Architektenpaare

So setzen Barkow und Leibinger Zeichen

Frank Barkow und Regine Leibinger bauen in Berlin einen echten Hingucker: Das Hochhaus für die Deutschlandzentrale der Total GmbH an der Heidestraße. Doch privat setzen beide ganz andere Prioritäten - ihre Kinder.

Foto: Amin Akhtar

Das Wochenende gehört der Familie. „Dann haben die Kinder absolute Priorität“, sagt Regine Leibinger. Wenn sich die 47-Jährige sonntags mit ihrem Mann Frank Barkow und den beiden Söhnen auf die Fahrräder schwingt, kann es allerdings auch sein, dass der Familienausflug zum Humboldthafen führt. Die Architekten wurden zur Teilnahme an einem Wettbewerb für ein Bürogebäude am Ufer eingeladen. Und so ganz lässt die Arbeit wohl keinen erfolgreichen Planer los. Für eine Beziehung und für Kinder keine einfachen Bedingungen.

Wie schafft Frank Barkow es, das enorme Pensum von Büroleitung, Vorträgen und einer Gastprofessur im Ausland mit Ehe und Kindern zu vereinen? Der zurückhaltende Amerikaner scheint über die Frage erstaunt, seine lebhafte Frau lacht. „Das schafft er sehr gut“, antwortet Regine Leibinger leicht ironisch und erklärt, dass sie alles gut organisiert habe. „Wir haben Hilfe, ohne geht es gar nicht.“ Ansonsten versuche sie, spätestens um 18 Uhr zu Hause zu sein, was keineswegs immer so einfach sei. Wobei auch zu Hause kein „Dienstschluss“ ist. Schließlich hat die Schwäbin auch eine Professur an der Technischen Universität und ist wie ihr Mann als Rednerin gefragt.

"Es ist manchmal schon ein Kraftakt, alles unter einen Hut zu bekommen“, gesteht Regine Leibinger. Mit ihrem Mann hat sie zahlreiche Industriebauten, einen Masterplan für Bayer Schering Pharma in Wedding, ein sensationelles Hochhaus in Korea, die Biosphäre in Potsdam und viele andere Gebäude entworfen. Gemeinsam. „Wir arbeiten bei allen Projekten eng zusammen“, sagt Frank Barkow. Ihr aktuelles Projekt in Berlin ist der „Tour Total“, das erste Hochhaus in Hauptbahnhof-Nähe für das neue Stadtquartier „Europacity“ an der Heidestraße. „Wir haben zum Glück wieder mehr zu tun“, sagt Regine Leibinger.

Dass die Arbeit im Leben einer Familie zuweilen großen Raum einnimmt, kennt sie aus ihrer Kindheit. Die gebürtige Stuttgarterin kommt aus einem weltbekannten Familienunternehmen, der Trumpf GmbH & Co. KG. „Das Unternehmen hat bei uns zu Hause immer eine große Rolle gespielt und das hat mich sicher auch geprägt“, sagt Regine Leibinger. Sie habe gelernt, wie man ein Unternehmen führt und war „schon früh von schönen Dingen umgeben“. Der Großvater war Kunsthändler für Asiatica, die Eltern haben eine große Nähe zur Architektur. In Frank Barkows Elternhaus in Montana gab es keinen „architektonischen Hintergrund“. Aber die Mutter, eine Krankenschwester, unterstützte ihren zeichnenden Sohn im künstlerischen Tun.

Kennen und lieben gelernt haben sich die Architekten 1989 in Harvard. Sie hatte gerade ihr Diplom von der Berliner TU in der Tasche, er war mit dem Aufbaustudium schon weiter und führte die Neuankömmlinge ein. Die Schule war klein, beide kamen schnell in Kontakt und wurden ein Paar. Auf Harvard folgte Rom, auf Rom Berlin. Hier gründeten beide 1993 ihr erstes Büro, in einer kleinen Einzimmerwohnung – Leibingers ehemaliger Studentenbude in Schöneberg. Heute arbeiten sie mit ihrem Team in einem großzügigen Domizil in Charlottenburg. Wer dort der Boss sei? „Wir beide“, sind sich die Partner einig.

„Wenn man gemeinsam arbeitet, lebt und Kinder hat, verlangt das sehr viel von einer Beziehung“, sagt Regine Leibinger. Und ergänzt: „Aber wir bekommen das ganz gut hin. Privat und beruflich.“

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