City West

Tauentzien bleibt bis 2011 Großbaustelle

Flanieren auf dem Berliner Tauentzien gleicht derzeit eher einem Hindernislauf - vor allem am KaDeWe. Denn am Wittenbergplatz baut die BVG. Die Arbeiten werden zwar im Juni abgeschlossen, doch erst jetzt stellte sich heraus, dass danach weitere Sperrungen notwendig sind. Deshalb müssen Geschäftsleute und Flaneure noch lange auf die neue Mittelpromenade warten.

Foto: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Geschäftsleute am Tauentzien, die gehofft hatten, dass die Mittelpromenade spätestens zum Weihnachtsgeschäft zumindest in Teilbereichen neu gestaltet ist, müssen sich auf eine etwa einjährige Verzögerung einrichten. Die Bauarbeiten unweit des Wittenbergplatzes, wo im September 2008 mit der Sanierung der maroden Tunneldecke der mehr als 100 Jahre alten U-Bahn begonnen worden war, haben sich zwar wegen des strengen Winters im Moment nur um vier Wochen verzögert. Statt im Mai will die BVG fertige Teile des zweiten Bauabschnitts jetzt Anfang Juni an den Bezirk übergeben. Doch erst jetzt stellte sich heraus, dass die freigegebene Fläche weiterhin für Umleitungsfahrbahnen zur Verfügung stehen muss. "Davon war nie die Rede", schimpft Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Baustadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Im Oktober 2009 wurde die Tunnelsanierung im jetzigen zweiten Bauabschnitt zwischen Wittenbergplatz und Nürnberger Straße begonnen. Die Tunneldecke, die abgedichtet werden muss, liegt nur einen halben Meter unter der Erde. Mit der kompletten Fertigstellung rechnet die BVG jetzt bis Januar 2011. Dann ist der dritte Abschnitt Nürnberger Straße bis zum Breitscheidplatz an der Reihe. Für die gesamte Sanierung der Tunneldecken inklusive der am U-Bahnhof Wittenbergplatz (Fertigstellung dieses ersten Abschnitts war 2009) sind Kosten von 11,4 Millionen Euro veranschlagt.

Im Anschluss wird es noch eine Tunnelinnensanierung geben. In der Regel wird nach Auskunft des Leiters der BVG-Bauabteilung Uwe Kutscher nachts gearbeitet, um Risse und Schadstellen zu beseitigen. Fahrgäste merken davon meist nichts, da dies in der nächtlichen Betriebspause passiere. Die Schäden in den U-Bahn-Tunneln am Kurfürstendamm und Richtung Zoo seien zudem nur punktuell.


Viele Geschäftsleute am Tauentzien kämpfen bereits seit längerem mit den negativen Auswirkungen der Baustelle. "Die Bauarbeiten sind für die Händler eine Riesenbelastung, weil Kunden abgeschreckt werden", kritisiert Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der Händlervereinigung AG City. Jeder Tag, an dem die Arbeiten früher fertig würden, sei wichtig. "Gerade der Bereich Tauentzien mit den höchsten Mieten für den Einzelhandel in Berlin, aber auch den höchsten Umsatzanteilen von Touristen darf in seiner wirtschaftlichen Bedeutung auch für Berlin nicht unterschätzt werden", mahnt Kupsch. Durch die Tauentzien-Baustelle entgingen Berlin mehrere Jahre Steuereinnahmen.

Detailfragen längst geklärt

Die Bezirke wollen den Mittelstreifen bis zur Gedächtniskirche komplett umgestalten und wollten damit demnächst beginnen. Selbst Detailfragen der Planung sind längst geklärt. So hatten die Taxifahrer moniert, nicht direkt vor dem KaDeWe halten zu können, woraufhin das Kaufhaus auf Plätze zum Be- und Entladen verzichtete. Jetzt soll es fünf Taxi-Warteplätze geben - mit Sichtkontakt zum Nachrückbereich an der Passauer Straße. Auch die neue Grünplanung für die Promenade steht längst fest: in Granitstein gefasste Eiben-Zierhecken mit Sitzmöglichkeiten. Überall werden Fußgängerfurten geschaffen, so dass beide Straßenseiten künftig problemlos erreichbar sind. Velotaxis und Radfahrer erhalten neue Abstellmöglichkeiten. Damit eilige Passanten schnell auf der neuen Mittelpromenade vom Wittenbergplatz zum Breitscheidplatz kommen, wird auf der Nürnberger Straße eine Fußgängerampel installiert. "Uns war von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Druck gemacht worden, dass wir unsere Planungen schnell fertig haben sollten. Ab 1. Mai sollten wir ausschreiben und durchbauen bis 2012", erinnert sich Grünflächenchef Christoph-Maria Maasberg. Das sei auch mit allen Geschäftsleuten immer so besprochen worden.

"Wir werden Flächen abschnittweise zur Verfügung stellen, größere Flächen werden das aber erst ab Herbst sein", sagte hingegen der Leiter der BVG-Bauabteilung Uwe Kutscher auf Anfrage von Morgenpost Online. Ab Mai würden mit vierwöchiger Verzögerung wegen des Frostes erste Teilflächen übergeben. Es gebe einen abgestimmten Bauablaufplan, an den werde sich die BVG halten, so Kutscher.

Für den Tiefbaubereich zuständigen Stadtrat in Tempelhof-Schöneberg, Oliver Schworck (SPD), kam die Nachricht ebenfalls völlig überraschend: "Wir haben immer gesagt, dass wir im Frühjahr 2010 mit der Neugestaltung der Mittelpromenade beginnen wollen. Dazu gab es auch etliche Gespräche bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit allen Beteiligten. Wir können doch nicht so aneinander vorbeigeredet haben", wundert sich Schworck. "Die Neugestaltung des Mittelstreifens sollte so schnell wie möglich erfolgen. Schließlich besuchen uns neben den Berlinern rund 40 Prozent Touristen", sagt KaDeWe-Sprecherin Petra Fladenhofer. Uwe Timm, Manager des Europa-Centers, begrüßt die Neugestaltung, hofft aber, dass die Tunnelsanierung schneller vorangeht. "Außerdem wünschen wir uns für unseren Abschnitt, dass die Passanten die Straßenseiten wenigstens an mehreren Stellen wechseln können."