Rosinenbomber-Bruchlandung

"Dann schrie die Besatzung: Raus, raus!"

Schockierendes Ende eines Rundflugs mit einem "Rosinenbomber" am Flughafen Schönefeld. Kurz nach dem Start rummste und schepperte es - dann schlug die Maschine kurz hinter der Startbahn auf. Morgenpost Online sprach mit einem Augenzeugen, der mit an Bord war.

Auf diesen Tag hatte sich Steffen Kaufmann wirklich sehr gefreut. Von seiner engsten Büro-Mitarbeitern hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Stuttgart zu seinem 40. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk bekommen: Einen Rundflug mit einer Douglas DC-3, einem 76 Jahre alten Oldtimer-Flugzeug aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, hoch über Berlin. Doch die knapp einstündige Zeitreise in einem der letzten noch flugtauglichen „Rosinenbomber“ in Deutschland war am Samstag Nachmittag schon zu Ende, bevor sie überhaupt richtig losging. Bereits kurz nach dem Start in Schönefeld gegen 14.45 Uhr musste die mit 25 Passagieren und drei Besatzungsmitgliedern besetzte Maschine notlanden.

"Das Flugzeug konnte nach dem Start nur langsam an Höhe gewinnen. Wir waren vielleicht 15 Meter über dem Boden, da fing das linke Propeller-Triebwerk zu stottern an“, berichtete der 40-Jährige Morgenpost Online. Kurz darauf seien kleine Rauchwölkchen aus dem Motor aufgestiegen. „Ich konnte das genau sehen, denn ich saß fast auf gleicher Höhe daneben“, so Hoffmann. Dann sei das Triebwerk ausgefallen, ein lautes Warnsignal schockte die Passagiere.

Der Pilot habe noch mit einer scharfen Linkskurve versucht, zurück auf die Landebahn zu kommen. Dieser Versuch sei aber misslungen. Die Maschine konnte aber auf einer asphaltierten Straße aufsetzen, die zur Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International führt. „Es gab ein Rumsen wie bei einem Autounfall“, berichtet Hoffmann, der die Bruchlandung selbst nach eigenen Angaben glimpflich überstand.

"Es gab einen lauten Krach"

„Kurz nach dem Start hat es einen lauten Krach gegeben, so, als wenn irgendwas wegbricht“, sagt Anita Meier. Die 77-Jährige aus Baden-Baden und ihr Mann (80) hatten den Rundflug von ihrer Tochter geschenkt bekommen. „Dann hat die Maschine nicht mehr an Höhe gewonnen, weil offenbar der Motor ausgefallen war.“ Es habe nach Rauch gerochen. „Wir haben eine Art Bauchlandung gemacht, dann riefen die Besatzungsmitglieder ‚Raus! Raus!’, und wir flüchteten aus dem Flugzeug auf die Wiese.“

„Der Rosinenbomber flog ungewöhnlich flach und in Schlangenlinien über das Flughafengelände“, berichtet Augenzeuge Stefan Schurwanz, der am Nachmittag mit seiner Mutter und seinen beiden sechs und zehn Jahre alten Kindern eine Busrundfahrt über das Gelände des im Bau befindlichen Großflughafens Berlin Brandenburg International unternahm.

Die Besichtigungstour endete für die Insassen mit einem Schrecken, denn zunächst sah es so aus, als würde der „Rosinenbomber“ genau an der Stelle zu Boden gehen, wo der Bus gerade hielt. Schurwanz: „Wir hatten gerade kurz vor dem Westausgang gehalten, als das Flugzeug direkt auf uns zu kam.“ Dann sei die Maschine einen flachen Bogen geflogen. Da habe er sehen können, dass das Triebwerk beschädigt war. Etwa 150 Meter vom Bus entfernt sei das Flugzeug dann hinter einem Sandhügel auf einer Grünfläche aufgeprallt. „Letztlich war es nur eine Schrecksekunde“, sagt der 44 Jahre alte Familienvater, erleichtert darüber, dass es keinen Zusammenstoß gegeben hat.

