie zum Weihnachtsgeschäft 2010 fertig sein. Und jetzt gibt es neuen Ärger. Es fehlen rund 700.000 Euro, um die Pläne umzusetzen.

Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Baustadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, will deshalb zusammen mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nach Möglichkeiten suchen, um die Lücke zu schließen. Doch die Senatsverwaltung wirft dem Bezirk vor, „die bestehende, abgestimmte Planung aus dem Büro Spath und Nagel eigenmächtig verändert“ zu haben. Mathias Gille, Sprecher von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), sagte, dass der Bezirk die Kosten für das Vorhaben mit einem „eigenen Wettbewerb“ zur Umgestaltung der Mittelpromenade verdoppelt habe. Jetzt müsse die günstige ursprüngliche Anfangsplanung der Senatsverwaltung gebaut werden.

„Da war gar nichts abgestimmt“

„Das ist objektiv falsch und entspricht nicht den Tatsachen. Die Senatsverwaltung hat die alte Planung selbst zu den Akten gelegt und die Bezirke beauftragt, eine neue zu entwickeln“, weist Gröhler die Vorwürfe zurück. Sein Kollege aus Tempelhof-Schöneberg, Oliver Schworck (SPD), stellt sich hinter ihn: „Da war gar nichts abgestimmt mit dem ersten Gestaltungsentwurf. Ganz im Gegenteil.“

Die ursprüngliche Planung von Spath und Nagel sah eine Modernisierung des Mittelstreifens für rund 620.000 Euro vor, mit Bäumen, Bänken, Kiosken. Sogar ein alter Straßenbahnwagen sollte dort aufgestellt werden. Eine Verbreiterung der oft überfüllten Gehwege des Tauentzien wurde debattiert, allerdings aus Kostengründen schnell verworfen.

Daraufhin durften die Bezirke das Ruder übernehmen, Charlottenburg-Wilmersdorf die Federführung bei der Planung. „Die Senatsverwaltung war aber bei den Abstimmungen mit im Boot, genauso wie die BVG“, sagt Schworck.

Im Februar 2010 stellte dann die Landschaftsarchitektin Cornelia Müller vom Büro „Lützow 7“ ihren Siegerentwurf im Rathaus Schöneberg vor. Eine grüne Achse mit Eiben-Zierhecken, in Granitstein gefasst, Lichtbändern und Sitzgelegenheiten. Kosten: 620.000 Euro, die aus dem Programm „Aktive Stadtzentren“ gezahlt werden sollten, sowie das Geld, das die BVG zahlen muss, weil sie die Straße für die Tunnelsanierung aufgerissen hat. Gröhler bezifferte die Höhe des BVG-Anteils auf 638.000 Euro. Um die Planung zu realisieren, werden aber insgesamt fast 1,9 Millionen Euro benötigt.

Die Verteuerung erklärt Gröhler so: dass sich zum Siegerentwurf des Büros „Lützow 7“, auf den sich die Jury mit Teilnehmern der AG City, der Senatsverwaltung, der IHK, der Bezirke verständigt hatten, etliche Wünsche gesellten. So sollen die Einfassungen nicht aus Sichtbeton, sondern aus Granit sein. Zusätzliche Kosten entstanden durch die Verlegung von Taxiplätzen und neuen Ampelanlagen. Auch der Vorplatz des U-Bahnhofs (Ausgang KaDeWe) sei nicht enthalten gewesen, so Gröhler. Übersehen worden seien in der Vorplanung auch die Ablüftungsschächte der U-Bahn. Damit sie nicht mit einem hohen Betonrand das Bild stören, sollen sie mit Granit verkleidet werden. Auch eine durchgehende Beleuchtung bis zum Breitscheidplatz habe gefehlt. Und weil es in den Gartenämtern nicht mehr genügend Personal gibt, müsse auch eine automatische Beregnungsanlage angeschafft werden.

Trotz der Deckungslücke will Gröhler in wenigen Tagen mit den Vorarbeiten am Mittelstreifen ab Wittenbergplatz starten. Das Ziel sei, mit dem Abschnitt bis zur Nürnberger Straße vor Beginn des Adventsgeschäfts fertig zu werden.

Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der Händlervereinigung AG City, sieht angesichts der Streitigkeiten schwarz, dass der Tauentzien rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft fertig wird. Er vermisst „eine koordinierende Hand“, die das Baugeschehen kontrolliert. „Es ist doch unsäglich, wie lange es schon direkt vor unserem wichtigsten Kaufhaus in der Stadt so chaotisch aussieht.“