Berliner Wirtschaft

Unternehmer kritisieren schwerfällige Behörden

Berliner Unternehmen beklagen die Schwerfälligkeit der Verwaltung. Für eine Zulassung müssten die Firmen bei bis zu sechs verschiedenen Senatsverwaltungen Anträge stellen, kritisiert Ulrich Scheller, Geschäftsführer der BBB Management GmbH. Dabei müssten die Unternehmer schnell reagieren können, um den Zuschlag für Aufträge zu erhalten.

Führungskräfte aus der Wirtschaft fordern von Berlin den Abbau von Verwaltungshürden und Bürokratie. „Immer dann, wenn das Land investieren muss, will es Sicherheiten, die eigentlich in dynamischen Märkten niemand geben kann“, sagte der Geschäftsführer der Wista-Management Gmbh, Hardy Schmitz der Nachrichtenagentur dpa. Durch die Schwerfälligkeit der Verwaltung werde die wirtschaftliche Entwicklung der Hauptstadt gehemmt. Wista-Management ist die Betreibergesellschaft des Technologieparks Adlershof im Südosten Berlins.

Der Geschäftsführer der BBB Management GmbH, Ulrich Scheller, kritisiert, Unternehmen müssten für eine Zulassung Anträge bei bis zu sechs verschiedenen Senatsverwaltungen stellen: „Das schwächste Glied in dieser Genehmigungsbehörde bestimmt die Geschwindigkeit der Zulassung.“ Auftragsvergaben seien aber häufig daran gekoppelt, welches Unternehmen am schnellsten sei. Berlin müsse sich bewusst werden, dass es im wirtschaftlichen Wettbewerb mit anderen Standorten stehe, sagte Scheller. Die BBB Management GmbH entwickelt den Biomedizin-Standort Campus Berlin-Buch.

Eine Umfrage der Wista-Management GmbH ergab, dass ein knappes Drittel der in Adlershof ansässigen Unternehmen für 2010 starke Auswirkungen der Finanzkrise befürchtet. Im vergangenen Jahr hätten dies nur etwa 8 Prozent der Firmen angegeben. Etwa die Hälfte rechne mit geringen Auswirkungen der Krise, knapp ein Viertel mit gar keinen. 2009 gab es laut Schmitz in Adlershof zwei Insolvenzen. Einige Firmen müssten wegen der Finanzkrise kurzarbeiten. An der Umfrage nahmen nach Angaben von Wista 150 der 417 Unternehmen teil.

Trotz Krise rechnen nur 3,5 Prozent der Unternehmen in Adlershof für das kommende Jahr mit einem Umsatzminus, wie Geschäftsführer Schmitz sagte. 2008 waren es noch knapp 12 Prozent. Wista- Bereichsleiter Peter Strunk betonte, die Unternehmer seien heute optimistischer. „Letztes Jahr herrschte eine unglaubliche Unsicherheit, es konnte überhaupt niemand sagen, wo die Reise hingeht.“ Heute könnten Unternehmen besser einschätzen, was auf sie zukomme.

Die meisten High-Tech-Firmen schätzten ihre Finanzlage außerdem positiv ein, da sie sich bei schlechter Wirtschaftslage schnell neue Aufgaben erschließen könnten. In Adlershof gab es laut Wista in diesem Jahr neun Neugründungen. 2008 seien es noch zwölf gewesen. „Was geschaffen wurde, funktioniert. Das Neue wächst ein bisschen langsamer nach“, sagte Strunk.

Schmitz betonte, viele Unternehmen in Adlershof profitierten von staatlichen Fördermaßnahmen: Öffentliche Einrichtungen vergäben lukrative Aufträge an die Firmen. „Das ist ein stabilisierendes Element.“ Bei den 47 auf dem Biotechnologie-Park Campus Berlin-Buch ansässigen Unternehmen ist davon nach Aussage von Geschäftsführer Scheller nichts zu spüren: „Gerade diese öffentlichen Aufträge gehen vor allem an größere, etabliertere Unternehmen.“

Eine Umfrage auf dem Campus Berlin-Buch, an der sich 19 der 47 Unternehmen beteiligten, habe folgendes Bild ergeben: Knapp 70 Prozent der Firmen erwarteten für kommendes Jahr steigende Umsätze. Die Auswirkungen der Krise schätzten hier etwa zwei Drittel als gering ein. Sowohl in Adlershof als auch in Berlin-Buch hätten alle Unternehmen angegeben, ihr Fachpersonal halten zu wollen.