Klebeaktion

Luxemburg-Platz wurde Ronald-Reagan-Straße

Einige Debatten gab es zuletzt darum, ob Berlin den verstorbenen US-Präsidenten Ronald Reagan stärker ehren sollte. Nun nahmen die Befürworter die Sache am Rosa-Luxemburg-Platz offenbar selbst in die Hand.

Foto: Massimo Rodari

Während Berliner Politiker noch darüber diskutieren, ob sie einen Platz in der Stadt nach dem früheren US-Präsidenten Ronald Reagan benennen sollen, sind Anhänger dieser Idee aktiv geworden: Der oder die Täter überklebten in der Nacht zu Sonnabend gleich mehrere Straßenschilder mit der Aufschrift „Ronald-Reagan-Straße“ – ausgerechnet am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte. Und unmittelbar vor der Parteizentrale der Linkspartei. So verwandelte sich der Platz vor der Volksbühne in den „Ronald-Reagan-Platz“. Derzeit ist noch nicht bekannt, wer für die Aktion verantwortlich ist.

Seit Wochen streiten der Senat und die Berliner CDU über eine zusätzliche Ehrung des 40. US-Präsidenten. Reagan hatte bei seinem Berlin-Besuch 1987 mit seiner Rede am Brandenburger Tor für Aufsehen gesorgt. „Mister Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor!“, rief er vor Zehntausenden Menschen. Seit dem Fall der Mauer gilt Reagan deshalb als einer der Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung. Deshalb erhielt er 1993 die höchste Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat: die Ehrenbürgerwürde. Da aber davon im Alltag kaum etwas zu sehen ist, forderte Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) schon im Dezember vergangenen Jahres, eine stärkere öffentliche Würdigung des früheren US-Präsidenten. Guttenberg schlug eine offizielle Reagan-Plakette auf dem Pariser Platz vor. Die Berliner CDU favorisierte hingegen die Umbenennung eines Platzes oder eine Straße – und kritisierte den Senat für dessen zögerliche Haltung.

In diesem Zusammenhang bemängelten Reagan-Anhänger auch die offizielle Berliner Ehrung zu dessen 100. Geburtstag am vergangenen Montag. Die CDU hatte sich eine offizielle Gedenkfeier gewünscht. Stattdessen gab es nur zwei Kränze, die der Berliner Parlamentspräsident und SPD-Politiker Walter Momper gemeinsam mit US-Botschafter Philip D. Murphy in der Ahnengalerie des Abgeordnetenhauses ablegten. Reagan war 2004 im Alter von 93 Jahren gestorben.

Doch mittlerweile kommt Bewegung in die Ehrungs-Debatte: Nachdem der Senat die zwölf Bezirke in einem Schreiben um entsprechende Vorschläge gebeten hatte, ist die weitere Ehrung Reagans jetzt in Sicht. Der Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Klaus-Dieter Gröhler (CDU), hatte vorgeschlagen, den Joachimstaler Platz gegenüber vom Café Kranzler entsprechend umzubenennen. Am Donnerstag entscheidet nun die Bezirksverordnetenversammlung über diesen Antrag. Allerdings hat die Union nicht die notwendige Mehrheit in der BVV. Und es gibt ein weiteres Hindernis: Vor sechs Jahren trat in Charlottenburg-Wilmersdorf der Beschluss in Kraft, wonach nur noch nach Frauen umbenannt werden darf, weil zu wenige Straßen und Plätze im Bezirk weibliche Namen tragen.