Wohnbauprojekt

Grünes Licht für Reihenhäuser im Schlachthof

Seit 1991 gibt es Überlegungen zur Bebauung des ehemaligen Vieh- und Schlachthofgeländes an der Eldenaer Straße in Prenzlauer Berg. Jetzt wurde der Bebauungsplan beschlossen.

Foto: NÖFER ARCHITEKTEN

Berliner Bauvorhaben dauern manchmal etwas länger: Seit 1991 gibt es Überlegungen zur Bebauung des ehemaligen Vieh- und Schlachthofgeländes an der Eldenaer Straße in Prenzlauer Berg. Doch erst am Dienstag gab Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) grünes Licht für den letzten Bauabschnitt. Der umfasst ein 2,7 Hektar großes Areal, auf dem sechs denkmalgeschützte historische Rinderställe stehen. "Wir freuen uns, dass dieses Gebiet jetzt für junge Familien zur Verfügung steht", sagte die Senatorin und verwies darauf, dass die Entwicklung des Areals unter anderem deshalb so lange dauerte, weil ungeklärte Besitzverhältnisse und die Belange des Denkmalschutzes die Planungen erschwert hätten.

Nachdem der Bebauungsplan am Dienstag beschlossen wurde, steht dem Projekt des Frankfurter Bauträgers CDS Wohnungsbau nichts mehr im Wege. Dieser plant 80 Reihenhäuser, die sich in das vorgegebene Raster der alten Ställe einfügen sollen. Von den ursprünglich sechs Rinderhallen wird trotz des Denkmalschutzes letztlich nur eine komplett stehen bleiben. "Eine wurde bereits abgerissen. Und weil die Gebäude so marode sind, werden auch nur die Backsteingiebel an der Eldenaer Straße von den verbliebenen vier Hallen erhalten", so der Berliner Architekt Tobias Nöfer, der den Entwurf für das Bauvorhaben liefert, das zwischen Eldenaer Straße, August-Lindemann-Straße, Zum Langen Jammer und der westlichen Grenze des Grundstücks Eldenaer Straße 35 liegt.

Durch die Bewahrung der Giebelfassaden und die historische Baustruktur, die in der Reihenhausbebauung wieder aufgenommen wird, solle der ursprüngliche Charakter des Gebietes erhalten werden. Eine vollständige Wiederherstellung des Bereiches sei jedoch wirtschaftlich nicht tragfähig.

30 Millionen Euro investiert

Der Bauantrag für das Projekt sei bereits eingereicht. "Mit dem Beschluss des Bebauungsplans werden wir nun umgehend die Baugenehmigung erhalten." Nach den Planungen der CDS sollen nun Reihenhäuser entstehen, deren Wohnfläche zwischen 130 und 220 Quadratmeter beträgt. Je nach Größe und Lage sollen die Häuser zwischen 300 000 und 480 000 Euro kosten. Nach Auskunft des Projektentwicklers Claus-Dieter Schmidt investiert das Unternehmen insgesamt 30 Millionen Euro. "Wir wollen bereits im Oktober mit dem Abriss und dem Erdaushub beginnen", so Schmidt. Der erste Bauabschnitt mit 28 Häusern soll dann Ende kommenden Jahres fertig gestellt werden, der Bauabschluss Ende 2012 gefeiert werden. Nach Informationen des Frankfurter Bauunternehmers sei die Resonanz auf das Bauprojekt "erfreulich". Sämtliche Wohneinheiten des ersten Bauabschnitts seien bereits verkauft.

Sprengsatz explodiert

Dass das Projekt noch vor Baubeginn den Unmut von gewaltbereiten "Gentrifizierungsgegnern" erregt hätte, wies die Bausenatorin gestern jedoch entschieden zurück. Dass am vergangenen Wochenende an der Eldenaer Straße eine Chemie-Toilette durch einen Sprengsatz zerstört wurde, stehe in keinem Zusammenhang mit dem Projekt, versicherte Junge-Reyer. "Es gibt keinerlei Indizien, die auf einen politisch motivierten Anschlag hinweisen", so die Senatorin weiter.

Die Planungen auf dem insgesamt 50 Hektar großen Areal des ehemaligen Schlachthofs waren nach der Wiedervereinigung wiederholt überarbeitet worden. Zunächst sollte dort für die Olympischen Spiele ein Quartier für die Medienvertreter entstehen. Nachdem die Olympiabewerbung scheiterte, waren auch diese Pläne vom Tisch. 1992 wurde das Gebiet vom Senat als förmlicher Entwicklungsbereich festgelegt und die Stadtentwicklungsgesellschaft Eldenaer Straße (SES) als Entwicklungsträger eingesetzt.

Das ehrgeizige Ziel damals: Bis 2010 sollten im neuen Stadtquartier Alter Schlachthof rund 250 000 Quadratmeter für Gewerbe zur Verfügung stehen, außerdem Wohnungen für 4500 Bewohner gebaut werden. Grundlage für die Planungen waren Bevölkerungsprognosen, die davon ausgingen, dass die Hauptstadt des wiedervereinigten Landes in naher Zukunft bis zu fünf Millionen Einwohner haben würde. Das Areal wurde deshalb in fünf Baufelder aufgeteilt.

Doch während die Entwicklung der Gewerbeflächen aufgrund der starken Nachfrage nach großflächiger Handelsfläche gut vorankam, lief die Entwicklung insbesondere beim geplanten Geschosswohnungsbau nur schleppend an: 2004 wurden auf dem gesamten Schlachthofareal lediglich 430 Anwohner gezählt, Ende des Jahres 2009 waren es immerhin schon 894. Die meisten Bauvorhaben konzentrierten sich dabei auf das Gebiet westlich des Hermann-Blankenstein-Parks. Mit dem neuen Wohnprojekt des Frankfurter Bauträgers CDS Wohnbau soll die Einwohnerzahl im Entwicklungsgebiet auf immerhin 1300 steigen.

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