Schule

Zöllner schickt alle Lehrer zur Fortbildung

Im Rahmen der Qualitätsoffensive von Bildungssenator Zöllner müssen Berliner Lehrer verstärkt Fortbildungen besuchen und die Schulen mit verstärkten Kontrollen rechnen. Pädogogen-Verbände protestieren.

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Die Pläne von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) zur Verbesserung der Schulqualität sorgen für große Unruhe bei Berlins Lehrern. Zöllner will die Schulen künftig stärker kontrollieren und die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlichen. Die Vorsitzende des Grundschulverbandes, Inge Hirschmann, warf dem Senator vor, einseitig Druck auszuüben. „Für bessere Qualität können nicht allein die Schulen verantwortlich gemacht werden“, sagte sie.

Wie aus internen Kreisen zu erfahren war, will Zöllner alle Lehrer zur Fortbildung verpflichten. Außerdem sollen die Inspektionsberichte der Schulen öffentlich gemacht werden. Restriktiver will die Verwaltung in Zukunft auch den Einsatz von Vertretungsmitteln handhaben.

Diese und weitere Maßnahmen beruhen auf Empfehlungen einer Expertenkommission, die Bildungssenator Jürgen Zöllner beauftragt hat, ein so genanntes Qualitätspaket zu schnüren. Dessen zweiten Teil wird der Senator bald vorstellen.

Inge Hirschmann vom Grundschulverband aber auch Paul Schuknecht von der Vereinigung der Berliner Schulleiter halten eine verbindliche Fortbildungspflicht für Lehrer für fragwürdig, solange die Schulen nicht ausreichend mit Personal ausgestattet sind. Viele Kollegen seien ausgebrannt, weil sie ständig zusätzlich Vertretungsunterricht machen müssten, sagte Schuknecht.

Bildungsforscher plädieren für qualifizierte Weiterbildung

Bildungsforscher wie Felicitas Thiel von der Freien Universität bezeichnen eine gute Fortbildung der Lehrer indes als unabdingbar für mehr Qualität in der Schule. Ohne bedarfsgerechte Fortbildung der Pädagogen würde jede Schulreform scheitern, sagte sie mit Blick auf die Sekundarschulreform oder das jahrgangsübergreifende Lernen. Thiel kritisierte, dass es nicht genügend gute Qualifizierungsangebote für Lehrer gibt. Gerade bezüglich des Umgangs mit heterogenen Gruppen hätten die Pädagogen aber großen Weiterbildungsbedarf.

Auch vor einer Veröffentlichung aller Inspektionsberichte warnte Thiel. Das würde lediglich zu einem Ranking führen. Gute Angebote für alle Schüler erreiche man damit nicht. Inge Hirschmann vom Grundschulverband sprach sich ebenfalls gegen ein Ranking aus. Viele Schulen könnten die Bedingungen nicht beeinflussen, unter denen sie arbeiten müssten. Ein fairer Vergleich sei deshalb nicht möglich.

Bisher konnten die Schulen selbst entscheiden, ob sie ihre Inspektionsberichte veröffentlichen. Deshalb sind nur gute Berichte auf den schulischen Internetseiten zu finden. Würde der Senator das jetzt ändern, könnten die Eltern sehen, wo die Schulen welche Probleme haben. In den Berichten wird die Qualität des Unterrichts erfasst, aber auch das Management der jeweiligen Schule.