Architektenpaare

Erfolgsteam - Wie Sauerbruch und Hutton arbeiten

Das GSW-Hochhaus in Kreuzberg war in den 90er-Jahren das erste große Projekt von Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton in Berlin. Über sich selbst sagt das Erfolgs-Duo: "Die Architektur ist unsere Familie".

Foto: Amin Akhtar

Die Frage scheint zu irritieren. Was sie aneinander schätzen? Kurze Pause. Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton lachen. Die Architekten sitzen in dem großzügigen, schlichten und lichten Raum, den sie als Aufbau ihres langjährigen Domizils in einer ehemaligen Heeresschneiderei in Moabit entworfen haben. „Du zuerst“, fordert Matthias Sauerbruch seine Frau auf. Sie muss nicht lange überlegen.

„Mir fallen viele Dinge ein. Das Wichtigste: Er motiviert alle“, sagt Louisa Hutton. Wenn Zweifel bei der Arbeit auftauchten, brauche man jemand, der einen vom Ziel überzeuge. „Matthias ist da einfach fantastisch“, sagt die Britin. Sauerbruch ist sichtlich angetan vom positiven Feedback seiner Frau. An ihr schätze er „die Atmosphäre des Vertrauens“. „Sich auf jemanden verlassen zu können, ist das Wichtigste und Wertvollste“, sagt Matthias Sauerbruch.

Keine Frage, hier sitzen zwei, die harmonieren. „Wir ticken gleich und wenn wir mal nicht gleich ticken, dann diskutieren wir eben so lange, bis wir ein Ergebnis haben“, sagt Sauerbruch. Man könne dann auch akzeptieren, wenn sich der andere durchsetzt, ergänzt er. Sauerbruch bezieht das, was er gerade sagt, auf die Arbeit. Die steht im Mittelpunkt des Lebens dieses erfolgreichen Paares, das mit seiner schwungvollen, farbigen und nachhaltigen Architektur eine ganz eigene Sprache entwickelt hat. Ihre Bauten beleben und bereichern steinerne Städte.

Berlin beispielsweise mit dem GSW-Hochhaus in Kreuzberg oder dem Photonikzentrum in Adlershof, Dessau mit dem Umweltbundesamt oder München mit dem Museum Brandhorst. Im Ausland realisiert das gemischte Doppel unter anderem in Venedig seinen preisgekrönten Entwurf für ein Museum für zeitgenössische Kunst. Und der Kunst fühlen sich die beiden besonders verbunden. Bei Sauerbruch kommt das nicht von ungefähr. Sein Vater Hans war ein bekannter Maler, sein Großvater im Übrigen der berühmte Mediziner Ferdinand Sauerbruch an der Charité.

Louisa Hutton wuchs als Tochter eines Farmers auf dem Land in Norwich auf. Doch Huttons Vater war auch Ingenieur und „Architekturfreak“, erzählt die Britin. Dass „Sauerbruch Hutton“ Farbe als ein wesentliches Gestaltungsmittel ihrer Bauten nutzen, entwickelte sich zunächst aus ganz pragmatischen Gründen. Die ersten Auftraggeber der Architekten, die ihre berufliche Karriere in London begannen, hatten nicht viel Geld. „Da haben wir Farbe eingesetzt, weil so mit geringen Kosten große Wirkungen erzielt werden konnten“, sagt Sauerbruch.

Ihr erstes gemeinsames Projekt war gleich so etwas wie die Nagelprobe ihrer Beziehung: der Ausbau des eigenen und während der Arbeiten von ihnen bewohnten Hauses in Notting Hill. „Wir haben alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann“, erinnert sich Sauerbruch. „Indem wir zum Beispiel das Dach im November aufgebaut haben, weil wir so ungeduldig waren und nicht bis zum nächsten Frühjahr warten wollten“, ergänzt seine Frau. Die Folge: Die heute international renommierten Planer lebten eine Zeit lang unter Plastikplanen. „Wenn es windig war, kam man sich vor wie auf der See“, sagt Louisa Hutton.

Stürmisch ging es allerdings auch in Berlin zu, als der damalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann ihren 1991 erzielten Wettbewerbserfolg für das neue GSW-Hochhaus in Kreuzberg kippen wollte. Grund genug, 1993 ein Büro in Berlin zu eröffnen und für das Projekt zu kämpfen. Mit Erfolg. Der begleitet die Architekten, hat aber auch seinen Preis. „Wir leben Architektur“, sagt Louisa Hutton. Das Arbeitspensum, das sie täglich bewältigen, sei einem fachfremden Partner kaum zuzumuten, meint Sauerbruch. „Ich glaube nicht, dass das gelingen würde, eine vernünftige Beziehung aufrechtzuerhalten, wenn einer von uns etwas anderes wäre“, sagt der Architekt. Architektur sei ihre Familie. „Es klingt pathetisch, zu sagen, unsere Häuser sind unsere Kinder, aber ein bisschen ist es so.“

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