Zehlendorf

Berliner Schule schließt wegen Amoklauf-Drohung

Im Internet hat am Wochenende ein Unbekannter einen Amoklauf in einem Zehlendorfer Gymnasium angekündigt. Am Montag blieb die Schule vorerst geschlossen.

Foto: Amin Akhtar

Wegen einer Amokdrohung auf der Website „isharegossip.com“ hat am Schadow-Gymnasium in Zehlendorf am Montag kein Unterricht stattgefunden. Wie es am Dienstag weitergehen wird, war am Montag noch völlig unklar, da die Tat für den 14. oder 15. März angekündigt worden ist.

Elternsprecherin Sabine Wloch sagte, dass die Schüler große Angst hätten und auch die Eltern sehr verunsichert seien. Am Montagnachmittag hatten die Eltern zunächst beschlossen, die Kinder am heutigen Dienstag wieder zur Schule zu schicken, sich aber weitere Recherchen vorbehalten. Elternsprecherin Wloch sagte, dass sie ihre Kinder wahrscheinlich zur Schule begleiten werde.

Die Drohung hatte sich bereits am Sonntagabend unter Schülern und Eltern herumgesprochen. Die meisten Eltern ließen ihre Kinder daraufhin am Montag zu Hause. Wie Schulleiter Harald Mier berichtete, kamen nur rund 40 der insgesamt über 900 Schüler am Montagmorgen in die Schule. „Die wenigen anwesenden Schüler sind aber von ihren besorgten Eltern schon nach der zweiten Stunde wieder abgeholt worden“, so Mier.

Ein Sprecher der Polizei gab am Montag Entwarnung. Er sagte, dass mehrere Kollegen an der Schule gewesen seien. „Wir haben die Amokdrohung geprüft. Eine Ernsthaftigkeit wurde verneint“, so der Sprecher. Man verstehe aber die Ängste der Eltern. Ein Präventionsbeamter stehe in engem Kontakt mit dem Schulleiter. Außerdem seien Kollegen auch am heutigen Dienstag wieder vor Ort.

Der Sprecher bestätigte, dass eine Schülerin des Schadow-Gymnasiums am Sonntag in einem Internet-Chatroom ( i-sharegossip.com) eine Amokandrohung gegen ihre Schule entdeckt hat. Sie habe ihre Eltern informiert, die den Sachverhalt sofort beim Polizeiabschnitt 43 anzeigten. Im Laufe des Tages hätten sich noch weitere besorgte Eltern auf dem Abschnitt gemeldet, sagte er. Einige Eltern hätten jetzt Anzeige wegen Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung von Straftaten gestellt.

Schulleiter Harald Mier sagte, dass er und sein Kollegium alle Eltern in einem Rundschreiben aufgefordert hätten, zur Normalität zurückzukehren und die Kinder wieder zur Schule zu schicken. „Wir werden die Schüler an der Tür empfangen und das Thema in der ersten Stunde aufgreifen.“ Dabei bekomme die Schule Unterstützung von einem zuständigen Schulpsychologen und einem Präventionsbeauftragten der Polizei.

Besonnenheit angemahnt

Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenator Jürgen Zöllner, räumte ein, dass derartige Drohungen auf dieser Website bedauerlicherweise kein Einzelfall seien. Sie rief jedoch zur Besonnenheit auf: „Wenn die Polizei die Einschätzung getroffen hat, dass von dieser Drohung keine Gefahr ausgeht, sollte zum Alltag zurückgekehrt werden.“ Auch Schulpsychologe Klaus Seifried empfahl Schülern, Lehrern und Eltern, möglichst schnell wieder zur Tagesordnung zu kommen, wenn eine entsprechende Gefahrenabschätzung der Polizei das erlaube. „Je mehr Unruhe entsteht, desto größer ist der Erfolg der Täter.“ Seifried riet allen Betroffenen darüber hinaus, in solchen Fällen sofort Strafanzeige bei der Polizei zu stellen. Die Seite „isharegossip.com“ habe bereits in den vergangenen Monaten für große Aufregung bei Schülern gesorgt und den Frieden vieler Berliner Schulen empfindlich gestört, sagte der Schulpsychologe. „Bisher ging es dabei vor allem um Beschimpfungen und Beleidigungen von Schülern und Lehrern“, so Seifried. Viele Schüler hätten sich deswegen geschämt und zurückgezogen. „Das ist aber die falsche Reaktion. Schüler müssen die Beleidigungen und Bedrohungen öffentlich machen, Mitschülern, Lehrern und Eltern davon erzählen.“ Seifried forderte, dass Schulen verstärkt den Umgang mit neuen Medien, wozu auch das Internet gehört, thematisieren. „Schon Grundschüler sollten lernen, damit umzugehen.“

Eine Schülerin des Schadow-Gymnasiums berichtete, dass in der Drohung auf isharegossip gestanden habe, dass diese definitiv kein Scherz sei. Sein Hass gelte der Schule, habe der Amokdroher geschrieben und hinzugefügt, dass er niemanden umbringen wolle. Die Schüler sollten sich deshalb in Sicherheit bringen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen den unbekannten Betreiber der Internetseite. Auch könne anhand der IP-Adresse des Internetnutzers zurückverfolgt werden, wer welche Eintragungen auf dieser Seite gemacht hat, hieß es.