Neukölln

Balkon-Sturz - Polizei ermittelt gegen Mutter

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Dominik Ehrentraut und Steffen Pletl

In Neukölln haben zwei Kinder einen Sturz aus dem Balkon im dritten Stock überlebt, liegen aber mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Ihre Mutter war zum Zeitpunkt des Unglücks einkaufen.

In Neukölln sind am Mittwochabend zwei Kinder aus dem dritten Stock eines Wohnhauses gestürzt. Sie überlebten mit schweren Verletzungen. Lebensgefahr besteht nach Informationen von Morgenpost Online nicht. Nach ersten Erkenntnissen sollen die beiden sieben und elf Jahre alten Geschwister auf einem Schrank auf dem Balkon gespielt haben, bevor sie in die Tiefe stürzten.

Nach Polizeiangaben entdeckte ein Anwohner kurz vor 22 Uhr die beiden Kinder auf einer Grünanlage im Hinterhof an der Hermannstraße. Er rief sofort einen Notarztwagen. Das sieben Jahre alte Mädchen verletzte sich bei dem Sturz an der Milz. Ihr älterer Bruder stauchte sich die Lunge und zog sich Rippenprellungen zu. Die Mutter war zum Zeitpunkt des Unfalls nicht zu Hause. Sie soll mit einer Verwandten einkaufen gewesen sein.

Die Kinder sollen sich auf dem Balkon eine Art Höhle gebaut haben. Dabei stellten sie einen Schrank an die Brüstung und lehnten sich gegen den Sichtschutz, um mit einem Nachbarkind aus der darüberliegenden Wohnung zu sprechen. Dabei müssen sie das Gleichgewicht verloren haben. Offenbar durchbrachen sie den Sichtschutz des Balkons. Teile davon lagen später im Innenhof der Wohnanlage.

Polizei ermittelt gegen die Mutter

Nur kurze Zeit nach dem Unglück bildete sich eine Menschenmenge aus rund 40 Personen vor dem Haus. Besorgte Anwohner, aber auch einige Schaulustige beobachteten die eintreffenden Rettungskräfte und die Polizei bei ihrer Arbeit. Diese fanden in der Wohnung zwei weitere Geschwister vor: Einen dreijährigen Jungen und ein zwölf Jahre altes Mädchen. Wenig später erschien auch die Mutter mit einer Verwandten vor dem Wohnhaus. Nach Augenzeugenberichten erlitten beide Frauen einen Schock, als sie von dem schrecklichen Unfall erfuhren. Die 36 Jahre alte Mutter brach zusammen und musste von Rettungskräften behandelt werden. Zeugen berichten, dass die Frau später aggressiv auf die Sanitäter reagierte, als sie erfuhr, dass sie ihre Kinder zunächst nicht sehen könne. Sie beruhigten die Mutter und erklärten ihr, dass der Notarzt die Kinder noch versorgen müsse. Die Geschwister wurden anschließend mit Verdacht auf innere Verletzungen ins Vivantes Klinikum Neukölln gebracht. Gegen die Mutter wird nun wegen des Verdachts der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht ermittelt.

Wie Morgenpost Online erfuhr, soll die Mutter aus Ex-Jugoslawien stammen. Vom Vater der Kinder soll sie seit zwei Jahren getrennt leben. Diesem soll es laut eines Gerichtsbeschlusses zudem verboten sein, sich den Kindern zu nähern. Gerade diese Verfügung führte dazu, dass die Polizei am Donnerstag zum Neuköllner Krankenhaus gerufen wurde. Nach Informationen von Morgenpost Online soll der Vater in der Klinik aufgetaucht sein, um seine Kinder zu besuchen. Eintreffende Polizisten schickten den Mann daraufhin wieder fort. Auch die Kinder sollen keinen Kontakt mit dem Vater wünschen.

Bei einem ähnlichen Fall kam Anfang März ein Kind zu Tode. Ein Achtjähriger stürzte beim Spielen auf dem Balkon an der Gitschiner Straße in Kreuzberg aus dem sechsten Stock. Nach einer Notoperation starb der Junge im Virchow Klinikum in Wedding. Die Mutter des Kindes war zum Zeitpunkt des Unglücks nicht zu Hause, sein 38 Jahre alter Vater hielt sich im Wohnzimmer auf. Offenbar war Avid R. über das hüfthohe Balkongitter geklettert, war dabei abgerutscht und etwa 15Meter tief in den Innenhof des Hauses gestürzt. Ein Rettungswagen brachte das Kind noch auf die Intensivstation. Die Ärzte kämpften vergeblich.