"yoo berlin"

Spatenstich für Luxuswohnungen an der Spree

Zwischen Berliner Ensemble und Friedrichstadpalast entsteht ein zehnstöckiger Neubau mit Edel-Apartments. Sie sollen bis zu 10.000 Euro pro Quadratmeter kosten.

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Ein spezieller Fäulnisgeruch überlagerte gestern die Feierlichkeiten zum ersten Spatenstich für das Bauvorhaben "yoo berlin" am Spreeufer zwischen Berliner Ensemble und Friedrichstraße. Dort, wo vor 25 Jahren der Friedrichstadtpalast abgerissen wurde, weil das Gebäude wegen der verfaulten Fundamentpfeiler und des sich absenkenden Baugrundes einzustürzen drohte, haben jetzt die Bauarbeiten für einen zehngeschossigen Solitär begonnen, der dem prächtigen Vorgängerbau in nichts nachstehen soll. Dabei haben die Bagger das übel riechende Hauptproblem des Areals bereits zu Tage gefördert: eine schwarze Schicht aus Torf und Mudde. "Wir haben aus den Fehlern beim Vorgängerbau gelernt", versicherte Thomas Wolfensberger von der Peach Property Group.

Auf dem Areal in bester Spreelage entstand 1867 Berlins erste Markthalle, die schon nach wenigen Jahren für die Zirkusnutzung umgebaut wurde. Max Reinhardt ließ das Haus 1918 durch den Architekten Hans Poelzig zum Großen Schauspielhaus umbauen, in dem Marlene Dietrich und andere Weltstars auftraten. Ab 1945 fand hier der Friedrichstadtpalast seine Spielstätte.

Nach seinem Abriss 1985 lag das Areal jedoch brach, weil sich viele hochtrabende Projektideen während der kurz darauf beginnenden Nachwendezeit nicht realisieren ließen. So plante unter anderem Peter Eisenman, der auch das Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals am Brandenburger Tor entwarf, einen spektakulären "Wolkenbügel", der sich jedoch als unrealisierbar erwies. Mit der klangvollen Adresse des alten Friedrichstadtpalastes Am Zirkus 1 will der Schweizer Investor Peach Property nun anstelle des alten Amüsier-Palastes einen ganzen Häuserblock bauen, der sich um zwei Innenhöfe gruppiert. 87 Luxuswohnungen, zwischen 65 und 310 Quadratmeter groß, sowie ein Hotel mit 311 Zimmern samt Lobby, Wellness-Spa mit Bar und Café sollen entstehen. Der Berliner Architekt Eike Becker entwarf die moderne Hülle; die Innenausstattung lieferte Stardesigner Philippe Starck.

Damit das "yoo berlin" nicht ebenfalls im märkischen Morast versinkt, sind jetzt jedoch erst einmal aufwendige Gründungsarbeiten im Gange. Mehrere Hundert mehr oder minder vergammelte Holzpfähle des Vorgängerbaus wurden bereits aus dem Sumpf gezogen und werden nun nach und nach durch dreihundert Betonpfeiler, die bis zu 35 Meter tief in den Untergrund reichen, ersetzt. Und weil im Untergeschoss des Neubaus eine Tiefgarage mit 124 Parkplätzen entstehen soll, werden außerhalb der 55 mal 80 Meter großen Baugrube Stützwände errichtet, damit der weiche Boden nicht in die Grube rutscht. Trotz der aufwendigen Vorarbeiten ist Wolfensberger sicher, dass das Bauvorhaben im Winter 2012 fertiggestellt werden kann.

Damit sich die 75-Millionen-Euro-Investition auch lohnt, sind die Kaufpreise der Wohnungen für Berliner Verhältnisse unerhört hoch: Die Preisspanne für eine der Designer-Wohnungen liegt zwischen 4100 und 10.000 Euro je Quadratmeter. Dass der Preis angemessen für die deutsche Hauptstadt ist, hat sich der Investor, der nach der Frankonia Eurobau als zweitgrößter Entwickler von Luxusimmobilien in Deutschland gilt, mit einer Studie vom Analysehaus BulwienGesa absichern lassen. Demnach wurde in Berlin in den Jahren 2000 bis 2009 mit 30 Prozent oder 1050 Euro bundesweit der stärkste Anstieg bei den Spitzenpreisen verzeichnet. Aktuell liege der Durchschnittspreis für die 205 derzeit im Bau befindlichen Wohnungen im Luxussegment bei 6290 Euro.