Cyber-Mobbing

Bundesregierung geht gegen Isharegossip vor

Für Isharegossip wird es eng. Die Cyber-Mobbing-Plattform dürfte in Kürze nicht mehr über deutsche Suchmaschinen auffindbar und auf vielen Computern gesperrt sein. Denn sie soll noch am Donnerstag auf den Index – auf Antrag der Bundesregierung.

Foto: Christian Hahn

Die Zeit für Isharegossip läuft ab. Die umstrittene Internetplattform kommt aller Voraussicht nach bereits am Donnerstag auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ( www.bundespruefstelle.de ). Dann endet eine insgesamt 20-tätige Frist gegen Isharegossip. Der Betreiber hat zwar noch eine letzte Möglichkeit, Argumente gegen die Indizierung vorzubringen. „Ich vermute aber, dass sie sich nicht mehr melden“, sagte die Vorsitzende der Bundesprüfstelle Elke Monnsen-Engberding Morgenpost Online.

Eine entsprechende Mitteilung habe die Behörde an eine Adresse in Schweden per Einschreiben verschickt. Dort steht der Server, auf dem Isharegossip betrieben wird. Der Betreiber selbst, sei nicht auffindbar gewesen, sagte Monnsen-Engberding. Und bisher habe sich niemand gemeldet.

Die Bundesprüfstelle ist auf Antrag des Bundesfamilienministeriums aktiv geworden, bei dem die Plattform schon lange vor den jüngsten Berliner Vorfällen ins Visier geraten ist. Daraufhin hat die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) den Antrag und am 2. März und die Indizierung von Isharegossip veranlasst.

Die KJM ist inhaltlich für die Bewertung fraglicher Internetangebote verantwortlich und beauftragt die Bundesprüfstelle in gegebenen Fällen damit, jugendgefährdende Websites auf den Index zu setzen (Ablauf der Prüfverfahren unter www.kjm-online.de ). Die KJM kann selbst Sperrungen verfügen. Bei Isharegossip sei dies derzeit aber nicht geplant, sagte Verena Weigand, Leiterin der mit dem Fall betrauten KJM-Stabsstelle, Morgenpost Online. „Wir setzen sehr stark auf die Indizierung“, sagte Weigand.

Ischaregossip verschwindet aus Suchmaschinen

Mit der Aufnahme auf den Index ist die Mobbing-Plattform zwar weiter im Internet direkt erreichbar. Das Auffinden der Seite wird aber erheblich erschwert. Deutsche Suchmaschinen werden Isharegossip dann komplett verbannen. Dazu haben sich die bekanntesten Anbieter wie Google, Yahoo oder Microsoft im Rahmen einer Freiwilligen Selbstkontrolle ( fsm.de ) seit Februar 2005 verpflichtet. Zudem wird die Problem-Website auf vielen privaten und Schulcomputern gesperrt sein – dort wo spezielle Filtersoftware zum Jugendschutz installiert ist. Insgesamt würden sich 23 Programme automatisch die schwarze Liste der Bundesprüfstelle ziehen, sagte Monnsen-Engberding.

Die Läster-Seite beschäftigt auch die Strafverfolgungsbehörden. Das für Internetkriminalität zuständige Dezernat der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt bereits seit Ende Januar gegen den Betreiber. Ishargossip ermuntert Internet-Nutzer dazu, anonym Einträge zu veröffentlichen. Die Seite ist voller Beleidigungen und Drohungen - und richtet sich besonders an Schüler. Die Betreiber der Seite werben damit, dass die Schreiber nicht ermittelt werden können. Diese Anonymität hat bereits zu Straftaten geführt. Auch in Berlin wird jetzt ermittelt, sowohl gegen den Betreiber als auch gegen die bislang unbekannten Nutzer, deren Eintragungen Straftatbestände darstellen.

Die Internetplattform hat in besonders diesem Monat in Berlin traurige Berühmtheit erlangt. Zunächst tauchten Amokdrohungen gegen drei Berliner Schulen auf, nach denen eine Schule - das Schadow-Gymnasium in Zehlendorf - sogar geschlossen blieb. Am vergangenen Sonnabend endete ein Fall von Cyber-Mobbing in einer realen Gewaltaktion: Eine Gruppe von 20 Schülern prügelte eine 17-Jährigen in Wedding bewusstlos. Er hatte mit einem Teil von ihnen das Gespräch gesucht, um Internet-Hetze gegen seine Freundin zu beenden.

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