BVG-Baumaßnahmen

Abschnitte der U2 sind 2010 monatelang gesperrt

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Markus Falkner

Die U-Bahnlinie U2 wird 2010 gleich an mehreren Stellen unterbrochen. Von Mai bis Dezember verkehrt die Linie nur zwischen Olympiastadion und Senefelder Platz. Vorher wird sie am Gleisdreieck unterbrochen. Und dies ist nicht die einzige Strecke, auf der dann Bauarbeiten für Behinderungen sorgen.

Fahrgäste der Berliner U-Bahn müssen im kommenden Jahr starke Nerven haben – besonders wenn sie die Linie U2 nutzen. Die Hauptstrecke von Pankow durch Mitte und die City-West nach Ruhleben wird gleich auf drei Abschnitten monatelang gesperrt. Entlang der Schönhauser Allee, am Gleisdreieck und in Ruhleben wird U-Bahn-Fahren zur Geduldsprobe. Grund sind umfangreiche Bauarbeiten an dem teilweise mehr als 100 Jahre alten U-Bahn-Netz.

Rost, Materialermüdung und Dichtungsschäden haben den Tunneln und Viadukten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zugesetzt. 400 kleinere und größere Baumaßnahmen sind allein bei der U-Bahn im kommenden Jahr geplant, weitere 100 kommen bei der Straßenbahn hinzu. 153 Millionen Euro investiert die BVG 2010 in die Sanierung ihrer Tram- und U-Bahn-Strecken.

Einschränkungen für die Kunden seien dabei „leider unabdingbar“, sagte BVG-Chef Andreas Sturmowski bei der Vorstellung des Bauprogramms für das kommende Jahr. Schließlich gehe es um den dauerhaften Erhalt des Netzes und die Sicherheit der Fahrgäste. „Nur eine intakte Infrastruktur ist sicher“, so Sturmowski.

Den größten Brocken haben erneut die Fahrgäste in Pankow und Prenzlauer Berg zu tragen. Nachdem in diesem Jahr die Hochbahnviadukte nördlich des Bahnhofs Schönhauser Allee erneuert wurden, folgen von Mai 2010 an der wesentlich längere Südabschnitt und die Rampe zur Station Vinetastraße. Neben den historischen Viadukten werden auch die Bahnhöfe Eberswalder Straße und Schönhauser Allee eine Runderneuerung erhalten. Betroffen sind nach BVG-Angaben täglich bis zu 30.000 Fahrgäste.

Für insgesamt sechs Monate endet die U2 am Bahnhof Senefelderplatz. Ein Aufzug soll dort rechtzeitig fertig sein, damit auch Fahrgäste mit Rollstuhl oder Kinderwagen barrierefrei auf den Ersatzverkehr umsteigen können. Von dort geht es nämlich mit Bussen weiter in Richtung Pankow.

Betroffen ist auch der Straßenbahnverkehr. Die Linien M1, M12 und 50 werden im Baustellenbereich unterbrochen. Die Verkehrsbetriebe nutzen die Sperrzeit, um bei der Tram Weichen und Gleise unter anderem an der Pappelallee zu erneuern. Am Knoten Schönhauser Allee/Wisbyer Straße schafft die BVG gleich noch eine Option für die Zukunft. Durch den Einbau zweier zusätzlicher Weichen wäre künftig auch ein Linienverkehr möglich, der Pankow im Norden über die Wisbyer Straße mit dem Tram-Netz im Osten verbindet. Konkrete Planungen für neue Linienführungen gibt es aber noch nicht, wie BVG-Infrastrukturdirektor Ralf Baumann betont.

Erst ist die U2 an der Reihe, dann die U1

Sechs Monate Großbaustelle an der Schönhauser Allee, das heißt, auch Autofahrer in Prenzlauer Berg müssen 2010 erneut Geduld haben. Längere Vollsperrungen wie in diesem Jahr an der Kreuzung Schönhauser Allee/Bornholmer Straße soll es zwar nicht geben, wie die BVG versichert, mit Staus müssen Autofahrer trotzdem rechnen. Die gute Nachricht für sie lautet aber: Die U-Bahnbrücke über Eberswalder- und Danziger Straße, über Pappel- und Kastanienallee ist bereits vor einigen Jahren erneuert worden. Der Hauptverkehrsknoten bleibt also weitgehend offen.

