Keolis

Privatbahn will Berliner S-Bahn übernehmen

Ab 2017 könnte die Deutsche Bahn das Berliner S-Bahn-Monopol verlieren: Die private Eisenbahngesellschaft Keolis bekundet Interesse an einigen Teilstrecken. Dabei hat die Bahn gerade erklärt, Millionen in neue Züge zu investieren.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Der private Bahnanbieter Keolis hat sein Interesse bekundet, ab 2017 zumindest Teile des Berliner S-Bahnnetzes zu befahren. In diesem Zusammenhang begrüßt Keolis das Angebot der Deutschen Bahn (DB), schon vor einem neuen Verkehrsvertrag für die S-Bahn neue Züge zu beschaffen. Die Verpflichtungserklärung der DB sei „ausdrücklich zu begrüßen“, sagt Hans Leister, Geschäftsführer der privaten Eisenbahngesellschaft, die mehrheitlich der französischen Staatsbahn SCNF gehört, am Freitag. Der Vorschlag der Bahn sei ein „sinnvoller Weg“ für die dringend notwendige Fahrzeugbeschaffung und für den weiteren Wettbewerb, sagte Leister. „Aber nur zu bestimmten Bedingungen.“

Wie berichtet, hatte die Deutsche Bahn Anfang Mai in einer sechsseitigen Verpflichtungserklärung bekundet, „so bald wie möglich“ den Kauf neuer Züge vorbereiten zu wollen. Die erforderlichen 192 Doppelwagen für den S-Bahn-Ring und das Süd-Ost-Netz sollen demnach möglichst bis 2017 zur Verfügung stehen. Ende 2017 läuft der aktuelle Verkehrsvertrag der Länder Berlin und Brandenburg mit der DB als alleinigem S-Bahn-Betreiber aus. Beide Länder wollen dann zumindest den Betrieb eines Teilnetzes neu vergeben.

Beim Senat wie auch beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) war das Angebot der Bahn auf Ablehnung gestoßen. Der VBB kritisierte die mangelnde Transparenz des Verfahrens für den geplanten Wettbewerb, der Senat fand das Bahn-Angebot zu vage und vermisste verbindliche Zusagen. Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) kündigte daraufhin an, dass von der Bahn unabhängige Experten bis Jahresende Anforderungen an die nächste S-Bahn-Generation erarbeiten werden. Auf dieser Grundlage soll dann entschieden werden, ob das Land die neuen Züge selber kauft oder im Ergebnis einer Ausschreibung kaufen lässt.

Kreolis fordert Mitbestimmung

Im Falle der Ausschreibung wäre Keolis einer der möglichen Mitbewerber um den Millionen-Auftrag. Daher müssten die Privatbahnen an der Konzeption der neuen S-Bahn-Züge beteiligt werden, so eine der Keolis-Forderungen an die DB. Außerdem müssten die Konditionen zur möglichen Übernahme der Fahrzeuge geregelt werden und die Mitbewerber müssten die Gelegenheit bekommen, sie zu erproben und kennenzulernen. „Dann hätten wir einen fairen Wettbewerb“, sagte der Keolis-Chef.

Das Unternehmen gehört zu den sechs großen Eisenbahnen in Deutschland, betreibt etwa die „Eurobahn“ in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Auch an Berlin habe Keolis Interesse, hieß es. Leister ist außerdem Vizepräsident des Privatbahnverbandes Mofair. Seine Position zum Angebot der Deutschen Bahn werde von einigen anderen Mofair-Mitgliedern geteilt, sagt Leister, aber nicht von allen.

Um die ab 2017 benötigten Wagen in Betrieb nehmen zu können, müsse es schnell vorangehen mit dem Verfahren, sagt Leister. Zu lange würden sonst die Neukonzeption der nur in Berlin einsetzbaren Züge und deren Fertigung dauern. „Der DB-Vorschlag ist der Schlüssel und wir verstehen gar nicht, warum er nicht begeistert aufgenommen wird.“ Die Ausschreibung müsse spätestens im Frühjahr 2012 erfolgen. Üblicherweise wird die Beschaffung neuer Fahrzeuge zusammen mit dem Verkehrsvertrag ausgeschrieben. Wegen des engen Zeitrahmens eigne sich dieses Vorgehen für Berlin aber nicht, so Leister. Auch von der Idee, dass Berlin die Züge selbst beschafft und sie dem Betreiber ab 2017 zur Verfügung stellt, rät Leister wegen mangelnden Know-hows ab.

Das Land soll zahlen

Um den Kauf der Züge – gerechnet wird mit Kosten von etwa 600 Millionen Euro – zu regeln, sieht Leister das Land aber durchaus in der Pflicht. Berlin müsse garantieren, dass die Züge auch dauerhaft eingesetzt würden. „Dann findet sich auch jemand, der sie finanziert“, sagt Leister. Auch für die Kosten der Ausschreibung und die erforderliche Anzahlung an den Hersteller könne Berlin sorgen. „Das Land soll das für die S-Bahn zurückgehaltene Geld der Bahn zur Verfügung stellen, um die Fahrzeugbeschaffung zu ermöglichen“, fordert Leister.

Der Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung, Matthias Gille, wiederholt am Freitag die Einschätzung, der Vorschlag der Bahn sei zu vage und stelle „keinen Qualitätssprung“ dar. „Wir halten weiter alle Optionen offen“, sagt Gille. Die Deutsche Bahn begrüßte das Entgegenkommen des Wettbewerbers. „Wir freuen uns, dass unser Engagement, vom Markt gewürdigt wird“, so ein Sprecher. Er verwies darauf, dass die Verantwortung über das Vorgehen beim Land liegt: „Wir werden alle wettbewerblichen Regeln einhalten und entsprechend der vom Aufgabenträger definierten Rahmenbedingungen handeln“, hieß es.