Bürgerinitiative

K21 kämpft gegen die Bagger der Kastanienallee

Die Arbeiten an Fahrbahn und Gehwegen in der Kastanienallee in Pankow haben nun nach langem Hin und Her begonnen. Doch die Bürgerinitiative "Stoppt K21" will den Straßenumbau trotzdem noch verhindern. Mit welchen Aussichten?

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Die Bagger rollen. Die neuen Pflastersteine sind da. Der alte Asphalt in der Kastanienallee wird abgefräst. Aber der Widerstand der Einheimischen lässt nicht nach. Ein Team von neun Unermüdlichen aus der Bürgerinitiative „Stoppt K21“ will den Straßenumbau noch verhindern. Es ist ein Kampf gegen die Zeit und gegen die Bürokratie. Ob er Erfolg hat, ist fraglich.

Doch Gastronom Till Harter, Filmemacher Matthias Aberle und Geschäftsführerin Graciella Abati sind sich ihrer Sache sicher. „Wir wollen nur die Reparatur der Gehwege und Tempo 30 auf der gesamten Allee“, sagt Abati. Den breiten Radstreifen am Fahrbahnrand, den das Bezirksamt plant, lehnt die Initiative ab, ebenso die Parkbuchten im Bereich des Bürgersteigs. Für den morgigen Sonnabend, 14 Uhr, ruft „Stoppt K 21“ zu einer Kundgebung an der Ecke Oderberger Straße auf. Weitere Demonstrationen sollen folgen.

Das alte Straßenbild verschwindet

Am Dienstag hat sich die Initiative zum wiederholten Mal mit Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) getroffen, um die Modalitäten für ein Bürgerbegehren zu besprechen. Denn die Bedingungen sind komplizierter geworden, weil das Verwaltungsgesetz seit kurzem geändert ist. Nun prüft erst das Bezirksamt Pankow, ob das Begehren zulässig ist, dann schaltet sich die Senatsinnenverwaltung ein. Beide Behörden haben jeweils vier Wochen Zeit. Wochen, in denen die Bagger weiter arbeiten, neue Gehwegplatten verlegt werden und das alte Straßenbild verschwindet.

So wie seine Gegner ist sich auch Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) seiner Sache sicher. Der Straßenumbau werde „Verkehrssicherheit und Mobilität für alle“ bringen, sagt er. Auch für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen. Die Tram-Haltestellen werden so hergerichtet, dass die Wagen niveaugleich in die Straßenbahn geschoben werden. Für sie wird auch der Bordstein an den Gehwegen abgesenkt. Die Bürgersteige werden sicherer, weil kaputte Platten verschwinden. Radfahrer, die bisher in der Mitte der Straße fahren, zwischen Autos und Straßenbahn, rollen künftig auf eigenem Streifen am Fahrbahnrand.

An der Ecke Schönhauser Allee haben die Arbeiten begonnen. Was geplant ist, das hat Kirchner am Montag noch einmal den Geschäftsleuten auf dem betroffenen Abschnitt erklärt. Er hat auch Anträge für finanzielle Unterstützung während der Bauzeit verteilt. Gastwirtin Claudia-Maria Humeniuk vom Café „An einem Sonntag im August…“ bleibt skeptisch. Schon die Arbeiten an der U-Bahn-Strecke U2 hätten zu Umsatzeinbußen geführt, erzählt die 38-Jährige. „Ich weiß nicht, ob ich die Baustelle überlebe.“ Ist sie für oder gegen den Umbau? „Hauptsache, die Flaniermeile bleibt erhalten“, sagt sie. „Man kann Straßen auch so sanieren, dass sie nachher tot sind.“

Sonderkonditionen für Wirte

Das ist etwas, was Stadtrat Kirchner auf keinen Fall will. Deshalb gibt es Extra-Konditionen für die Gaststätten. „Die Wirte können den Gehwegstreifen auch während der Bauzeit für Schankvorgärten nutzen“, sagt er. Nach 18 Uhr und am Wochenende darf auch im Baustellenbereich ausgeschenkt werden, wenn dort ein großer Teppich den holprigen Boden bedeckt. Außerdem, sagt Kirchner, erfolge der Umbau der Kastanienallee in vielen kleinen Abschnitten. Immer zuerst auf der einen Seite der Straße und dann auf der anderen. „Die Baufirmen lachen mich aus deswegen“, sagt der Stadtrat. „Aber die Händler und Anwohner sollen so wenig wie möglich gestört werden.“ Sein Ziel sei, dass Tempo 30 auf der gesamten Allee eingeführt werde. „Wie es in der Bürgerbeteiligung gefordert wurde.“

Doch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung habe der Geschwindigkeitsbeschränkung nicht zugestimmt. Die Kämpfer von „Stoppt K21“ betrachten Kirchners Bemühen als Farce. Eine wirkliche Bürgerbeteiligung habe es nicht gegeben, werfen sie ihm vor. Jetzt sei zwar, bis auf einen kurzen Abschnitt, Tempo 50 erlaubt. Doch weil ständig Radler in der Fahrbahnmitte rollen, sei die Straße faktisch eine Tempo-30-Zone. Wenn sie künftig den separaten Streifen am Rand nutzen, dann haben Autos und Straßenbahn freie Fahrt. Till Harter fürchtet für die Sicherheit seiner Kinder. „Sie müssen oft die Fahrbahn überqueren.“ Sein Unmut richtet sich nicht nur gegen den Pankower Stadtrat, sondern gegen auch gegen seine Partei. „Bürgerbeteiligung ist ein zentrales Thema, mit dem die Grünen zur Wahl antreten“, sagt er. „Aber hier wird sie nicht praktiziert.“

Die Hoffnung von „Stoppt K21“ ruht auf dem Bürgerbegehren. Am 3. Mai beginne man, Unterschriften zu sammeln, sagt Matthias Aberle. Etwas mehr als 8000 Stimmen sind erforderlich. Doch der Rechtsanwalt der Initiative, Hans-Jürgen Will, dämpft die Hoffnung. „Ein Erfolg führt nicht automatisch zum Baustopp“, sagt er. Es sei nur ein Ersuchen an die Politik. Das weiß auch Stadtrat Kirchner. Doch er sagt: „Wenn es zu einem erfolgreichen Bürgerentscheid kommt, sollte er ernst genommen werden.“