Berlin-Trend

Berliner Sozialdemokraten haben die Wahl

Nach der jüngsten Wahlumfrage ist die SPD auf 31 Prozent geklettert, den höchsten Wert seit vier Jahren. Christine Richter zur Abgeordnetenhauswahl und Wowereits Vorsprung.

Noch gut fünf Wochen, dann können die Berliner entscheiden, von wem sie in den nächsten fünf Jahren regiert werden wollen. Nach der neuesten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap wird der nächste Regierende Bürgermeister wieder der alte sein: Klaus Wowereit kommt mit der SPD derzeit auf 31 Prozent der Stimmen – einen Wert, den die Berliner Sozialdemokraten bei der letzten Abgeordnetenhauswahl 2006 erzielten, aber in Umfragen seit langem nicht mehr erreicht haben. Die Grünen, die vor einigen Monaten sogar mal vor der SPD lagen, erzielen mit ihrer Spitzenkandidatin Renate Künast derzeit 22 Prozent und sind damit genauso stark wie die CDU. Der Abstand beider Parteien zur SPD ist also mehr als deutlich, Wowereit wird sich aussuchen können, mit wem er regieren will. Sogar eine Neuauflage von Rot-Rot erscheint derzeit möglich, denn der rechnerische Abstand zwischen Rot-Rot auf der einen Seite und Grün-Schwarz auf der anderen ist nach der neuesten Umfrage minimal, er liegt nur bei einem Prozentpunkt. Wowereit kann sich freuen.

Doch auch wenn die Zahlen einen deutlichen Trend aufweisen: Noch ist die Abgeordnetenhauswahl nicht gelaufen, viele Berliner sind noch in den Sommerferien, die heiße Phase beginnt erst am kommenden Montag, nach der Urlaubszeit. Aber wenn die Grünen ihr Ziel, Renate Künast ins Rote Rathaus zu bringen, erreichen wollen, müssen sie sich gewaltig anstrengen. Denn Wowereit macht, das hat sich in den letzten Wochen gezeigt, einen wirklich exzellenten Wahlkampf. Er nutzt sein Amt als Regierender Bürgermeister geschickt, um jeden Tag in der Stadt und auch in den Medien präsent zu sein, er spielt bei seinen Auftritten bei den Bürgern vor Ort und bei den SPD-Wahlveranstaltungen seinen ganzen Charme aus. Und weil weder die Grünen noch die CDU sich getrauen, Wowereit direkt anzugreifen und für die Politik der vergangenen zehn Jahre persönlich verantwortlich zu machen, kommt auch in diesen Wahlkampftagen keinerlei Wechselstimmung auf. Kritisiert wird von der Opposition stets nur der rot-rote Senat insgesamt, da bleibt Wowereit nahezu unbehelligt. Frank Henkel, Spitzenkandidat der CDU, und auch die Grünen wollen es sich nämlich nicht mit Wowereit verderben, schließlich könnte es ja zu einer gemeinsam Regierung mit ihm kommen.

Auch das zeigt die Umfrage deutlich: Nach dem 18. September sind jetzt wieder mehrere Koalitionen möglich. Rot-Rot – möglicherweise, wenn die Linke noch ein bisschen zulegen kann. Rot-Grün sicherlich, denn die beiden Parteien kommen derzeit ja auf eine satte Mehrheit von 53 Prozent. Renate Künast müsste dann aber im Bundestag verbleiben. Aber auch eine rot-schwarze Koalition ist gut möglich, denn Wowereit hat Spaß daran, die Grünen zu ärgern, die Parteien gegeneinander auszuspielen und so das für ihn beste Ergebnis herauszuhandeln. Zumal die Christdemokraten Wowereit schon jetzt verziehen haben, dass er sie in den vergangenen zehn Jahren stets für nicht-regierungsfähig erklärt und schlecht behandelt hatte. Sie wären zu einer Koalition nur zu gerne bereit, Hauptsache wieder mitregieren.

Es bleibt also spannend in Berlin – auch nach dem Wahlabend, 18 Uhr.