Friedrichshain

Demonstration gegen Rechts ist beendet

Eine Woche nach dem brutalen Überfall auf einen 22-Jährigen haben rund 4000 Menschen in Friedrichshain gegen rechte Gewalt demonstriert. Die Route führte auch zu der Diskothek, in der die Schläger vor der Tat gefeiert haben sollen. Dort brachte die Polizei Wasserwerfer in Stellung.

In Friedrichshain haben rund 4000 Menschen gegen rechte Gewalt demonstriert. Sie zogen vom Bersarinplatz zur Diskothek "Jeton". Es gab vereinzelt Rangeleien, wenn Protestierende von der genehmigten Route auf der Frankfurter Allee ausscheren wollten. Auch einige Festnahmen wurden beobachtet. Unter den Demonstranten waren Mitglieder der linksautonomen Szene und des sogenannten Schwarzen Blocks. Aus diesen Gruppen wurden vereinzelt Feuerwerkskörper geworfen und auch Parolen gegen die Polizei skandiert, die mit einigen hundert Beamten den Zug begleitete.

Die Stimmung war aufgeheizt, als die Menschenmenge gegen 20.15 Uhr vor der Diskothek "Jeton" an der Frankfurter Allee ankam. Die Polizei brachte Wasserwerfer in Stellung. Polizisten waren auch auf Häuserdächern präsent. Doch bis kurz nach 20.30 Uhr passierte nichts Schlimmeres. Die Kundgebung vor der Diskothek verlief friedlich. Dann wurde die Demonstration offiziell für beendet erklärt. Die Polizei forderte die Demonstranten auf, die Straße zu räumen, die wieder für den Verkehr freigegeben werden sollte.

Ein Polizeisprecher sagte gegen 21 Uhr: „Die Veranstaltung verlief größtenteils friedlich.“ Auf Transparenten der Demonstranten war zu lesen: „Antifa heißt Angriff“, aber auch „Keine Gewalt“. Etwa 250 der bis zu 4000 Demonstranten hätten der Polizei Sorgen bereitet, wie der Polizeisprecher sagte. Gegen 21.30 Uhr waren noch rund 200 Menschen vor dem "Jeton" auf der Straße.

Vor Beginn der Demonstration hatten Polizisten alle Zufahrten zum Bersarinplatz kontrolliert. Die Petersburger Straße war zwischen Karl-Marx-Allee/Frankfurter Allee und Bersarinplatz Richtung Prenzlauer Berg für den Verkehr gesperrt. Die Demonstrations-Teilnehmer wurden kontrolliert. Glasflaschen müssen stehen gelassen oder ausgetrunken werden. Sollte jemand Waffen, etwa ein Messer, dabei haben, wurde er sofort wegen Verstoßes gegen das Versammlungsrecht festgenommen.

Der Protestzug startete mit einer Stunde Verspätung kurz nach 19 Uhr am Bersarinplatz und zog von dort zum S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee. Unter den Protestierenden waren zahlreiche Mitglieder der linksautonomen Szene und des sogenannten Schwarzen Blocks. Auf Transparenten hieß es: „Antifa heißt Angriff“, aber auch „Keine Gewalt“. Auch der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Grüne) nahm an dem Protestzug teil.

Zur Teilnahme an der Demonstration hatten SPD, Grüne und die „Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN)“ aufgerufen. Die VVN erklärte, viele der Gründungsmitglieder hätten den Straßenterror der Nazis schon vor 1933 am eigenen Leib erfahren müssen. Darum gelte dem Opfer Mitgefühl und Solidarität. Die SPD forderte ausdrücklich ein Nein zu rechter und linker Gewalt.

Anlass für die Demonstration war der brutale Übergriff von vier Männern gegen einen jungen Mann vor gut einer Woche in Friedrichshain. Das Opfer schwebt in Lebensgefahr. Gegen die 20 bis 26 Jahre alten Männer aus Königs Wusterhausen, Storkow, Ragow und Friedersdorf, die den jungen Mann vor einer Woche zusammenschlugen, wurde Haftbefehl wegen des Verdachts des versuchten Totschlags erlassen. Wahrscheinlich war das Opfer der linken Szene zuzurechnen und vorher in eine Prügelei mit seinen späteren Peinigern aus der rechtsextremen Szene geraten.

Weil die vier mutmaßlichen Täter vor dem Angriff auf den 22-Jährigen in der Diskothek "Jeton" gefeiert haben sollen, war die Einrichtung am Dienstagabend vermutlich aus Rache von rund 200 teils vermummten Personen mit Steinen angegriffen worden.