Flammen stiegen empor

Nach der Notlandung seien sofort Flammen aus dem Flugzeug emporgestiegen. „Ich selbst konnte nicht sehen, wie sich die Passagiere aus der Maschine befreit haben, aber kurz nach dem Aufprall hatte sich eine größere Menschenmenge etwa 30 Meter vom Unglücksort in Sicherheit gebracht“, berichtet Schurwanz weiter. Als der Bus zurück Richtung Haupteingang fuhr, seien schon die ersten Krankenwagen entgegengekommen.

Flughafen Schönefeld, 15.45 Uhr – eine Stunde nach dem Unglück: Von dem Rosinenbomber, wie man ihn aus Fernsehberichten und von Fotos her kennt, ist nicht mehr viel übrig. Die rechte Tragfläche ist stark beschädigt. Einzelne Flugzeugteile liegen um die Maschine verteilt auf dem Boden herum. Die Tür, durch die sich die Passagiere und Besatzungsmitglieder in Freiheit retten konnten, steht noch offen. Der Rosinenbomber liegt kaputt und ausgebrannt mitten auf der weitläufigen Wiese am Rande des Flughafens.

In der Ferne starten und landen die großen Passagierflugzeuge, als wäre nichts gewesen. Doch um den Rosinenbomber herum hat sich ein professionelles Team von knapp hundert Menschen an die Arbeit gemacht, Ordnung ins Chaos zu bringen. Feuerwehrleute, Polizeibeamte und Flughafenmitarbeiter sind da, untersuchen die Maschine und besprechen die weitere Vorgehensweise, damit die Ursache des Unglücks so schnell wie möglich aufgeklärt wird. Sie alle werden noch bis spät in den Abend da bleiben. Reisende und Schaulustige haben keinen Zutritt, der Unfallort ist weiträumig abgesperrt.

Unklare Ursache

Um 14.49 Uhr war der Notruf bei der Feuerwehrleitstelle Lausitz eingegangen. Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehren aus dem Landkreis Dahme-Spreewald fahren nach Schönefeld, um der Flughafenfeuerwehr zu helfen.

Auch Stunden nach der Bruchlandung ist völlig unklar, was zum Unglück führte. „Wir können uns das derzeit nicht erklären: Ich kann nur sagen, dass sich die DC-3 in einem optimalen Zustand befand“, sagt der Sprecher von Air Service Berlin, Holger Trocha, Morgenpost Online. Die zweimotorige Unglücksmaschine ist nach Unternehmensangaben der einzige noch flugtaugliche „Rosinenbomber“ in Deutschland.

Der letzte seiner Art

Gebaut vom US-Flugzeughersteller Douglas im Jahr 1944, sei sie um 2000 in England „in vielen Monaten fachgerecht instand gesetzt und originalgetreu restauriert worden“, heißt es auf der Internetseite von Air Service Berlin. Die Maschine habe seither zahllose Flüge über Berlin, aber auch längere Reisen nach Dresden oder Wolfsburg absolviert, ohne dass es technische Probleme gegeben habe, sagt Trocha. Der Unternehmenssprecher verweist darauf, dass Oldtimer-Maschinen wegen ihres Alters sehr akribisch gewartet und kontrolliert werden. Geflogen worden sei die DC-3 vom Chefpiloten von Air Service Berlin, Martin Müller. Der 45-Jährige sei „einer unser erfahrendsten Piloten“, betont Trocha.

Auch nach Angaben der Berliner Flughafen-Gesellschaft ist die Ursache für die Notlandung bislang ungeklärt. Die Bundesstelle für Fluguntersuchung hat Ermittlungen aufgenommen.

Die Eheleute Sylvia und Bernd Wallis wollten eigentlich um 17.30 Uhr einen Rundflug mit dem Rosinenbomber machen. „Aber man schickte uns ohne Angaben von Gründen nach Hause.“ Im Nachhinein seien sie froh, nicht früher am Nachmittag geflogen zu seien. „Wir haben Glück gehabt.“