Trotz Protesten

Die Kastanienallee wird umgebaut

Die Kastanienallee wird saniert und umgestaltet. Eine Bürgerbefragung zu den umstrittenen geplanten Maßnahmen wird es nicht geben. Das hat die Bezirksverordnetenversammlung beschlossen.

Es wird keine Bürgerbefragung zum umstrittenen Umbau der Kastanienallee geben. Die Bezirksverordneten-Versammlung Pankow hat am Mittwoch zwei Anträge der Initiativen "Stoppt K21!" und "Nur zu! Pankow!" abgelehnt, die diese Befragung fordern. Sie wird auch vom Verein "Mehr Demokratie" befürwortet. Ein Antrag der Grünen-Fraktion, der eine öffentliche Anhörung zum Bauvorhaben vorschlägt, fand ebenfalls keine Mehrheit.

Anwohner, Gewerbetreibende und Bezirksamt streiten seit Monaten um Veränderungen auf der Kastanieallee. Das Amt will den Gehweg erneuern, die Parkplätze am Straßenrand beseitigen und dafür rechts und links am Fahrbahnrand einen Fahrradweg anlegen. Die Arbeiten sollen im Frühjahr beginnen.

Gastwirte und Händler fürchten, dass Kunden wegbleiben, wenn sich die Zahl der Parkplätze vermindert. Andere Anwohner wollen nicht, dass sich das Flair der Kastanienallee verändert. Sie fürchten, die Kastanienallee würde zu einer Flaniermeile, die aussieht wie viele andere. In Anlehnung an die Auseinandersetzung um den Bahnhof in Stuttgart, nennt sich die Widerstandsgruppe „K21". Es gibt auch eine dazugehörige Facebook-Gruppe .

Zu den Aktivisten gehört auch der Alt-DJ und Erfinder der Love Parade Dr. Motte, der sein Büro an der Kastanienallee hat. Aus seiner Sicht sind die Umbauenscheidungen über die Köpfe der Bürger hinweg gefallen. Die geplante Fahrradsspur ist den Gegnern ebenfalls ein Dorn im Auge, sie glauben, der Bezirk gebe sich der Fahrradlobby hin.

Bezirksstadtrat Jens-Holfer Kirchner, gegen den sich die Wut richtet, sieht das anderes: „Die Bürger hatten im Laufe des Verfahrens sehr wohl die Möglichkeit, sich und ihre Interessen einzubringen“, sagte der Grünen-Politiker vor wenigen Wochen. Wer allerdings Einfluss nehmen wolle, der müsse sich auch mit den Verfahren auskennen. „Demokratie und Mitbestimmung machen eben Arbeit“, sagte Kirchner. Aus seiner Sicht sind die Sanierung der Straße und der Umbau dringend notwendig. Die Sorgen den Anwohner, die Straße werde ihr Gesicht verlieren, kann er nicht nachollziehen: „Der Hype auf der Kastanienallee ist vorbei, und die Straße ist mittlerweile Kommerz“, sagte Kirchner.