Katholische Kirche

Papst nimmt Rücktritt von Kardinal Sterzinsky an

Bereits vor Wochen hatte der schwerkranke Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky den Papst um Entbindung von seinen Aufgaben gebeten. Nun hat Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch mit sofortiger Wirkung angenommen.

Foto: Christian Hahn

Papst Benedikt XVI. hat das Rücktrittsgesuch des Berliner Erzbischofs, Georg Kardinal Sterzinsky (75), mit sofortiger Wirkung angenommen. Die Entscheidung wurde am Donnerstag zeitgleich im Vatikan und in Berlin bekannt gegeben. Sterzinsky befindet sich derzeit nach zwei Magenoperationen im künstlichen Koma in einer Berliner Klinik, sein Gesundheitszustand ist nach Angaben aus Kirchenkreisen sehr ernst. Er stand seit 1989 an der Spitze des Erzbistums Berlin. Sterzinsky hatte vor wenigen Wochen sein Rücktrittsersuchen in Rom eingereicht - pflichtgemäß wie alle Bischöfe vor ihrem 75. Geburtstag. Bereits da war seine Gesundheit schwer angeschlagen. Eine öffentliche Feier seines 75. Geburtstag Anfang Februar wurde wegen seines schlechten Gesundheitszustands abgesagt.

Gemäß den rechtlichen Vorgaben übernimmt Weihbischof Matthias Heinrich die Amtsgeschäfte. Er muss innerhalb von acht Tagen das Domkapitel einberufen, das dann einen Diözesanadministrator wählt. Dieser leitet das Erzbistum kommissarisch, bis ein neuer Bischof ernannt wird. Er darf keine Entscheidungen treffen, die den neuen Erzbischof binden. Das Erzbistum Berlin umfasst das Land Berlin, den größten Teil Brandenburgs sowie Vorpommern. In seinen rund 100 Kirchengemeinden leben etwa 393.000 Katholiken, davon rund 316.000 in Berlin. 226 Welt- und Ordenspriester sowie ständige Diakone sind in den Gemeinden sowie sozialen Einrichtungen tätig.

Der neue Erzbischof wird nach den Vorgaben des Preußenkonkordats unter Beteiligung der Ortskirche vom Papst ernannt. Beobachter gehen davon aus, dass Benedikt XVI. die Nachfolge innerhalb weniger Monate regeln will. Der Papst wird am 22. September zu seinem ersten offiziellen Deutschlandbesuch in Berlin erwartet.

Das Domkapitel an der St. Hedwigs-Kathedrale und sein Vorsitzender, der Dompropst, müssen eine Kandidatenliste für die Wahl des neuen Diözesanbischofs aufstellen. Die Bischöfe in den Bistümern, für die das Preußenkonkordat ebenfalls gilt – dazu zählt auch das einflussreiche Erzbistum Köln -, können weitere Listen einreichen. Die Listen werden über den Apostolischen Nuntius, den Botschafter des Papstes, an den Vatikan weitergeleitet. Die zuständige Bischofskongregation schickt dann eine Liste mit drei Namen an die jeweilige Diözese zurück, wobei sie an die Vorschläge der Ortskirche nicht gebunden ist. Nach Eintreffen dieser Liste ruft der Dompropst das Domkapitel zur Wahl zusammen. Das Wahlergebnis teilt er den Landesregierungen mit, die bestätigen müssen, dass gegen den gewählten Kandidaten keine „Bedenken politischer Art“ bestehen.

Sobald im Fall des Erzbistums Berlin die Stellungnahmen der Landesregierungen von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern vorliegen – das Land Brandenburg hat ausdrücklich auf dieses Recht verzichtet -, übermittelt das Domkapitel den Ernennungsvorschlag dem Papst. Ihm ist die Ernennung des neuen Bischofs vorbehalten. Die Bekanntgabe der Entscheidung erfolgt gleichzeitig in Rom und im jeweiligen Bistum.

Sterzinsky wurde 1936 im ostpreußischen Ermland geboren. Nach der Flucht der Familie wuchs er nach dem Zweiten Weltkrieg in Thüringen auf und wurde 1960 in Erfurt zum Priester geweiht. Nach Stationen als Pfarrer in Jena und Generalvikar in Erfurt wurde er 1989 Bischof von Berlin und 1991 Kardinal. Seit das Bistum Berlin 1994 zum Erzbistum erhoben wurde, trug er den Titel Erzbischof.

In der Deutschen Bischofskonferenz leitete Sterzinsky die Kommission für Ehe und Familie sowie die Unterkommission „Frauen in Kirche und Gesellschaft“. Zudem war er stellvertretender Vorsitzender der Migrationskommission.