Sprachförderung

In Berlin sollen jetzt Dreijährige zum Sprachtest

Immer mehr Grundschüler in Berlin verfügen über unzureichende Deutschkenntnisse. Bildungssenator Jürgen Zöllner will deshalb eine verpflichtende Überprüfung in Kitas schon für Dreijährige einführen.

Foto: Marion Hunger

Grundschullehrer beklagen immer wieder, dass viele Schulanfänger mit unzureichenden Sprachkenntnissen in die Schule kommen. Auch die jüngsten Ergebnisse der Deutsch-Vergleichsarbeiten (Vera) haben gezeigt, dass viele Drittklässler große Schwierigkeiten beim Verstehen der deutschen Sprache haben. Besonderes Augenmerk wird deshalb auf die Frühförderung der Kinder gelegt. Die findet in Berlin vor allem in den Kitas statt, da 90 Prozent der Vorschulkinder eine solche Einrichtung besuchen.

Im Rahmen einer Qualitätsoffensive wird in der Senatsbildungsverwaltung nun überlegt, ob die für Vierjährige verpflichtenden Sprachstandserhebungen ein Jahr vorgezogen werden könnten. Senator Jürgen Zöllner (SPD) will bereits die Dreijährigen testen, um bei den Einschulungstests zwei Jahre später sehen zu können, wie erfolgreich die Sprachförderung in der Kita war. Außerdem lässt der Senator prüfen, ob Kinder zwei Jahre vor Schulbeginn zum Kita-Besuch verpflichtet werden können, wenn sie bei den Sprachtests schlecht abschneiden. Noch würden die Details des Qualitätspakets aber diskutiert, sagte die Jugendreferentin in der Senatsbildungsverwaltung, Kirstin Fussan, gestern.

Die 2008 beschlossenen Sprachtests werden bei Kita-Kindern in ihrer Einrichtung durchgeführt. Alle anderen werden hierzu in bestimmte Kitas eingeladen. Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) weist allerdings darauf hin, dass die Resonanz auch von den Eltern abhängt. „Wir haben keine Handhabe wie etwa bei Schulverweigerung, etwas zu tun, wenn Eltern auch der dritten Einladung nicht folgen“, sagte sie. Zwar könnten die Jugendämter bei Verweigerung ein Ordnungsgeld verhängen, so Jugendreferentin Fussan. Das werde aber nicht überall praktiziert. „Friedrichshain-Kreuzberg zum Beispiel lehnt Zwang in diesem Zusammenhang ab und setzt bewusst auf Freiwilligkeit“, sagte Fussan.

Dabei hat sich ein Erfolg der landesweiten Tests bereits gezeigt: 90 Prozent aller Kinder, bei denen im Frühjahr 2010 ein sprachlicher Förderbedarf festgestellt worden war, wurden daraufhin in einer Kita angemeldet. Insgesamt waren 32 Prozent aller 2000 getesteten Jungen und Mädchen des Jahrgangs, die bis dahin keine Tagesstätte besuchten, Nachholbedarf in Deutsch bescheinigt worden.

Die Kitas allerdings schaffen es offenbar nicht, alle erfolgreich zu fördern. Giffey macht dafür Personalschwierigkeiten verantwortlich. Wie gut die Bildungsarbeit in den Kitas funktioniert, wird nun landesweit untersucht: In den kommenden fünf Jahren müssen sich die knapp 2000 Berliner Kitas – staatliche Einrichtungen wie solche in freier Trägerschaft – einer Qualitätskontrolle unterziehen.

Frühe Bildung zahlt sich aus

Nach Auskunft von Roland Kern, Sprecher des Dachverbandes der Berliner Kinder- und Schülerläden, werden bis zum Sommer 2011 zunächst etwa 300 Einrichtungen geprüft. Dabei gehe es sowohl um die Umsetzung des Kita-Bildungsprogramms und damit um die Sprachförderung als auch um die tägliche Arbeit der Erzieherinnen sowie die Personal- und Raumsituation. Auch Eltern würden befragt. Verantwortlich für die Kita-Checks ist das Berliner Institut für Kita-Qualität, das acht entsprechend qualifizierte Anbieter für die Prüfungen ausgewählt hat. Wie mit den Ergebnissen umgegangen wird, stehe aber noch nicht fest, so Kern. Er warnt davor, die Auswertung auf ein einfaches Ranking hinauslaufen zu lassen. „Die Kitas brauchen Rückmeldung darüber, wo es Probleme gibt und wie diese zu beseitigen sind“, fordert Kern.

Es sei „dringend notwendig, die Wirksamkeit von Sprachförderkonzepten im vorschulischen wie im schulischen Bereich zu untersuchen“, sagte Schulforscherin Felicitas Thiel von der Freien Universität. Auch Elfi Jantzen, familienpolitische Sprecherin der Grünen, begrüßt die Qualitätsoffensive der Bildungsverwaltung. Sie forderte jedoch, vor allem Migranteneltern intensiver über den Nutzen des Kita-Besuchs zu informieren. Ein Vergleich der Einschulungsuntersuchungen der letzten Jahre hat laut Senatsbildungsverwaltung gezeigt, dass Kinder, die länger in der Kita gefördert wurden, bei den sprachlichen, kognitiven und motorischen Fähigkeiten besser abschneiden.