BBI-Flugrouten

Südwesten Berlins soll flugfrei bleiben

Im Streit um die Flugrouten am künftigen Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld liegen erstmals kompromissfähige Varianten vor.

Die Einwohner von Lichtenrade, Teltow, Kleinmachnow und wohl auch Stahnsdorf können aufatmen. Sie werden künftig aller Voraussicht nach nun doch vom Fluglärm vom künftigen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld verschont bleiben. Darauf hat sich am Montag die Fluglärmkommission verständigt. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) reagierte erfreut, die Bürgerinitiative „Keine Flugrouten über Berlin“ eher skeptisch. Dem überraschenden Kompromissvorschlag war ein monatelanger Streit vorausgegangen.

Die am Montag getroffenen Empfehlungen an die Deutsche Flugsicherung (DFS) sehen vor, dass die Flugzeuge von der nördlichen Startbahn sowohl nach Westen wie nach Osten geradeaus starten. Richtung Westen einigten sich die mittlerweile 38 Kommissionsmitglieder allerdings nur auf die Strecke bis zu einem Punkt auf der Höhe von Großbeeren. Wie es von dort weitergehen soll, ob Jets, die nach Norden oder Osten fliegen wollen, über Wannsee, Potsdam oder erst weiter westlich eindrehen, will die Kommission erst am 11. April entscheiden. Damit ist noch nicht klar, ob Potsdam oder Wannsee ebenfalls vom Fluglärm verschont bleiben.

Von der Südbahn soll die Route in Richtung Westen um 15 Grad oder 15 plus X Grad nach Süden abknicken. In Richtung Osten schlägt die Kommission zwei gleichberechtigte Routen vor. Das sind die sogenannte scharfe Kurve und der Geradeausflug, für den aber aus Sicherheitsgründen eine Ausnahmegenehmigung nötig ist.

Das Votum des Gremiums hat hohes Gewicht, es ist für die Behörden aber nicht bindend. Das letzte Wort hat das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, das kurz vor der für Juni 2012 geplanten Öffnung des BBI entscheidet.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßte die Empfehlungen. Die intensive Diskussion, die durch die vielen Bürgerinitiativen angestoßen und von den Landesregierungen in Berlin und Brandenburg unterstützt worden sei, habe sich gelohnt. Wowereit dankte insbesondere den Vertretern in der Kommission, denen es gelungen sei, sich auf gemeinsame Flugroutenempfehlungen zu einigen, durch die die Lärmbelastung der Bürger möglichst gering gehalten werden soll. Die brandenburgische Landesregierung und der Berliner Senat werben nach Darstellung Wowereits gemeinsam dafür, „dass die Deutsche Flugsicherung nun zügig auf der Basis des Votums der Fluglärmkommission entscheidet“.

Auch die Staatssekretärin in der Senatsverkehrsverwaltung, Maria Krautzberger (SPD), reagierte erfreut: „Nach der jetzigen Diskussion können die südwestlichen Berliner Bezirke davon ausgehen, dass sie nicht überflogen werden.“ Auch der Osten könne zufrieden sein. Dort hatten Bewohner im Bezirk Treptow-Köpenick eine starke Lärmbelastung durch Flugzeuge befürchtet. Die entsprechenden Vorschläge der Flugsicherung vom September seien vom Tisch.

Die Vorsitzende der Bürgerinitiative „Keine Flugrouten über Berlin“, Marela Bone-Winkel, reagierte dagegen zurückhaltender. Es sei noch immer möglich, dass der Wannsee überflogen werde, kritisierte sie. Flughafen-Chef Rainer Schwarz begrüßte den Vorschlag. „Ich bin sehr zufrieden. Das ist ein guter Tag“, sagte er. „Der Parallelbetrieb ist auf jeden Fall gewährleistet.“