Berlin Trend

Berlins Grüne überholen Wowereits SPD

Die Grünen sind nicht zu stoppen – auch nicht in Berlin. In der Umfrage zur Abgeordnetenhaus-Wahl konnten sie um fünf Prozentpunkte gegenüber dem Februar zulegen und sind jetzt mit 28 Prozent stärkste Kraft. Alles läuft auf ein Duell zwischen Wowereit und Künast hinaus.

Die Grünen haben fünf Monate vor der Abgeordnetenhaus-Wahl in der Gunst der Berliner Wähler wieder die Spitzenposition errungen. Unter dem Eindruck der Atomkatastrophe in Japan sowie der Wahlerfolge in Baden-Württemberg legt die Öko-Partei im Berlin Trend um fünf Prozentpunkte gegenüber dem Februar zu und kommt jetzt auf 28 Prozent. Damit sind die Grünen wieder in die Dimensionen ihrer höchsten jemals gemessenen Werte im Sommer 2010 vorgestoßen. Die SPD verlor zwei Punkte und erreicht nur noch 26 Prozent.

Sollten die Kräfteverhältnisse bis zur Wahl am 18.September so bleiben, könnte die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast Regierende Bürgermeisterin werden – und mit der SPD oder der CDU als Juniorpartner regieren. Die Grünen verzeichnen in fast allen Altersgruppen Werte von mehr als 30 Prozent und liegen damit deutlich vorne. Nur bei den Berlinern ab 60 kommen sie auf unter 20 Prozent.

Für den Berlin Trend befragte Infratest Dimap im Auftrag der Berliner Morgenpost und der RBB-„Abendschau“ zwischen dem 1. und 4. April 1000 wahlberechtigte Berliner am Telefon.

Die Grünen in der Hauptstadt konnten trotz ihres Zuwachses den überaus positiven Trend auf der Bundesebene nicht übertrumpfen. Der Berliner Landesverband hat seinen Status als Hochburg der Öko-Partei eingebüßt. Denn auch bundesweit kommen die Grünen derzeit auf historische 28 Prozent.

In der Berliner Landespolitik ist der Vormarsch der Grünen jedoch besonders bemerkenswert, weil der SPD-Spitzenkandidat, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, von den Befragten so freundlich beurteilt wird wie seit vier Jahren nicht mehr. 61 Prozent, neun Punkte mehr als im Februar, bewerten Wowereits Wirken im Roten Rathaus als positiv, so viele wie zu den Zeiten seiner größten Popularität. Nur gut jeder dritte Wähler ist mit Klaus Wowereit unzufrieden. Zwar wird auch die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast von den Berlinern deutlich positiv bewertet. An die Beliebtheit des sozialdemokratischen Amtsinhabers kommt die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag jedoch nicht heran. So bleibt fraglich, ob Künasts Kandidatur bisher für die Grünen zusätzliche Zustimmung gebracht hat.

Insgesamt betrachten die Berliner mit Beginn des Frühlings ihr landespolitisches Personal mit einer gewissen Milde – fast alle Politiker konnten ihre persönlichen Sympathiewerte steigern. Aber bei keinem fiel das Plus so deutlich aus wie bei Wowereit. Würde der Regierende Bürgermeister in der Hauptstadt direkt gewählt, läge Wowereit deutlich mit 55 zu 30 Prozent der Stimmen vor Renate Künast, der Amtsinhaber konnte den Abstand zu seiner Herausforderin noch einmal um zwei Punkte vergrößern.

Immer deutlicher zeigt sich, dass das Rennen um das Rote Rathaus zwischen Wowereit und der grünen Herausforderin Künast ausgetragen wird. Die CDU mit dem Spitzenkandidaten Frank Henkel kam im neuen Berlin Trend nach einem Verlust von zwei Punkten nur auf 21 Prozent und hat die Tuchfühlung zum Führungsduo, die sie in den vergangenen Umfragen hatte, wieder eingebüßt.

Die Linke hält sich in Berlin trotz der Schwierigkeiten auf Bundesebene einigermaßen stabil bei 15 Prozent (minus eins) und bleibt damit im Rahmen ihrer Umfrageresultate der vergangenen Monate. Die Krise der FDP verschont auch den Berliner Landesverband nicht. Mit unverändert drei Prozent würden die Liberalen derzeit aus dem Landesparlament fliegen.

In Berlin hätte eine Koalition aus Grünen und SPD eine klare Mehrheit – die Grünen könnten aber auch mit der CDU regieren, was als unwahrscheinlich gilt. Rechnerisch denkbar wäre auch ein Bündnis aus SPD und CDU. Die derzeitige Koalition aus SPD und Linkspartei, die sich noch Anfang des Jahres Hoffungen auf eine dritte Legislaturperiode machen konnte, findet nicht mehr die nötige Zustimmung. Mit zusammen 41 Prozent ist Rot-Rot weit von einer Mehrheit entfernt. Noch schlimmer sieht es für Union und FDP aus. Die im Bund regierende Koalition erreicht mit zusammen 24 Prozent nicht einmal jeden vierten Berliner Wähler.