Kino

Studio Babelsberg hat Kurzarbeit angemeldet

Gerade haben die Studios Babelsberg noch mit Regisseur Quentin Tarantino gefeiert. Doch die Partystimmung ist vergangen. Erst im Herbst kommen neue Aufträge. Denn vorerst gibt es Kurzarbeit in einigen Abteilungen. Vorsorglich, wie es heißt. Doch die Filmproduzenten sind optimistisch.

Die weltweite Finanzkrise hat nun auch den Medienstandort Babelsberg erreicht: Der vorrangig mit Partnern aus der US-Filmbranche kooperierende Produzent Studio Babelsberg AG hat für einzelne Bereiche des Unternehmens Kurzarbeit angemeldet. Dies hat das Unternehmen am Donnerstag bekannt gegeben. Grund dafür sind Auftragseinbrüche: „Über die Sommermonate ist gegenüber der ursprünglichen Planung kein größeres Filmprojekt in Babelsberg realisiert worden“, sagte Studio-Vorstandschef Carl Woebcken.

Auslöser dafür ist offenbar vor allem die Krise in der US-Filmwirtschaft, mit der das Studio eng zusammenarbeitet. Die Filmförderspezialistin des Medienboard Berlin-Brandenburg, Kirsten Niehuus, bestätigte, dass durch die nahezu vollständige Bankenfinanzierung der US-Produktionen das Risiko für deutsche Partner wie Studio Babelsberg steige. „In den USA gibt es praktisch keine staatliche Filmförderung wie in Deutschland, England, Frankreich oder Kanada. Wenn die Banken dort nichts geben, kann auch nichts produziert werden“, sagte Niehuus dieser Zeitung.

Die Kurzarbeit soll für den Zeitraum von September bis November gelten. Betroffen seien nur wenige Abteilungen der Verwaltung. „In den personalintensiven Bereichen wie etwa dem Art Department und den Werkstätten, wird mit unvermindertem Einsatz weitergearbeitet“, sagte Studio-Babelsberg-Sprecher Eike Wolf. Insgesamt beschäftigt das Studio derzeit etwa 85 fest angestellte Mitarbeiter. Wie viele Beschäftigte konkret betroffen sind, ist noch unklar.

Wolf zufolge ist die Kurzarbeit eine reine Vorsichtsmaßnahme. Sie diene dazu, die finanzielle „Liquidität“ des Unternehmens in jedem Fall sicherzustellen. Studio-Babelsberg-Chef Woebcken rechnet damit, das sich die Lage im Hebst wieder verbessert. „Die strategische Partnerschaft mit Joel Silver (Dark Castle Slate) wird bereits dieses Jahr zur Vorbereitung des Filmes‚Unknown White Male’ führen. Über weitere Projekte wird mit internationalen Koproduzenten verhandelt“, sagte Woebcken. Kritik übte der Studiochef Medienberichten zufolge an den Banken. Diese seien zu zaghaft bei der Vergabe neuer Kredite. Sogar die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) sei auf diesem Sektor derzeit „leider sehr restriktiv“, so Woebcken.

ILB-Sprecher Harald Fuchs bewertete dagegen das Engagement seines Hauses positiv. „Das Studio genießt optimale Finanzierungsbedingungen und auch die Branche allgemein findet einen sehr guten Rahmen vor“, sagte Fuchs. Er verwies auf Finanzierungen durch den Deutschen Filmförderfonds und die Hilfen des Medienboard. Die ILB selbst habe gemeinsam mit Berlin schon länger ein Zwischenfinanzierungsprogramm für die Medienbranche aufgelegt. Dazu kämen Krisensonderprogramme zur Liquiditätssicherung. Fuchs setzt dabei auf die gute Partnerschaft mit Studio Babelsberg. „Das ist ein ganz wichtiger Player am Markt. Als solcher ist er auch bei uns gelistet.“ Die von der ILB angebotene Zwischenfinanzierung, wird laut Medienboard von Medienunternehmen derzeit stark beansprucht.

Die Hoffnungsschimmer für Studio Babelsberg sind indes sehr konkret: Die Dreharbeiten für „Unknown White Male“ mit dem irischen Schauspieler Liam Neeson sollen bereits im Januar kommenden Jahres beginnen. Nach „Ninja Assassin“ wäre dies der zweite Streifen, der im Rahmen einer Kooperation mit dem Hollywood-Produzenten Joel Silver in Babelsberg gedreht wird.

Die Studios vor den Toren Berlins hatten im vergangenen Jahr mit Silver einen millionenschweren Vertrag geschlossen. Damit beteiligt sich Babelsberg als Produzent an einem Paket mit 15 Filmen, die in den nächsten Jahren entstehen sollen.

Für den Medienbeauftragten der Landesregierung, Erhard Thomas, besteht durch die Flaute bei den Filmproduktionen kein Anlass für „Alarmstimmung“. Die Zurückhaltung der US-Produktionsfirmen habe Studio Babelsberg nicht aus heiterem Himmel getroffen. „Es handelt sich um eine Sommerdelle“, sagte Thomas der Berliner Morgenpost. „Die nächsten großen Projekte sind ziemlich sicher und werden nur auf Herbst verschoben.“ Studio Babelsberg und die Film- und Fernsehwirtschaft blieben auf Wachstumskurs, so seine Einschätzung. Auch der Sprecher des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums, Alexander Gallrein, sieht die Erfolgsstory des Studios Babelsberg auf keinen Fall für beendet an. „Brandenburg ist als Filmland gefragt wie nie“, sagte er.

Besonders die Vielfalt der Filmkulissen sowie das Know-how böten optimale Drehbedingungen für Filmschaffende aus der ganzen Welt, hatte Woebcken bei der Vorstellung der Bilanz 2008 hervorgehoben.