Schule

Rektoren fürchten Schulen-Ranking

Die Qualitätsoffensive von Senator Zöllner sieht mehr Transparenz vor: Schulinspektionsberichte sollen öffentlich gemacht werden. Dies widerstrebt den Schulleitern, die kein Ranking von Berlins Schulen in den Medien sehen wollen.

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Viele Berliner Schulen sind in Aufruhr. Sie wollen sich von der Bildungsverwaltung nicht unter Druck setzen lassen. Inge Hirschmann, Vorsitzende des Grundschulverbandes, bringt es auf den Punkt: „Das Qualitätspaket von Bildungssenator Jürgen Zöllner übt Druck auf die Schulen aus“, sagt sie. Alle Verbesserungen sollten einzig auf dem Rücken der Lehrer ausgetragen werden. „Die Verwaltung kann nicht alles auf die Schulen abschieben, sondern muss ebenfalls ihre Aufgaben erledigen“, fordert die Vorsitzende des Grundschulverbandes.

SPD-Bildungssenator Zöllner hat mehrere Experten beauftragt, Maßnahmen zur Verbesserung der Schulqualität zu erarbeitet. Ein Teil seines sogenannten Qualitätspaketes hat Zöllner in der vergangenen Woche bereits veröffentlicht. Bald will er weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Schulen bekannt geben.

Es könne nicht sein, dass alle Lehrer zur Fortbildung gezwungen werden, sagt Hirschmann. Dies schlügen Zöllners Experten aber vor. Zum einen gäbe es viel zu wenig gute Angebote, zum anderen seien viele Kollegen total überlastet, weil sie zusätzlich zu ihrer vollen Stundenverpflichtung ständig Vertretung machen müssten. Paul Schuknecht, Vorsitzender der Vereinigung der Berliner Schulleiter, stört, dass sich die Empfehlungen der Experten ausschließlich an den vorhandenen Defiziten orientieren. „Wir brauchen stattdessen ein positives Ziel, wohin sich Berlins Schulen entwickeln sollen“, fordert er.

Auch die verpflichtende Veröffentlichung der Schulinspektionsberichte hält Hirschmann für fragwürdig. „Ein medienwirksames Veröffentlichen von Ergebnissen kommt einem Ranking gleich“, schreibt die Vorsitzende des Grundschulverbands in einer Stellungnahme an den Bildungssenator. Die Schulen arbeiteten aber längst unter derart verschiedenen Bedingungen, dass sie kaum noch vergleichbar seien.

Schulleiter wollen keine öffentliche Benotung

Einer Veröffentlichung der Schulinspektionsberichte sieht auch Schuknecht mit gemischten Gefühlen entgegen. „Welche Konsequenzen hat das“, fragt er. Lehrer, die schlechte Arbeit machten, könnten bisher trotzdem nicht entlassen werden. „An dieser Stelle müsste sich der Senator für eine Änderung der Rechtslage einsetzen“, so der Vorsitzende der Vereinigung der Berliner Schulleiter.

Interessant dürften die Berichte für die Eltern sein. Bei der Schulwahl könnten sie so genau sehen, wo die Stärken und die Schwachpunkte der jeweiligen Schule liegen. Die Schulinspektoren bewerten beispielsweise detailliert die Unterrichtsqualität. Zu den Kriterien gehören unter anderem Gelegenheiten zum selbstständigen Lernen, Kooperationen unter den Schülern oder auch die Nutzung des Computers. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Personalmanagement durch den Schulleiter, was letztlich auch für Ausfallstunden verantwortlich sein kann. Außerdem werden Eltern, Schüler und Lehrer zum Schulklima befragt. Allerdings bedarf es einiger Übung, sich in der Menge der Informationen in den Inspektionsberichten einen Überblick zu verschaffen.

Dennoch hatte sich der Landeselternausschuss bisher immer für die Veröffentlichung der Berichte stark gemacht.

Jede öffentliche Schule wird in einem Turnus von fünf Jahren über mehrere Tage inspiziert. Zum Inspektionsteam gehören Pädagogen, Eltern und Vertreter der Wirtschaft.