Ärger und Stress auf der U2 beginnen allerdings schon im März. Dann beginnt eine neue Etappe bei der Sanierung des maroden U-Bahn-Knotens Gleisdreieck. Für zweieinhalb Monate wird die U2 zwischen Gleisdreieck und Wittenbergplatz unterbrochen. Bis zu 80.000 Fahrgäste täglich müssen auf die nahezu parallel verlaufende Linie U1 ausweichen. Die Station Bülowstraße bleibt allerdings geschlossen. Um am Gleisdreieck trotz der Umsteiger Platz für den Umbau des unteren Bahnsteigs und den Einbau der geplanten Aufzüge zu schaffen, errichten die Verkehrsbetriebe einen Behelfsbahnsteig nördlich der jetzigen Station.

Im Sommer 2010 geht es dann am Gleisdreieck mit der Viaduktsanierung auf der U1 weiter. Die Linie wird zwischen Möckernbrücke und Wittenbergplatz gesperrt. Fahrgäste müssen in dieser Bauphase auf die U2 umsteigen. Zwischen den Stationen Möckernbrücke und Mendelssohn-Bartholdy-Park pendeln Ersatzbusse.

Busse statt Bahnen fahren gleich für sieben Monate des kommenden Jahres auch auf der Linie U2 zwischen den Stationen Olympiastadion und Ruhleben. Bahndamm, Brücken und der 1928 erbaute Bahnhof Ruhleben sollen in dieser Zeit grundlegend saniert werden. Die Sperrung dauert laut BVG vom 24. Mai bis zum 20. Dezember.

Mehr barrierefreie Haltestellen

Neben den Arbeiten an den Hochbahntrassen bildet die Tunnelsanierung den zweiten großen Schwerpunkt. Im Mittelpunkt stehen auch 2010 die Abschnitte unter Tauentzienstraße (Linien U1/U3) und Karl-Marx-Allee (U5). Neu hinzu kommt die Linie U6 unter dem Mehringdamm. Weil die Tunnel von außen abgedichtet werden, müssen Autofahrer vor allem auf diesen drei Abschnitten mit Behinderungen rechnen. Besonders eng wird es in der City West, wo die Baustelle vom Wittenbergplatz weiter in Richtung Nürnberger Straße wandert.

15 U-Bahnhöfe werden zusätzlich im kommenden Jahr grundsaniert. Zu erheblichen Einschränkungen (Vollsperrung, eingleisiger Betrieb oder Pendelverkehr) führt das zeitweise an den Stationen Ruhleben, Gleisdreieck und Mohrenstraße (alle U2), Breitenbachplatz (U3) und Heinrich-Heine-Straße (U8).

Fortgesetzt wird zudem der Umbau von Haltestellen zu barrierefreien Stationen. 26 Aufzüge werden im Laufe des kommenden Jahres gebaut, 17 sollen noch 2010 in Betrieb gehen. Ende nächsten Jahres werden damit 89 von 173 U-Bahnhöfen uneingeschränkt auch für Menschen mit Behinderungen, Kinderwagen, Fahrrädern und Lasten nutzbar sein. Damit erhöht sich der Anteil der barrierefreien Bahnhöfe im U-Bahn-Netz von derzeit 46 auf 52 Prozent. Das Geld für fünf der neuen Aufzüge (an den Stationen Otisstraße, Scharnweberstraße, Britz-Süd, Kaiserin-Augusta-Straße und Uhlandstraße) verdanken die Verkehrsbetriebe der monatelangen S-Bahn-Krise. Der Senat kürzt seine Zahlungen an die S-Bahn und steckt die Mittel unter anderem in Aufzüge und Rolltreppen bei der BVG.

Etwa 15 Kilometer des knapp 190 Kilometer langen Straßenbahnnetzes werden schließlich 2010 saniert. Zwölf Streckenabschnitte müssen dafür zeitweise gesperrt werden. Neue Weichen und Gleise gibt es nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe unter anderem im April für „Deutschlands meist befahrene Straßenbahnstrecke“ am Hackeschen Markt. Außerdem werden 60 Tram-Haltestellen durch Bordsteinabsenkungen barrierefrei. Durch Umbauten werden zudem weitere 30 Bushaltestellen im BVG-Netz barrierefrei.