Beschlagnahme

Linksextremisten-Blatt erklärt Brandbomben-Bau

Linksextremisten haben in der Zeitschrift "Interim" detailliert den Bau von Brandbomben beschrieben und deren Einsatz propagiert. Das Amtsgericht Tiergarten beschloss nun die Beschlagnahme der Ausgabe. Mit dem beschriebenen Brandbomben-Typ sollen mindestens zwei Anschläge in Berlin verübt worden sein.

Die Berliner Justiz geht gegen das Magazin „Interim“ der linksextremen autonomen Szene vor. Mit Wirkung vom 15. Dezember hat das Amtsgericht Tiergarten die Beschlagnahme der Ausgabe 701 beschlossen, die am Freitag vergangener Woche erschienen ist. (Gz.: 35/GS 6741 – 09). Hintergrund der Maßnahme ist nach Informationen von Morgenpost Online aus Sicherheitskreisen ein Bericht auf Seite 15 des Blattes, in dem die Herstellung von explosionsfähigen Gaskartuschen beschrieben wird.

Weiter enthält der Bericht eine Aufforderung, diese Brandbomben anzufertigen und „gegen geeignete Ziele“ einzusetzen. Wie die Morgenpost Online aus Ermittlerkreisen erfuhr, sind in Berlin in den vergangenen Monaten in mindestens zwei Fällen nach Brandanschlägen Reste der in Szene-Kreisen „Gasaki“ genannten Brandbomben entdeckt worden. Dazu zählt beispielsweise ein Brandanschlag auf ein Luxuswohnbauprojekt an der Glogauer Straße in Kreuzberg, der Mitte Oktober verübt wurde. Zu dem Anschlag hatte sich eine Gruppe „Junge Autonome und Kompagnons“ bekannt. Der damals angerichtete Sachschaden blieb vergleichsweise gering, weil ein Passant rechtzeitig die Feuerwehr alarmieren konnte. Auch bei einem Anschlag auf das Gerichtsgebäude an der Turmstraße in Moabit am 6. September dieses Jahres soll eine in dem Blatt beschriebene Gaskartusche eingesetzt worden sein. Die Beschlagnahme einer Publikation stelle einen überaus seltenen und ungewöhnlichen Vorgang dar, sagte ein Ermittler. Allein dies könne als Beleg der Brisanz dieses Blatts gedeutet werden.

Auf kostspielig sanierte Gebäude sind in jüngster Vergangenheit besonders in Kreuzberg und Friedrichshain wiederholt Attacken verübt worden. Sie gelten bei Linksextremen als Symbol für die zunehmende Verbürgerlichung der Kieze. Mehrfach betroffen war etwa das „Carloft“ in Kreuzberg. Die Besitzer der Luxus-Wohnungen können die Autos über einen Fahrstuhl auf ihrer Etage abstellen.

Die als Kommunikationsplattform der linksextremistischen Szene eingestufte Zeitschrift „Interim“ besteht seit 1988 in Berlin und erscheint derzeit im Abstand von 14 Tagen. Die Auflage beträgt durchschnittlich 1500 Exemplare.