Robert-Koch-Forum

Berlin bekommt eine neue Privat-Uni

Berlin ist es gelungen, das historische Robert-Koch-Forum zu verkaufen. Die britische Arcadia Berlin Stiftung, hinter der die Tetra-Pak-Erbin Lisbet Rausing steht, will in dem Gebäude eine private Universität einrichten. 1882 hatte Robert Koch dort seinen Vortrag über die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers gehalten.

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Das historische Robert-Koch-Forum an der Dorotheenstraße in Mitte ist verkauft. Der Liegenschaftsfonds unterzeichnete jetzt den Kaufvertrag für das Gebäude, in dem der Mediziner Robert Koch 1882 seinen berühmten Vortrag über die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers hielt. Käuferin ist die britische Arcadia Berlin Stiftung GmbH, eine Schwesterstiftung des Arcadia Fund mit Sitz in London. Die Stiftung will in dem alten Haus das „University College Berlin“ aufbauen.

Nach einer Mitteilung der Charité, die den Berliner Liegenschaftsfonds mit dem Verkauf des Gebäudes beauftragt hatte, plant Arcadia in Berlin ein „Projekt zur Hochschulreform“. Konkret handele es sich dabei um den Aufbau einer Privat-Universität, heißt es in Wissenschafts-Kreisen.

Der klassizistische Bau, mitten im Regierungsviertel und direkt an der Spree in unmittelbarer Nähe zum Deutschen Bundestag gelegen, wird noch bis 2012 mietfrei von der Charité genutzt. Das Abgeordnetenhaus von Berlin und der Aufsichtsrat des Liegenschaftsfonds haben dem Verkauf bereits zugestimmt. Anders als bei vielen anderen Verkäufen des Landes in der jüngeren Vergangenheit gab es diesmal keine Schwierigkeiten: Das oberste Vergabekriterium beim Verkauf der Immobilie war neben einem guten Preis vor allem die Bedingung, das Gebäude für die Wissenschaft zu nutzen. Das will die Arcadia Stiftung ohnehin erfüllen.

„Eine wissenschaftsnahe Nutzung dieses traditionsreichen Ensembles ist gesichert. Für uns ist damit ein weiterer Schritt zur Konzentration der Charité an den drei Campi erreicht“, begrüßte Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité, den Verkauf. Zusätzlich sei es gelungen, mit der Familie Rausing eine weitere namhafte europäische Stifterfamilie zu einem Engagement in Berlin zu bewegen.

Die Tetra Pak-Erbin tritt als Stifterin auf

Hinter dem 2001 gegründeten Arcadia Fund stehen die Stifter Lisbet Rausing, Historikerin und Enkelin des schwedischen Tetra Pak-Firmengründers Ruben Rausing, und der Geschichtsprofessor Peter Baldwin.

Die Arcadia-Stiftung, die weltweit innovative Forschungsprojekte zum Erhalt der Artenvielfalt und der Bewahrung bedrohter Kulturen unterstützt, hat allein in diesem Jahr nach eigenen Angaben mit jeweils fünf Millionen US-Dollar die Universitätsbibliotheken von Harvard, Yale sowie der Universität von Kalifornien (Los Angeles) gefördert.

Weitere fünf Millionen gingen an das „Wende Museum“ in Los Angeles, das sich der Aufarbeitung des Kalten Krieges widmet. Die Organisation „Birdlife International“ wurde mit 1,5 Millionen unterstützt. Das Samenbank-Projekt des ältesten botanischen Gartens der Welt, des Kew-Gardens in London, erhielt 1,2 Millionen US-Dollar.

„Zum zweiten Mal konnten wir zu einem hervorragenden Ergebnis ein Charité-Objekt verkaufen“, sagte der Chef des Berliner Liegenschaftsfonds, Holger Lippmann. Bereits vor zwei Jahren hatte der Unternehmer Ernst Freiberger für rund 31 Millionen Euro das Areal der ehemaligen Charité-Frauenklinik an der Monbijoustraße erworben. Wie viel die Arcadia für das Robert-Koch-Forum überwiesen hat, wird indes nicht verraten. Die Vertragspartner haben Stillschweigen vereinbart. „Der Verkauf hat sich für Berlin gelohnt“, sagte Lippmann lediglich. Der Kaufpreis sei gerade in diesem Jahr für die Investitionsmaßnahmen der Universitätsklinik sehr wichtig. „Die künftige Nutzung wird aber auch eine großartige Bereicherung der Wissenschaftslandschaft des Landes sein.“

Der Liegenschaftsfonds wurde 2001 gegründet, um nicht mehr benötigte Immobilien und Grundstücke des Landes Berlin professionell zu vermarkten. Im Zuge der Finanzkrise drohen jedoch für 2009 Einnahmeausfälle in Höhe von rund 100 Millionen Euro. Probleme gibt es dabei weniger mit dem Neugeschäft (minus 35 Millionen Euro) als mit bereits geschlossenen Kaufverträgen. Allein 65 Millionen Euro gehen dem Land Berlin in diesem Jahr verloren, weil die Verträge nicht zustande kommen. Entweder, weil die notwendigen Genehmigungen nicht erteilt wurden, oder weil die Investoren die Preise nicht mehr zahlen konnten.