Umzugspläne

Die Fotogalerie C/O findet kein neues Zuhause

Als die Fotogalerie C/O erfuhr, dass sie ihr Domizil im Postfuhramt verlassen muss, liebäugelte sie mit einem Neustart in der Auguststraße. Doch daraus wird nichts.

Foto: picture-alliance/ ZB / picture-alliance/ ZB/dpa-Zentralbild

Eine böse vorweihnachtliche Überraschung hat den Machern der C/O-Galerie die Festtagslaune verhagelt. Die Fotogalerie, die auch international einen hervorragenden Ruf genießt, verhandelt seit Wochen mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin über einen Nutzungsvertrag für die ehemalige Mädchenschule an der Auguststraße 11–13 in Mitte. Am Freitag erfuhr das Team um Galerie-Chef Ingo Pott über Morgenpost Online, dass die Verhandlungen gescheitert sind. Demnach wurde das Gebäude an Michael Fuchs, geschäftsführender Gesellschafter der Berliner Galerie Haas & Fuchs, vergeben. „Wir sind entsetzt“, so C/O-Sprecher Mirko Nowak, „zumal wir das Gefühl hatten, die Verhandlungen laufen sehr gut.“

Wie berichtet, muss die Fotogalerie ihren jetzigen Standort im Postfuhramt an der Oranienburger Straße im März 2011 räumen. Der neue Besitzer plant, das Gebäude komplett umzubauen.

„Mit der Nachricht, dass die Mädchenschule nun anderweitig vergeben wurde, stehen wir wieder ganz am Anfang bei der Suche nach einem Ersatzstandort“, so Nowak weiter. An einem zu geringen Angebot jedenfalls könne es nicht gelegen haben „Wir wollten sechs Millionen Euro in das marode Gebäude investieren“, sagt Nowak. Die Galerie Haas & Fuchs will nur vier Millionen Euro in die Sanierung stecken. „Das Angebot von Herrn Fuchs war aber insgesamt besser“, sagt Maya Zehden, Sprecherin der Jüdischen Gemeinde. Zu den genauen Details des Mietvertrags mit einer Laufzeit von 20 Jahren wolle man sich nicht äußern.

Nachdem C/O im Sommer erfahren hatte, dass sie das Postfuhramt verlassen muss, hatte Galerie-Chef Pott zunächst versucht, das Standortproblem mit einem Neubauprojekt zu lösen. Der Architekt hatte dafür einen filigranen Glasaufbau entworfen, der auf einem bestehenden Gebäude im Monbijoupark Platz finden sollte. Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) hatte das nicht genehmigt: „Wir wollen das Gebäude, das noch bis zum 31.März von der Kunsthochschule Weißensee genutzt wird, abreißen.“ An der Stelle des Hauses soll der Monbijoupark erweitert werden. Geplant sind ein Spielplatz und eine Liegewiese.

Die Kosten für die Parkerweiterung auf einer Fläche von knapp 5000 Quadratmetern beziffert Gothe auf rund eine halbe Million Euro. 200000 Euro entfallen auf den Abriss, 30000 Euro auf die Kosten für die Parkgestaltung. Geld, das der Baustadtrat nicht hat, wie er einräumt. Dennoch wolle er für die C/O-Galerie von der Parkerweiterung nicht abweichen. „Der gültige Bebauungsplan sieht dort eine Grünfläche vor, und dabei soll es bleiben“, so Gothe. Zudem sei es gefährlich, extra für die Galerie eine Ausnahme zu machen. „Auch andere Interessenten könnten dann einfordern, ebenfalls bauen zu dürfen“, argumentiert Gothe.

Der Baustadtrat will sich nun dafür einsetzen, dass der Mietvertrag mit der Galerie bis Ende 2012 verlängert wird. Denn für den Umbau des prächtigen Backsteinbaus an der Oranienburger Straße werde der Investor ohnehin so schnell keine Baugenehmigung erhalten, sagt der Stadtrat. Da der Komplex unter Denkmalschutz stehe und der Investor eine großräumige Bebauung des Innenhofes plane, gebe es noch umfänglichen Prüfungsbedarf. „Das wird so schnell nicht gehen“, so Gothe. Allerdings habe er bislang noch keine feste Zusage des Investors, die einen längeren Verbleib der Galerie garantiere.