Notpläne und Entschädigungen

Die wichtigsten Fragen zum S-Bahn-Chaos

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Markus Falkner und Thomas Fülling

Die Krise bei der S-Bahn hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach verschärften Sicherheitsauflagen durch das Eisenbahn-Bundesamt rollt nur noch jeder dritte S-Bahnzug. Von Montag an gelten weitere drastische Einschränkungen. Morgenpost Online beantwortet die wichtigsten Fragen zu dieser neuen Lage

Wird der S-Bahn-Betrieb jetzt völlig eingestellt?

Nein. Die nochmals verschärften Sicherheitsauflagen des Eisenbahn-Bundesamtes haben zwar gravierende Auswirkungen auf den Wagenpark der Berliner S-Bahn. Dennoch muss das Unternehmen den Betrieb nicht komplett einstellen. Der S-Bahn steht nur noch etwa ein Drittel der für einen regulären Fahrplanbetrieb nötigen Züge zur Verfügung. Diese fahren von Montag an nach einem stark ausgedünnten Notfallfahrplan. Danach verkehren nur auf den Ringbahn-Linien S41 und S42 die Züge im Zehn-Minuten-Takt. Die wichtigen Nord-Süd-Linien S1 und S2 fahren weiter im 20-Minuten-Takt. Auf allen anderen Linien gibt es erhebliche Einschränkungen bis hin zur Einstellung des Betriebs.

Wo erhält man Informationen?

Details des Notfahrplans will die S-Bahn am Wochenende in einer Sonderausgabe ihrer Kundenzeitschrift „Punkt3“ sowie im Internet unter www.s-bahn-berlin.de bekannt geben. Auch die Morgenpost wird Einzelheiten des Fahrplans so früh wie möglich veröffentlichen.

Gibt es Alternativen zur S-Bahn?

Ja. Insbesondere auf der Stadtbahn, auf der zwischen Ostbahnhof und Zoologischer Garten gar keine S-Bahnen mehr fahren werden, setzt die Bahn zusätzliche Regionalexpresszüge auf der Linie RE1 ein. Diese fahren von 6 bis 20 Uhr zwischen Potsdam-Hauptbahnhof und Berlin-Ostbahnhof mit Zwischenhalt in Wannsee, Charlottenburg, Zoo, Hauptbahnhof, Friedrichstraße und Alexanderplatz. Insgesamt fahren tagsüber zwischen Zoo und Ostbahnhof sieben Regionalzüge pro Stunde und Richtung. Auf der Regionalbahnlinie RB10 (Nauen–Berlin-Spandau) fahren alle Züge weiter bis nach Charlottenburg. Als Ersatz für den eingestellten S-Bahn-Betrieb zwischen Schöneweide und Schönefeld sind zwischen Grünau und Flughafen Busse im Einsatz. Außerdem können Fahrgäste den Schnellbus SXF1 zuschlagfrei nutzen. Der fährt täglich von 5 bis 23 Uhr alle 20 Minuten vom Bahnhof Südkreuz bis vor den Flughafen-Terminal und zurück.

Wie und wann soll die angekündigte Entschädigung erfolgen?

Als Ausgleich für aktuelle Zugausfälle und Verspätungen hat der Bahn-Vorstand für Personenverkehr eine „freiwillige Kompensationsleistung“ für Stammkunden angekündigt. Alle Inhaber von Jahres- und Monatsabonnements (inklusive Senioren-, Auszubildenden-, Schüler-, Geschwister- und Firmentickets) sollen einen Monat kostenlos fahren dürfen. Die Kulanzregelung soll unabhängig davon gewährt werden, ob der Vertrag mit der S-Bahn oder einem anderen Verkehrsunternehmen innerhalb des VBB abgeschlossen wurde. Bedingung: Das Abo muss für den Tarifbereich AB, BC oder ABC gelten und im Dezember 2009 noch bestehen.

Kann Berlin die als „Gewinn“ von der S-Bahn an den Bahn-Konzern abgeführten Millionen zurückfordern?

Nein. Es gibt einen Verkehrsvertrag des Landes Berlin mit der S-Bahn, in dem unter anderem geregelt ist, dass nicht gefahrene Leistungen nicht bezahlt werden. Zudem können bis zu fünf Prozent der jährlichen Zahlungen des Landes als Konventionalstrafe für sogenannte Qualitätsmängel einbehalten werden. Qualitätsmängel sind beispielsweise Verspätungen von Zügen und Unzufriedenheit der Fahrgäste (ermittelt durch Befragungen). Die Gewinnabführung der S-Bahn an den Mutterkonzern Deutsche Bahn kann von den Ländern Berlin und Brandenburg als Vertragspartner nicht direkt beeinflusst werden. Die Bahn begründet ihrerseits die Gewinnabführung als notwendige Refinanzierung von Investitionen, etwa der 1,2 Milliarden Euro, die für neue Züge ausgegeben wurden.