Vandalismus

Autonome bedrohen nicht nur Luxus-Bauprojekte

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Hans H. Nibbrig

Foto: Steffen Pletl

Erneut ist in Berlin-Kreuzberg ein Anschlag auf das Luxus-Wohnprojekt "Carloft" verübt worden. Die Wohnungen, die auf jeder Etage einen Autostellplatz bieten, gehören zu den Hassobjekten autonomer Gewalttäter. Aber auch Kleinbetriebe und Familien werden immer wieder von ihren Attacken getroffen.

„Wer hier kauft, kauft Ärger“, haben Unbekannte auf ein Baustellenschild an der Reichenberger Straße in Kreuzberg gekritzelt. Die kaum verhüllte Drohung gilt dem Luxus-Wohnprojekt „Carloft“. Das schicke Anwesen, dessen Bewohner auf jeder Etage einen kleinen Garten haben und ihre Autos per Aufzug quasi mit in die Wohnung nehmen können, ist für autonome Gewalttäter das Paradebeispiel schlechthin für ihr inständig gepflegtes „Feinbild Kapitalismus“. In der Nacht zu Montag schlugen sie wieder einmal zu. Acht bis zehn Vermummte warfen Steine und Farbbeutel auf das Gebäude, im Erdgeschoss wurden sämtliche Fensterscheiben eingeworfen, aber auch in der ersten und dritten Etage gingen mehrere Scheiben zu Bruch.

Hochwertige Wohnprojekte und Bauvorhaben sind neben teuren Autos die bevorzugten Hassobjekte der radikalen Linken. Etwa 60 Vorfälle registrierte die Polizei in diesem Jahr schon. Dabei traf es Objekte in Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte, Prenzlauer Berg und Treptow. Das Carloft-Projekt war knapp 20-mal Ziel von Anschlägen. In fünf Fällen liegen Bekennerschreiben vor. Darin werden weitere „Aktionen“ gegen die vorgeworfene Vertreibung angestammter Kiezbewohner durch immer neue Luxus-Wohnquartiere angekündigt.

Auf Bewohner, Kaufinteressenten und Bauträger der Wohnobjekte bleiben derartige Anschläge nicht ohne Wirkung. Kein Bewohner der Anlage wollte am Montag etwas zu der nächtlichen Attacke sagen. „Bloß nicht auffallen“, lautete der einzige Kommentar eines Bewohners. Auch die Betreiber des Projektes wollen sich offiziell nicht mehr zu dem Problem der Anschläge äußern. Inoffiziell wurde allerdings Presseberichten, das Carloft-Projekt sei am Widerstand der linken Szene gescheitert, vehement widersprochen. Der Großteil der elf Wohnungen sei verkauft. Dass noch nicht alle einen Käufer gefunden hätten, liege nicht an den Anschlägen, sondern sei eine Folge der Finanzkrise, hieß es.

Zwar haben sich die Täter vollmundig dem Kampf gegen Kapitalisten, Spekulanten und andere auf ihrer linksradikalen Werteskala ganz oben stehenden Erzfeinden verschrieben, getroffen werden von ihren blindwütigen Gewalttaten aber häufig ganz andere. Immer wieder waren in den vergangenen Monaten Projekte sogenannter Baugruppen Ziel von Anschlägen. In denen haben sich zumeist Familien zusammengeschlossen, die ihren Traum vom Wohneigentum nur im Verbund mit anderen und unter erheblichen finanziellen Belastungen erfüllen können. Obwohl sie häufig selbst aus der links-alternativen Szene kommen, auf ökologische Bauweise und angestammte Kiezstrukturen setzen, ziehen sie sich vermehrt den Hass der Täter zu.

Den mussten die Bauherren eines Projektes in Prenzlauer Berg im September teuer bezahlen. Ein Anschlag mit Molotowcocktails richtete einen Schaden an, der einige Betroffene an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten brachte. Und bei einem Anschlag auf ein Wohnprojekt an der Fichtestraße in Kreuzberg waren mehrere kleine Handwerksbetriebe die Leidtragenden. Ihr in dem Rohbau lagerndes Material wurde zerstört.

Existenzsorgen erzeugen die Anschläge bei den Carloft-Bewohnern nicht, Unmut dagegen schon. Man rechnet mit weiteren Attacken. Die Angreifer von Sonntag jedenfalls flohen nach der Attacke auf Fahrrädern.