Unglücksmaschine

Der Rosinenbomber soll wieder abheben

Seit seiner Bruchlandung im Sommer letzten Jahres steht die Unglücksmaschine in einem Hangar in Schönefeld. Nun soll das Flugzeugwrack restauriert werden. Doch noch fehlt es an Geld.

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Rosinenbomber wird repariert

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Hoffnung für den Rosinenbomber. Sieben Monate nach der Bruchlandung von Berlins bekanntestem Oldtimer-Flugzeug steht jetzt fest: Die stark ramponierte Maschine vom Typ Douglas DC3 aus dem Jahr 1944 kann repariert und wieder flugfähig gemacht werden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der auf Wartung und Instandsetzung von Flugzeugen spezialisierten Firma Nayak Aircraft Service aus Köln.

Frank Hellberg hofft, dass das legendäre Flugzeug bis zur Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BBI in Schönefeld wieder flott gemacht werden kann und pünktlich zum BBI-Start am 3. Juni nächsten Jahres abhebt. Hellberg ist Vorsitzender des extra gegründeten Fördervereins Rosinenbomber und Geschäftsführer des Unternehmens Air Service Berlin, das den Rosinenbomber seit 2001 bis zum Unglück im vergangenen Jahr über Berlin fliegen ließ. Die Bruchlandung hatte sich am frühen Nachmittag des 19. Juni 2010 ereignet. Der plötzliche Ausfall des linken und der Leistungsabfall des rechten Triebwerks hatten die Piloten der legendären DC 3 beim Start zu einem Rundflug über Berlin zur Notlandung gezwungen.

Trauriger Anblick im Hangar

Das zweimotorige Flugzeug mit 28 Menschen an Bord wurde bei dem Aufprall kurz vor der Start- und Landebahn nahe der brandenburgischen Ortschaft Selchow schwer beschädigt. Sieben Menschen, darunter alle drei Crew-Mitglieder, erlitten Verletzungen. Der erste Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig hat einen Kurbelwellenbruch als Ursache für den Triebwerksausfall ausgemacht, sagte Frank Hellberg am Donnerstag. Ob es tatsächlich klappt, dass der Oldtimer bereits im nächsten Jahr wieder startbereit sein wird, ist fraglich. Seit der Bruchlandung steht die Unglücksmaschine in einem Hangar auf dem Flughafen Schönefeld. Am Donnerstag wurde sie erstmals der Presse gezeigt. Der Anblick, der sich den Journalisten und Fotografen bot, war äußerst traurig. Eine eingedellte Nase, verrußte Triebwerkgondeln, die wie ausgehöhlte Augen wirken. Risse, Beulen, abgerissene Tragflächen sowie abgeknickte Fahrwerke. Doch Hellberg und sein Verein wie auch die Fachleute sind zuversichtlich.

Die Nayak-Experten jedenfalls haben die Maschine in den vergangenen Wochen und im Auftrag des Fördervereins „Rosinenbomber“ erst einmal minutiös vermessen und auf Schäden untersucht. „Das Flugzeug ist nicht verzogen, hat aber auf der rechten Seite einen deutlichen Knick am Tragwerk“, sagte Falko Spöringer von Nayak am Donnerstag. „Auch die Tragflügel und das Höhenruder müssen komplett ausgetauscht werden. Das aber sind alles Schäden, die sich richten lassen.“ Probleme seien nicht zu erwarten – zumindest rein technisch gesehen. Schwieriger werden die Beschaffung der Ersatzteile und deren Zulassung durch das Luftfahrtbundesamt. Denn anders als für einen intakter Oldtimer legt die Behörde bei Reparaturen und dem Austausch von Teilen aktuelle und damit strengere Sicherheits- und Lärmkriterien als zur Zeit der Herstellung des Flugzeugs bei der Zulassung zugrunde.

Flughäfen unterstützen Aufbau

Hinzu kommt, dass zunächst einmal Geld aufgetrieben werden muss, um den Rosinenbomber wieder flott zu machen. Mindestens 800000 Euro seien notwendig, damit die Maschine wieder abheben und ihre Runden über die Hauptstadt ziehen kann. Geld, das der nach dem Unfall gegründete Förderverein noch nicht hat.

Bis jetzt reichen die Spenden nach Auskunft von Frank Hellberg erst einmal nur für den Kauf des Wracks durch den Verein und die Expertise der Firma Nayak. Genaue Summen wollte Hellberg nicht nennen. Nur so viel: Der derzeitige Wert des Flugzeugs sei vergleichbar mit dem eines „gebrauchten besseren Mittelklassewagens“. Auf Geld von der Versicherung können die Luftfahrt-Enthusiasten nicht hoffen. Denn die Maschine war nicht kaskoversichert. Doch die Rosinenbomber-Fans sind zuversichtlich, alle Hürden nehmen zu können.

Schließlich konnten sie die Berliner Flughäfen als Förderer gewinnen. Diese gehen davon aus, dass bereits im April mit den Reparaturen begonnen werden kann. Dazu müsste das Flugzeug auseinandergenommen werden und seine Teile per Lkw zur Firma Nayak nach Köln transportiert werden. „Der Rosinenbomber ist ein Stück Berliner Luftfahrtgeschichte“, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel. „Es war von Anfang an klar, dass wir unseren Beitrag zum Wiederaufbau der DC3 leisten.“ Dazu soll auch Geld zählen. Am Donnerstag aber wollte der Flughafen noch keine Summen nennen.

Weitere Unterstützer können Geld an den Förderverein Rosinenbomber e.V. spenden (Deutsche Bank, Kontonummer: 197194400, Bankleitzahl: 10070024).

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