Führungskräfte-Befragung

"Teilweise große Unkenntnis über Berlin"

Viele internationale Führungskräfte können sich vorstellen, in Berlin zu leben und zu arbeiten - das Marktforschungsunternehmen Infratest hat nachgefragt. Die Studie im Auftrag des Senats zeigt aber auch, dass die Werbekampagne "be Berlin" Defizite hat.

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Internationale Führungskräfte mögen Berlin mehr als noch vor Jahren: Das Marktforschungsunternehmen Infratest hat Hunderte unter anderem danach befragt, ob sie sich vorstellen können, in Berlin zu leben, zu arbeiten oder gar ihr Unternehmen in die Stadt zu verlagern - und wie wahrscheinlich es ist, dass es so kommt. Diese Fragen wurden schon im Jahr 2007 gestellt, und wenn man die Ergebnisse vergleicht, dann kommt heraus, dass die Zuneigung der internationalen Wirtschaft zu Berlin größer geworden ist.

Zwar werde Berlin im Ausland immer noch in erster Linie als Stadt des Mauerfalls und der Wiedervereinigung gesehen, sagte Senatssprecher Richard Meng bei der Präsentation der Studie. Doch sei es in den vergangenen vier Jahren gelungen, auch die wirtschaftlichen Stärken Berlins in Verbindung mit Wissenschaft und Kultur stärker ins Blickfeld von „Top-Entscheidern“ der Wirtschaft in aller Welt zu rücken.

Online befragt wurden insgesamt 1510 Führungskräfte aus 21 Städten in zwölf Ländern (Großbritannien, Frankreich, Türkei, Spanien, Dänemark, Japan, China, Indien, Brasilien, USA, Australien und Russland). Die meisten Befragten sind in der Wirtschaft tätig, einige wenige auch in den Bereichen Wissenschaft und Kultur. Befragt wurden sie im November und Dezember 2010.

Insgesamt ist die Sicht auf Berlin positiv – wobei sich das mehr mit der Stadt als historischer Ort verbindet und weniger mit Berlin als Firmenstandort: Die Umfrage zeigt, heißt es im Ergebnis, „dass Berlin in der internationalen Wahrnehmung und Beliebtheit als Unternehmensstandort noch hinter den Top-Wirtschaftsmetropolen rangiert“. Auf die Frage, was sie mit Berlin verbinden, antworteten die meisten mit „Fall der Mauer“ und „Wiedervereinigung“ – erst danach kommt „innovative Firmen“. Bei den als positiv empfundenen Standort-Aspekten steht die Verkehrs-Infrastruktur ganz vorn.

Vor allem Führungskräfte aus Schwellenländern – China, Brasilien, Indien - und auch Russland können sich vorstellen, im Berlin zu leben, zu arbeiten und ein Unternehmen zu gründen oder nach Berlin zu verlagern. Der Anteil derer, die sich vorstellen können oder es für wahrscheinlich halten, dass sie künftig in Berlin arbeiten und leben werden, ist gegenüber der Befragung von 2007 gestiegen.

Allerdings gibt es da noch ein Informationsproblem. Im Fazit der Studie heißt es, „dass in allen Märkten noch Informationsbedarf besteht und teilweise noch große Unkenntnis über Berlin vorherrscht“. Kritisch wird in Japan, Dänemark und Australien der Punkt "Sicherheit gesehen ("punktueller Handlungsbedarf"), das Marketing für Berlin als Wirtschaftsstandort soll verstärkt werden. Und die offizielle Berlin-Website braucht womöglich eine Überarbeitung: Die meisten Befragten gaben an, dass sie sich via Internet über Berlin informieren - die biher online verfügbaren Berlin-Informationen aber scheinen laut der Infratest-Studie nicht ausreichend zu sein.

Berlin werde in diesem Jahr seine Imagekampagnen noch weiterentwickeln, sagte Meng. In Tokio, Moskau und Warschau seien sogenannte Berlin-Days geplant. „Berlin muss als Stadt mit offenen Armen auftreten“, so der Sprecher. Berlin lebe von seinem Image als Stadt der Wiedervereinigung, als offene und tolerante Stadt. Da seien Debatten wie die von den Kreuzberger Grünen angestoßene „Hilfe, die Touristen“ kommen nicht hilfreich.