Umzug

Berliner C/O-Galerie findet neue Heimat

Fans der C/O-Galerie können aufatmen. Die Suche nach einem neuen Domizil hat ein Ende. Das Kunsthaus zieht vom Postfuhramt in das ehemalige Atelierhaus im Monbijoupark in Mitte um. Über eine Sanierung des Gebäudes oder einen Neubau wird noch entschieden.

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Die international bekannte Fotogalerie C/O Berlin zieht in den Monbijoupark an der Spree.

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Was für ein Ausrufezeichen! André Schmitz, Staatssekretär für Kultur, springt dynamisch durchs Fenster hinein ins Atelierhaus im Monbijoupark. Die Stimmung an diesem Morgen könnte nicht besser sein. „Super, wo bleibt der Champagner?“, ruft er locker in die Runde. Die gute Nachricht kommt gerade recht, so kurz vor der Wahl. Die Zukunft der Fotogalerie C/O ist gesichert, endlich. Sie zieht, nur zwei Fuß-Minuten entfernt vom derzeitigen Domizil im Postfuhramt, in den nahen Monbijoupark. Dort steht das ehemalige Atelierhaus, das bis April noch von der Kunsthochschule Weißensee genutzt wurde.

Eigentlich sollte die Graffiti-Platte abgerissen werden, um den Park um Grünflächen zu erweitern. Der Abrissbagger war bestellt. Dann kam alles anders – am späten Donnerstagabend machte das Bezirksparlament (BVV) den Weg frei – mit ungewöhnlich 5einstimmigem Beschluss für die weitere Nutzung des Areals. Ende gut, alles gut. Die drohende Obdachlosigkeit des überaus erfolgreichen Kunsthauses war über die Monate ein Politikum.

Zentral und nahe der Museumsinsel

Die Vorzüge vom Monbijoupark liegen auf der Hand: zentral gelegen, mit offenem Park, in direktem Anschluss zur touristischen Flaniermeile Oranienburger Straße und in unmittelbarer Nähe zur Museumsinsel. Zu neuem Leben erwachte das unbekannte Atelierhäuschen in diesem Sommer durch die von Klaus Wowereit initiierte Ausstellung „Based in Berlin“. Hunderte Kunstfans pilgerten in diesen Tagen durch den Park, die Nächte wurden berauschend lang bei Performances und Musik. Was für ein idealer Ort für die Kunst, dachten plötzlich viele. Die früheren Kultursenatoren Thomas Flierl und Adrienne Goehler starten einen Aufruf zur Rettung des „ungeschliffenen Diamanten“. So kam der Stein ins Rollen. Und siehe da, die BVV kippte am Ende des Sommers ihren eigenen Beschluss.

Die erste Ausstellung von C/O im Monbijoupark ist für nächsten Herbst geplant. Mit einem prominenten Fotokünstler, das ist klar. Als Vorbild für das neue Domizil gilt den C/O-Chefs die Serpentine Gallery mitten im Londoner Hyde Park, dort völlig integriert, ja, überhaupt nicht mehr wegzudenken mit ihren Spitzenausstellungen. Ein kleiner, aber feiner Ort. „Wir wollen eine lebendige Variante zwischen Park, Menschen und Kunst“, erklärt Ingo Pott, C/O-Mitbegründer und Architekt.

Bis dahin allerdings gibt es viel zu tun. Das Atelierhaus ist alles andere als bezugsfertig. Kabel hängen überall lose heraus, die Fassade bröckelt, die Heizung ist kaputt, das Licht auch, von der für ?Fotos notwendigen Klimatisierung keine Spur, überhaupt wirkt alles ziemlich marode. Vorerst wird C/O vom Bezirk Mitte einen zweijährigen Pachtvertrag bekommen, mit Option auf einen späteren Erbpachtvertrag. Zuvor muss noch, wie es beim Bezirk heißt, ein parkverträglicher Bebauungsplan vorgelegt werden. Neubau oder komplett saniertes Atelierhaus? Die zwei Varianten stehen in den nächsten Monaten zur Diskussion. Wenn das Atelierhaus bleibt, wird es durch einen modernen Eingangsbereich mit dem vorhandenen Bunker und den alten Kellergeschossen der Augenklinik verbunden. Wird es abgerissen, würde der Park vergrößert, was das Hauptanliegen des Bezirkes war. Ausbaufähig wären dann ausschließlich Bunker und Kellergeschosse, die einen Neubau für die Infrastruktur aufgesetzt bekämen.

C/O soll eine Stiftung werden

Bei C/O will man sich verständlicherweise auf keine Option festlegen, erst die nächsten Monate will man konkret planen. Fakt ist nur, dass C/O auf eine Ausstellungsfläche von 2500 Quadratmeter kommen möchte, um langfristig auch international konkurrieren zu können. „Wir stehen mit anderen Institutionen im Wettbewerb. Letztlich geht es auch darum, wie man heute neue Formen der Präsentation für Fotografie entwickelt“, so C/O-Chef Stephan Erfurt. Jetzt aber atmet er erst mal durch. Seit zweieinhalb Jahren suchte sein Team nach Alternativen, weil mit dem neuen Investor des Postfuhramts keine befriedigende Lösung gefunden wurde. Die Investorengruppe Elad möchte das Postfuhramt zum Hotel umbauen. Selbst die couragierte Vermittlerin Barbara Kisseler, damals noch Chefin der Senatskanzlei, musste zugeben, dass die Verhandlungen sich schwierig gestalteten.

Die Konsensvariante war, wie damals diplomatisch formuliert wurde, „weich und unverbindlich“. „Ein Scheinangebot“, so nennt es mittlerweile Ingo Pott, C/O-Mitbegründer und Architekt. 70 Locations haben er und Erfurt im letzten Jahr besichtigt und analysiert. In einige verliebte sich das Team, längere Zeit stand als idealer Standort die Jüdische Mädchenschule an der Auguststraße im Fokus. Doch das imposante Gebäude verpachtete die Jüdische Gemeinde schließlich an den Galeristen Michael Fuchs.

Das waren „für C/O wirklich dramatische Monate, wo häufig mal die Nerven blank lagen“, resümiert Schmitz recht deutlich. Erfurt formuliert es positiv: „Wir sind sehr glücklich, dass wir nun einen Solitär haben, der frei ist von Immobilieninteressen.“ Und noch eines will er bekannt geben: C/O soll in eine Stiftung umgewandelt werden. Der Chef möchte nämlich selbst wieder fotografieren – „spätestens im Jahr 2015“.