Rosinenbomber

Flug-Unfall in höchste Kategorie eingestuft

Die Bundesstelle für Fluguntersuchung hat die Notlandung eines Rosinenbombers in Schönefeld in ihre höchste Kategorie "Unfall" eingestuft. Damit wird sie gravierender beurteilt, als etwa die beinahe missglückte Landung eines Lufthansa-Airbus im März 2008.

Obwohl die Notlandung eines historischen Rosinenbombers in Schönefeld für alle Beteiligten relativ glimpflich ausging, hat die Bundesstelle für Fluguntersuchung (BFU) das Ereignis in ihre höchste Kategorie „Unfall“ eingestuft. Damit wird die Bruchlandung der DC-3 mit der Kennung D-CXXX am Sonnabend von der Bundesbehörde als gravierender beurteilt, als etwa die beinahe missglückte Landung eines Lufthansa-Airbus am 1. März 2008 in Hamburg, als wegen einer Windböe eine Tragfläche des heftig schwankenden Flugzeugs die Landebahn berührte. Erst nach spektakulärem Durchstarten konnten damals die beiden Piloten die mit 131 Passagieren besetzte Maschine doch noch sicher landen. Dieser Vorfall wurde von der BFU anschließend in der niedrigeren Kategorie „schwere Störung“ eingestuft.

„Bei der Notlandung in Schönefeld ist das Flugzeug schwer beschädigt und es sind Insassen verletzt worden. Das sind für uns klare Kriterien für einen Unfall“, sagte der Leiter der Untersuchung, Jens Friedemann, Morgenpost Online. Unmittelbar nach dem Zwischenfall hatte die Berliner Flughafengesellschaft noch von einer „kontrollierten Notlandung“ gesprochen. Am Sonnabend musste die zweimotorige Propellermaschine der Air Service Berlin (ASB) nur zwei Minuten nach dem Start um 14.45 Uhr umkehren und auf einer Wiese nur etwa 250 Meter von einigen Wohnhäusern der Ortschaft Selchow (Dahme-Spreewald) entfernt vorzeitig landen Dabei waren sieben der insgesamt 28 Insassen verletzt worden, darunter auch die drei Besatzungsmitglieder.

Inzwischen gibt es Hinweise, dass die DC-3 schon vorher möglicherweise Probleme hatte. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Holger Krestel etwa war Passagier eines Berlin-Rundflugs am Vorabend des Unfalls. Bei der Rückkehr nach Schönefeld kurz vor Mitternacht hätten die Piloten den ersten Landeanflug plötzlich abgebrochen und seien durchgestartet. Beim zweiten Versuch sei die Maschine sicher gelandet. „Gewundert haben wir uns schon über das Durchstarten. Eine Erklärung dafür gab es nicht“, sagt Krestel.

Nach Medienberichten soll auch ein Flug am Karfreitag 2010 vorzeitig abgebrochen worden sein. „Diesen Vorfall kann ich nicht bestätigen“, sagte dazu Holger Trocha von Air Service Berlin. Im Luftverkehr gebe es vielerlei Gründe, die zu einer solchen Entscheidung führen könnten. Technische Probleme habe es mit dem „Rosinenbomber“ vor der Notlandung nicht gegeben, so Trocha.

Laut ASB-Sprecher Trocha konnte inzwischen auch der Co-Pilot, der bei der harten Landung einen Nasenbeinbruch erlitt, als letzter Verletzter aus dem Krankenhaus entlassen werden. Nicht so gut hat allerdings der „Rosinenbomber“ selbst die Bruchlandung überstanden. Bei der 150 Meter langen Rutschpartie verlor die Maschine nicht nur ihr rechte Tragfläche, auch der Rumpf wurde aufgeschlitzt und das Leitwerk ist defekt. Es sei unklar, ob eine Reparatur möglich ist, heißt es bei Air Service Berlin. Doch das kleine, 22 Mitarbeiter zählende Unternehmen will dennoch alles dafür zu tun, um die mit 750.000 Euro versicherte DC-3 wieder flott zu bekommen. „Sie war tatsächlich an der Luftbrücke beteiligt, sie ist eine Ikone der Stadt“, sagt Firmen-Chef Frank Hellberg. Inzwischen seien Hunderte Sympathiebekundungen eingegangen, so ASB-Sprecher Trocha. Auch erste Anfragen nach einem Spenden-Konto gebe es schon. Alle wollen, dass die 1944 gebaute und 2000 aufwendige restaurierte Propeller-Maschine wieder repariert wird. Im Prinzip müssten Ersatzteile für das historische Flugzeug erhältlich sein, so Trocha. Schließlich sei es „das meistgebaute Verkehrsflugzeug der Welt“.

Der Senat sieht keinen Anlass, Flüge mit historischen Maschinen über Berlin zu verbieten. „Dafür gibt es keine Notwendigkeit“, sagte Mathias Gille, Sprecher der Stadtentwicklungsverwaltung, der „Berliner Zeitung“. Entscheidend sei, ob ein Flugzeug den Bestimmungen nach als tauglich gilt. Forderungen der Grünen, den Berliner Luftraum für Oldtimer-Flugzeuge zu sperren, seien ein „Sturm im Wasserglas“.