BBI

Flugrouten werden verlegt - Protest geht weiter

Maschinen, die vom künftigen Hauptstadtflughafen BBI starten, sollen sich vom Berliner Südwesten fernhalten - das sieht der Kompromiss der Fluglärmkommission vor. Doch die Anwohner wollen weiterdemonstrieren, bis alle Gemeinden ihren Willen haben. Das könnte den Flughafen BBI zum Provinz-Airport machen.

Es kam noch nicht oft vor, dass auf diesem Podium gute Nachrichten verkündet wurden. Als Bürgermeister Ekkehard Band (SPD) auf das Podium steigt, verstummen plötzlich Trillerpfeifen und Fluglärmsimulatoren. Lichtenrade blickt auf den Mann, der den Bezirk Tempelhof-Schöneberg in der Fluglärmkommission vertritt. „Es musste endlich einmal etwas entschieden werden und Lichtenrader können sich über die heute ausgesprochene Empfehlung an die Deutsche Flugsicherung freuen“, sagt Band.

Auch wenn in Lichtenrade noch niemand die Sektkorken knallen lassen will: Einen Etappensieg konnten die Demonstranten für sich verbuchen. Denn der Kompromiss der Fluglärmkommission sieht vor, dass Lichtenrade nicht überflogen wird. Mehrere hundert Demonstranten hatten sich in der Lichtenrader Bahnhofstraße zu ihrer traditionellen Protestveranstaltung versammelt.

Der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU), hielt sich dagegen am Montag mit Freudenbekundungen zurück. „Wir sind auf dem Weg“, sagte Kopp lediglich zu den in der Kommission gefallenen Entscheidungen. Denn noch sei abzuwarten, ob der Zehlendorfer Ortsteil Wannsee von Überflügen betroffen ist. Darüber will die Kommission erst bei ihrer Sitzung am 11. April beraten.

Um die Wannseer, Potsdamer und auch die Einwohner der Kommunen Werder, Michendorf, Nuthetal und Schwielowsee vor Lärmbelastung zu schützen, wird es nach Angaben der Deutschen Flugsicherung bereits in Höhe von Ludwigsfelde einen Punkt geben, wo Maschinen 1700 Meter (5000 Fuß) erreicht haben müssen, um dann Richtung Norden und Nordosten abdrehen zu können. Wie von dort die Jets „aufgefächert“ werden – ob über Wannsee, Potsdam oder westlich daran vorbei, muss noch geklärt werden. Die Vorsitzende der Bürgerinitiative aus dem Berliner Südwesten „Keine Flugrouten über Berlin“, Marela Bone-Winkel, erneuerte am Montag ihre Forderung, dass „außen rum statt oben drüber“ geflogen werden müsse.

Auch wenn in Wannsee, Potsdam und Werder noch Skepsis herrscht, entlastet der Entscheidung für den Geradeausflug mit leichtem Schwenk nach Norden in Höhe von Ludwigsfelde den Berliner Ortsteil Lichtenrade und die Brandenburger Kommunen an der südlichen Stadtgrenze Berlins. Sie bleiben, anders als es der Vorschlag der Deutschen Flugsicherung vom 6. September vorsah, von Überflügen verschont. „Wir haben ein Etappenziel erreicht. Lichtenrade ist raus“, sagte der Sprecher des Bündnisses gegen neue Flugrouten, Markus Peichl. „Wir haben mit unserem Protest etwas erreicht. Aber nach wie vor gibt es neu betroffene Gemeinden, wie zum Beispiel Rangsdorf. Daher werden wir unseren Protest aufrechterhalten.“

Unzufrieden war am Montag Blankenfeldes Ortsvorsteher Bernd Habermann. Denn mit dem Geradeausflug von der Nordbahn Richtung Westen kriegen die Blankenfelder den vollen Fluglärm ab, zumal noch die Anflüge hinzukommen. Hier will die Fluglärmkommission nun aber Regelungen finden, um die „Doppelbelastungen“ der am stärksten betroffenen Gemeinde zu minimieren, kündigte die Kommissionsvorsitzende Kathrin Schneider am Montag an. So wird nach Angaben Habermanns überlegt, in Zeiten, in denen nicht gleichzeitig von beiden Bahnen gestartet werden muss, Jets auch von der Nordbahn scharf nach Süden starten zu lassen und damit Blankenfelde zu umfliegen.

Mit der Entscheidung für den Geradeausflug von beiden Bahnen Richtung Osten, hat sich die Kommission am Montag einem Votum der Deutschen Flugsicherung widersetzt. Diese hatte sich auf der vergangenen Kommissionssitzung gegen dieses sogenannte Münchner Modell ausgesprochen, weil 98 Prozent des Flugverkehrs über die scharfe Kurve abzuwickeln sei. Für das Münchner Modell, das nicht den internationalen Sicherheitsstandards für den gleichzeitigen Start zweier Jets von zwei parallelen Bahnen entspricht, muss nun eine Ausnahmegenehmigung beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung beantragt werden. Die Flughafengesellschaft erklärte sich am Montag bereit, zunächst ein Gutachten zu finanzieren, um zu prüfen, ob das Münchner Modell in Berlin realisierbar ist.

Der Chef der Deutschen Flugsicherung in Berlin, Hans Niebergall, nannte es am Montag „positiv“, dass die Kommission „eindeutige Empfehlungen an uns gegeben hat“. Für den Chef der Flughafengesellschaft Rainer Schwarz sind die Empfehlungen der Kommission Ausdruck einer „demokratischen Legitimierung“. Das Votum des Gremiums hat hohes Gewicht, es ist für die Behörden aber nicht bindend. Das letzte Wort hat das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, das kurz vor der für Juni 2012 geplanten Öffnung des Flughafens Routen festlegt. Um auf beiden Bahnen des Flughafens unabhängig voneinander Flugzeuge abheben zu lassen, müssen die Flugrouten aus Sicherheitsgründen um mindestens 15 Grad voneinander abweichen – diese Regelung ist der Ursprung des Flugroutenstreits.

Die Betreiber des Flughafens halten den Parallelbetrieb zumindest in Spitzenzeiten für notwendig, um mehr Maschinen abfertigen zu können. Vorgestellt wurden in der Fluglärmkommission am Montag überdies neue Varianten für die Anflugverfahren bei hohem Verkehrsaufkommen. „Hier hat es noch einmal deutlich Verbesserungen, insbesondere im Westen für Kommunen wie Werder gegeben“, sagte Hans Niebergall von der Deutschen Flugsicherung.