Prenzlauer Berg

Sanierungsstopp für DDR-Blöcke am Wasserturm

Der Bezirk Pankow will in Prenzlauer Berg die Modernisierung der alten DDR-Häuser am Wasserturm stoppen, so dass der Eigentümer den Umbau wahrscheinlich erst in drei Jahren vornehmen darf.

Foto: Amin Akhtar

Die Bewohner der drei Wohnblöcke aus DDR-Zeit am Wasserturm hoffen wieder. Sie fürchteten die Modernisierung und den Neubau, die der Eigentümer ihrer Wohnanlage in Prenzlauer Berg plant, doch nun wollen die Bezirksverordneten das Vorhaben stoppen. Die Bezirksverordnetenversammlung hat eine sogenannte Veränderungssperre beschlossen. Bauanträge, die diese drei Häuser betreffen, sind bis auf weiteres zurückzustellen. Wenn das Bezirksamt dem Vorschlag der BVV folgt, dann kann sich das gesamte Vorhaben um bis zu drei Jahre verzögern. Wenn es überhaupt in der Form realisiert werden kann, wie der Investor es plant.

Denn zurzeit entwickelt die Behörde einen Bebauungsplan für das Gelände. Er wird festlegen, wie stark die Fläche bebaut werden kann, ob eine Tiefgarage möglich ist und ob Grünflächen erhalten bleiben. „Das sollte nicht unter Zeitdruck geschehen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Mindrup. Bis zu drei Jahre könne es dauern, bis das Planungsverfahren abgeschlossen sei. Solange sollten keine Tatsachen geschaffen werden. Außerdem wollen die Verordneten über jeden wichtigen Verfahrensschritt im Ausschuss für Stadtentwicklung informiert werden.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) ist mit dem Beschluss der BVV sehr zufrieden. Die drei Wohnblöcke an der Straßburger Straße liegen in seinem Wahlkreis, und Thierse hatte sich schon im August medienwirksam vor Ort für den Schutz der „Wohnanlage am Wasserturm“ und die Belange der Mieter eingesetzt. „Die Entscheidung ist ein wichtiger Zwischenschritt“, sagte er Morgenpost Online. „Jetzt kann man verhindern, dass schon bauliche Fakten geschaffen werden, zum Beispiel durch Baumfällarbeiten. Ich wollte erreichen, dass noch einmal alles ergebnisoffen geprüft wird und die Chancen genutzt werden, eine überzogene Verdichtung und die Verdrängung der Bewohner abzuwenden.“ Thierse will sich weiter engagieren. „Aber jetzt liegt erst einmal die Verantwortung für das Grundstück und die Mieter beim Baustadtrat.“

Angst vor steigenden Mieten

Bei den Mietern ist die Freude über die BVV-Entscheidung dagegen noch verhalten. „Den Bauplan kann man am Ende ja doch nicht zu den Akten legen“, sagte Erika Hoffmeister, mit 90 Jahren die älteste Bewohnerin der Wohnanlage Baujahr 1960, in der viele Rentner wohnen. Das Problem sei jetzt nur aufgeschoben, sagte Hoffmeister. Sie möchte wie die meisten ihrer Nachbarn nicht, dass sich vor ihrer Haustür etwas verändert. „Vielleicht springt der Investor ja noch ab.“ Hoffnung, ihre Wohnanlage dauerhaft vor Investoren zu schützen, hat Hoffmeister nicht. „Wenn der eine aufgibt, kommt der nächste. Unser Viertel ist einfach zu begehrt.“

Der Prenzlauer Berg ist in den vergangenen Jahren zum Inbegriff der sogenannten Gentrifizierung geworden. Es wird saniert, die Mieten steigen, ärmere Bewohner ziehen weg, wohlhabendere ziehen hinzu. Die Bewohner der „Wohnanlage am Wasserturm“ fürchten auch um ihre Mieten, die mit 5,50 Euro pro Quadratmeter in ihrem Kiez besonders niedrig sind. Die Mieten will Investor Rainer Bahr jedoch fünf Jahre lang nicht antasten, das hat er bereits zugesichert. Bahr will zur Straße hin den Grundstücksrand mit einem weiteren Block schließen. Damit wären die offenen Grünflächen zwischen den drei Blöcken weg, viele Mieter würden plötzlich im Hinterhof wohnen.

Investor Bahr ist enttäuscht über die Entscheidung der BVV. „Für uns ist es schade, dass die Politik diese Maßnahme ergriffen hat“, sagte er. Allerdings habe die politische Entscheidung erst einmal keine Auswirkungen. „Das Bezirksamt ist jetzt gefragt“, sagte Bahr. Im Ernstfall will er sein Vorhaben juristisch durchsetzen. Ob das Bezirksamt dem Vorschlag der BVV nachkommen wird, wollte der Pankower Baustadtrat Michail Nelken (Linke) noch nicht mitteilen.