"Eine kleine Stadt"

Neben all den Protesten – der BBI-Bau geht voran

Der Bau des neuen Großflughafens in Berlin-Schönefeld geht in die letzte Runde. Das Terminal steht bereits, die Landebahnen sind betoniert und im Tiefbahnhof könnten schon Züge einfahren. Nur beim Test der Gepäckförderanlage gab es noch Sicherheitsalarm.

Am künftigen Berliner Willy-Brandt-Flughafen herrscht Hochbetrieb. Obwohl erst im Juni 2012 Flugzeuge starten und landen sollen, laufen die 32 Gepäckförderanlagen im Keller des Terminals auf Hochbetrieb. Ab und zu tauchen abgewetzte Koffer auf den Bändern auf und verschwinden wieder. „Wir müssen 15.000 Gepäckstücke in der Stunde abfertigen können“, sagt Projektleiter Ralf Langenickel. „Das muss reibungslos funktionieren, deshalb läuft hier jetzt schon alles volles Rohr.“

Koffer und Rucksäcke werden im Bauch des Terminals auf Förderbändern mit insgesamt zehn Kilometern Länge transportiert. Dabei geht es nicht nur um Schnelligkeit, sondern vor allem um Sicherheit. „Nur Spazierenfahren reicht nicht“, betont Langenickel. Für das aufgegebene Gepäck gibt es ein fünfstufiges Kontrollsystem – im Fachjargon MRKA (Mehrstufige Reisegepäckkontrollanlage) genannt.

Vom Check-In geht es vollautomatisch bis zu einer der acht Röntgenanlagen der Sicherheitsstufe eins. Die meisten Stücke können passieren, aber bei Schatten oder Flecken auf dem Monitor müssen Bundespolizisten innerhalb von zwölf Sekunden entscheiden, ob tatsächlich ein sicherheitsrelevantes Problem vorliegt. Wenn sie keine Freigabe erteilen, kommt ein Koffer in die nächste Sicherheitsstufe, wo der Inhalt noch genauer durchleuchtet werden kann.

Zur Not kann Gepäck gesprengt werden

Schätzen die Beamten das Gepäckstück auch dann noch als Sicherheitsgefahr ein, wandert das Gepäck ein Stockwerk tiefer in die Stufe vier: Ein Bunker mit dicken Mauern und Rolltor. Dort untersuchen die Polizisten den Inhalt von Hand. Auch bei einem Zwischenfall soll der Flughafen weiterbetrieben werden können. Die Sicherheitsstufe fünf liegt außerhalb des Terminals; dort kann ein Gepäckstück zur Not gesprengt werden.

Beim Testbetrieb mit 400 Koffern gab es schon ersten Alarm. Weil die Füllungen mit Wollfetzen und Teppichresten zu feuergefährlich waren, wurden Gipsplatten in die Gepäckstücke gelegt. „Prompt schlugen die Sicherheitssysteme an“, erzählt Langenickel. Nun wird nach einer neuen Füllmasse gesucht.

Auf der Baustelle des 2,5-Milliarden-Euro-Projekts sind derzeit etwa 500 Planer und 3000 Arbeiter beschäftigt. „Wir bauen eine kleine Stadt“, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel. Während in der öffentlichen Diskussion vor allem Flugrouten und Nachtruhezeiten im Mittelpunkt stehen, werden am künftigen Airport mit dem internationalen Code „BER“ (für Berlin) Parkhäuser in die Höhe gezogen und Bürogebäude errichtet. Kräne heben und senken ihre Lasten. Das Gelände verändert sich ständig.

120.000 Quadratmeter Jura-Kalkstein

Das Terminal sieht aus, als würde die Berliner Neue Nationalgalerie noch einmal für Riesen gebaut. Dort werden derzeit auf 120.000 Quadratmetern rechnerisch mehr als 300.000 Platten aus Jura-Kalkstein verlegt. „Als Einzelauftrag ist das schon eine ziemliche Nummer“, sagt Peter Schmidt von der Arbeitsgemeinschaft Naturstein.

Er fixiert mit 55 Arbeitern rund 500 Quadratmeter Bodenplatten am Tag. Hinterher müssen viele Bereiche wieder abgedeckt werden, damit beim Montieren von Kabelschächten, Schildern oder Klimaanlagen der Boden nicht beschädigt wird. Über die Dimensionen kann man nur Staunen. „Wir haben die Jahresproduktion von sieben Steinbrüchen aufgekauft“, sagt Kunkel. Später werden dort mehr als 20 Millionen Fluggäste jährlich im Duty Free einkaufen, Tickets buchen, Sehnsuchtskaffee trinken, das Handgepäck checken oder die Kinder im Airport-Kindergarten toben lassen.

Auch der Tiefbahnhof mit sechs Fernzug- und zwei S-Bahn-Gleisen ist weit fortgeschritten und soll bereits im Herbst fertig gestellt sein. In wenigen Wochen werden die Oberleitungen montiert, dann könnten schon Züge durchfahren. An den Treppenaufgängen wirken die Bahnsteige etwas eng.

Auch hier liegt ein besonderes Augenmerk auf der Sicherheit. „Wenn ein Zug in Brand gerät, muss der Bahnhof in kürzester Zeit entraucht werden“, sagt Jörg Bauer von der Bauüberwachung. Mächtige Rohre und Ventilatoren sollen dafür sorgen, dass im Notfall innerhalb einer Stunde 800.000 Kubikmeter Rauch abgesaugt und ins Freie geleitet werden. Über Nottreppenhäuser können Feuerwehrleute in die Tiefe steigen. Wenn alles reibungslos läuft, werden die Reisenden aber weder vom Gepäckbunker, der Rauch-Absauganlage oder den Feuerwehr-Treppenhäusern jemals etwas sehen.