Bilanz

Liebig 14 - Polizei nimmt 82 Randalierer fest

Die Berliner Polizei hat nach der Räumung des besetzten Hauses Liebigstraße 14 eine erste Bilanz gezogen. Indes zieht eine Menschengruppe durch Friedrichshain, um beim "after demolition walk" die Schäden der Nacht zu begutachten.

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Bei den Krawallen nach der Räumung des besetzten Hauses in der Liebigstraße 14 in Berlin-Friedrichshain sind 61 Polizisten verletzt worden. 82 mutmaßliche Störer wurden festgenommen.

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Bei der Räumung des besetzten Hauses in der Liebigstraße 14 in Berlin-Friedrichshain und den anschließenden Krawallen sind 61 Polizisten leicht verletzt worden, überwiegend durch Wurfgeschosse und sogenannten Widerstandshandlungen. 82 mutmaßliche Störer wurden am Mittwoch und in der Nacht zu Donnerstag festgenommen. Diese Bilanz zog Berlines Polizeipräsident Dieter Glietsch am Donnerstag. Unter den Festgenommenen befinden sich nach seinen Angaben 65 Männer und 17 Frauen. 68 der Tatverdächtigen sind deutscher Herkunft. 54 leben in Berlin, 15 Personen stammen aus dem übrigen Bundesgebiet.

22 Festgenommene sollen einem Haftrichter vorgeführt werden. Ihnen wird unter anderem schwerer Landfriedensbruch, Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen. 35 der insgesamt 82 Tatverdächtigen sind der Polizei bereits vor diesen Ausschreitungen bekannt gewesen, darunter sind 16 Personen aus dem Bereich der politisch motivierten Kriminalität.

Glietsch sprach von einer auffällig hohen Quantität der Zerstörung und einem „politisch motivierten Vandalimus“ besonders am Mittwochabend und in der Nacht zu Donnerstag. Glietsch sagte: „Die Gruppen von 20 bis 200 Personen zogen in blinder Zerstörungswut und unberechenbar durch Friedrichshain.“ Die Einsatzstärke der Polizei von 2500 Mann nannte der Polizeichef „verhältnismäßig“. Es sei ein großer Erfolg der Beamten, dass die Gewalt von Friedrichshain nicht auf andere Stadtteile übergegriffen habe. Glietsch sagte, die Sachschäden lägen auf jeden Fall über denen vom 1. Mai 2010. Eine Geamtsumme von einer Million Euro sei zwar Spekulation, er könne diese Höhe aber nicht ausschließen.

Die Ausschreitungen hatten sich bis in die Morgenstunden hingezogen. Gruppen von Autonomen waren randalierend durch Friedrichshain, Kreuzberg und Mitte gezogen. Sie schlugen Schaufensterscheiben ein, zerstörten Bushaltestellen und Reklametafeln. Auch Straßen wurden zeitweise blockiert. Augenzeugen berichten aber auch von Schäden an der Steglitzer Schloßstraße, die in Zusammenhang mit den Protesten gegen die Räumung der Liebigstraße 14 gebracht werden.

So wurden an der O2 World sowie an einem Kaufhaus am Ostbahnhof Scheiben eingeworfen. Außerdem an einer Sparkassen-Filiale an der Ecke Warschauer/Revaler Straße und am Hotel "Klassik". Die Chaoten hatten Steine aus dem Gleisbett der Straßenbahn als Wurfgeschosse verwendet.

Es wurden zudem Schaufensterscheiben an der Karl-Marx-Allee eingeschlagen, Bushaltestellen und Reklametafeln zerstört, Bauwagen umgekippt und Sperrmüll angezündet. Straßen wurden mit Gittern und Betonplatten blockiert. Beobachter sprachen von einer Spur der Verwüstung. Glietsch sagte, die Sachschäden lägen auf jeden Fall über denen vom 1. Mai vergangenen Jahres.

Nach Informationen von Morgenpos Online wurde eine Berlinerin, die mit ihrem Auto an einer Ampel stand, mit Steinen beworfen. Sie blieb unverletzt.

Am Mittwochvormittag war mit einem massiven Polizeiaufgebot eines der letzten besetzten Häuser in Berlin geräumt worden. Der Altbau im Osten Berlins war 1990 besetzt worden. Die Bewohner erhielten später Mietverträge, ihnen wurde aber gekündigt, als zwei Privatleute das Haus Ende der 90er Jahre kauften.

Glietsch nannte die Räumung und das Vorgehen gegen die angekündigte Gewalt eine „außerordentlich komplexe und schwierige Aufgabe“, die nur mit sehr vielen Polizisten bewältigt werden konnte. „Es ging um Maßnahmen gegen Gewalt im ganzen Stadtgebiet über 24 Stunden.“ Die Berliner Polizei habe gemeinsam mit 13 Einheiten aus anderen Bundesländern und der Bundespolizei „hervorragende Arbeit“ geleistet. Die Verletzungen der Polizisten durch Flaschen, Steine oder Widerstand bei Festnahmen seien alle nicht schwer. Der Einsatzleiter vom Mittwoch, Detlef Brenner, sagte, die Polizei sei auf die massiven Barrikaden vorbereitet gewesen. Die Besetzer hätten drei Wochen Zeit gehabt. „Und seit dem Wochenende wurde intensiv gehämmert und gebohrt und man konnte die Lichtbogen vom Schweißen sehen.“

Das Haus wird jetzt nach Angaben von Gleitsch von einem privaten Wachleuten geschützt, aber auch die Polizei sei dort präsent.

Am Donnerstagnachmittag mochte die Hausbesetzer-Szene kein Trübsal blasen. Vielmehr sah man sich durch "Soli-Aktionen" von Linksextremen in Hamburg, Kiel, Göttingen und Dortmund, in deren Verlauf es wie in Berlin zu heftigen Ausschreitungen kam, bestärkt. In der Hauptstadt bejubelte die linksextreme Klientel am Mittwochmittag bereits die Freilassung des letzten der neun Hausbesetzer, die bei der Räumung vorübergehend festgenommen worden waren. Kurz darauf wurde im Internet zu einem "Spaziergang" durch Friedrichshain zur Begutachtung der Demo-Schäden aufgerufen. Man wolle die Folgen besichtigen, die eine "repressive Politik" des rot-roten Senats so mit sich bringe und verabredete sich für 15.30 Uhr an der Warschauer Ecke Revaler Straße. Ein Dutzend "Aktivisten" fand sich schließlich ein, etwa 40 Menschen marschierten später über die Stralauer-, Andreas- und Koppenstraße bis zur Weberwiese. Dort fand eine Abschlusskundgebung statt. Die Aktion sei überwiegend friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher.